Die Natur – gezeichnet und fotografiert

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mi, 12. September 2018

Grenzach-Wyhlen

Doppelausstellung zweier ortsansässiger Künstlerinnen in der Römervilla ist noch bis Sonntag, 7. Oktober, zu sehen.

GRENZACH-WYHLEN. Die Liebe zur Natur und ein waches Auge für die kleinen Dinge am Wegesrand verbinden Brigitte Oertlin und Ursula Nübling. So lag es nahe, die Zeichnungen und Fotografien der beiden Künstlerinnen aus Grenzach-Wyhlen in einer gemeinsamen Ausstellung unter dem Titel "Natur im Blick" im Regionalmuseum Römervilla zusammenzubringen.

Man sollte nahe herangehen, um die Feinheiten in diesen naturverbundenen Arbeiten wahrzunehmen. Brigitte Oertlin spürt gerne Fundstücke in der Natur, im heimischen Garten oder im Wald auf, die sie dann sehr präzise und akribisch detailgenau in Zeichnungen festhält. Bis auf ein Pastell auf Japanpapier sind alle Arbeiten in Buntstift ausgeführt. Der Blick wird auf besondere Strukturen und Formen der Natur gelenkt. So hat Brigitte Oertlin einen abgestorbenen Baum im Wald gezeichnet, dessen abbrechende Formen als berührendes Sinnbild für die Vergänglichkeit wirken.

Auch einen Baumstamm, dessen archaische Form sie fasziniert hat, und abblätternde Rinde hat die Zeichnerin in feinsten Linien abgebildet. Die knorrigen, verschlungenen Formen, die urtümlichen Strukturen mancher Holzstücke erinnern an Lebenslinien. Eines dieser hölzernen Fundstücke aus dem Wald hat Oertlin in einer Zeichnung in eine Landschaft hineingesetzt. In ihrem feinsinnigen zarten Stil hat sie auch andere Naturmotive gezeichnet, etwa herabgefallene Herbstblätter in subtilen Farben, einen Zweig mit Eichenblättern oder Ginkgoblätter.

Sehr schön zu diesen Zeichnungen passen die Fotografien von Ursula Nübling. Mit der Kamera geht sie gerne in die Natur hinaus, entdeckt unterwegs mit präzisem Blick interessante Motive und hält sie einfühlsam fest. Ursula Nübling hat ihre Fotografien zu mehrteiligen Collagen zusammengesetzt, die auf ihre Art kleine, feine Bildergeschichten erzählen. So sieht man zum Beispiel eine Reihe von Grenzsteinen mitten in der Natur, im Wald, am Wegrand, steinerne Zeugnisse der Vergangenheit, verwittert, zwischen Herbstlaub oder zwischen Schneeresten. Auch Baummotive, einzelne Bäume, stimmungsvolle Waldimpressionen in Herbstfarben, rötlich verfärbte Blätter, Kastanien, verschiedene Pflanzen oder ein zarter Schmetterling finden sich in Nüblings fotografischen Naturimpressionen. Ihre Aufnahmen haben auch etwas Poetisches und Geheimnisvolles, etwa die Fotografie von Vogelschwärmen oder ein atmosphärisches Bild, das aussieht wie Regentropfen. Beide Künstlerinnen sensibilisieren den Betrachter in ihren zeichnerischen und fotografischen Naturstudien für die oft verborgenen Besonderheiten und Schönheiten in der Natur. Gleichsam wie ein Motto für diese Schau könnte man die Zeilen des Dichters Rainer Maria Rilke lesen, die Oertlin auf einer Zeichnung zitiert: "Es geht eine große und ewige Schönheit durch die ganze Welt, und diese ist gerecht über die großen und kleinen Dinge verstreut."

Die Ausstellung in der Römervilla Grenzach ist bis Sonntag, 7. Oktober, zu sehen.