Rock

Die Nerven: Bisweilen zärtlich

Simon Langemann

Von Simon Langemann

Mi, 25. April 2018

Rock & Pop

"Erlaubt ist, was gefällt", singt Max Rieger in "Neue Wellen" – ein gewitzter Titel, denn so knietief im New Wave wie auf dem Eröffnungsstück ihrer dritten Platte "Fake" steckten Die Nerven noch nie. Doch wie melodisch versiert und bisweilen fast zärtlich das einst so schroffe Noise-Rock-Trio aus Stuttgart und Umgebung mittlerweile klingen kann, wird sich erst noch zeigen. So erscheint etwa das anschließende "Niemals" wie ein müheloses Statement: Natürlich können wir auch Pop-Refrains schreiben, wenn uns danach ist. Auf der anderen Seite loten die drei Musiker in "Dunst" oder "Kann’s nicht gestern sein" zwischen sphärischem Wohlklang und heftigen Ausbrüchen eine dynamisches Spektrum aus, das ihnen zur Zeit keiner nachmacht. Dem Lärm haben Die Nerven jedenfalls nicht abgeschworen. Sie haben ihm nur die ein oder andere Tugend zur Seite gestellt. Und so bleibt einem wenig anderes übrig, als nach "Fun" (2014) und "Out" (2015) auch dem vorliegenden Album staunend das Zeug zum Klassiker zu attestieren.

Die Nerven: Fake (Glitterhouse).