Die Orgel, sanft und sinfonisch

Johannes Adam

Von Johannes Adam

Do, 11. Oktober 2018

Klassik

Freiburg: Bernhard Marx in der Pfarrkirche St. Johann.

Per Zugabe in der Freiburger Pfarrkirche St. Johann wurde nachgeliefert, was man bei den 15 Münsterorgelkonzerten dieses Sommers vermisst hatte: eine Triosonate Bachs. Wirklich sanft und lieblich spielte Bernhard Marx den langsamen Mittelsatz ("Adagio e dolce") aus dem d-Moll-Exempel BWV 527. Nach diesem Rezital verließ man die doppeltürmige Wiehre-Kirche mit dem wohligen Gefühl, die dortige wunderbare dreimanualige Metzler-Orgel und deren 50 Register in der Breite ihrer Möglichkeiten erlebt zu haben. Mit dem Hausorganisten an den Tasten, der sein Instrument aus dem Effeff kennt.

Musik von Bach hatte Marx zuvor bereits am kleinen Beckerath-Orgelpositiv in der Vierung geboten: unter anderem drei Choräle aus der frühen sogenannten Neumeister-Sammlung. Sehr klar, sehr schön, sehr aufschlussreich – etwa jene C-Dur-Bearbeitung von "Herzlich lieb hab ich dich, o Herr" BWV 1115, die sich als eine Choralfantasie en miniature verstehen lässt. Bachs f-Moll-Paar BWV 534 an der großen Orgel: Da erklang das Präludium (wenn nicht alles täuschte) ganz ohne Zungenregister, die fünfstimmige Fuge hingegen bekam per Trompete das adäquate Gewicht. Zumindest tonartlich ist jenes Bach-Opus mit Mozarts kleiner Fantasie KV 594 verwandt. Marx gab diesem Spätwerk des Wiener Klassikers Ruhe in den Rahmenteilen. Das hurtige Zentrum hatte silbrigen Glanz. Eine inspirierte Interpretation mit Musikalität und Herz.

Das Offertoire übers österliche "O filii et filiae" des französischen Barockmeisters Jean-François Dandrieu ist mit seinen Variationen eine besonders gute Gelegenheit zur Registerpräsentation. Marx nutzte sie. Kornett, Krummhorn et cetera – bis hin zum Zimbelstern: alles an Bord. Mystische Streicherfarben dann im vorletzten Satz der Sinfonie Nr. 1 des späteren Pariser Kathedralorganisten Louis Vierne. Schon beim einleitenden "Prélude" hatte Marx die ernste, geradezu brütende Klangwelt dieses Spätromantikers bestens getroffen – in der "Maestoso"-Auslegung und mit 32-Fuß-Pedaltiefe. Warum uns indes die Fuge vorenthalten wurde, erschloss sich nicht. Nett wäre es auch gewesen, vor dem lyrischen Oboengesang (Pastorale!) den Stundenschlag der Turmuhr abzuwarten. Das Scherzo mit Kanon-Mitte: hübsch! Beim motorisch-toccatischen Finale zeigte sich die Orgel in sinfonischer Pracht.

Weitere Orgelkonzerte in St. Johann: bis 6. November, jew. dienstags, 20.15 Uhr.