Film

Die pakistanische Regisseurin Sabiha Sumar mit zwei Filmen im Kommunalen Kino Freiburg

Moritz Lehmann

Von Moritz Lehmann

Do, 08. März 2018 um 19:11 Uhr

Kino

Regisseurin Sabiha Sumar macht keinen Hehl aus ihrer westlich-linksliberalen Haltung. Ihre Themen sind Frauen in islamisch geprägten Ländern und religiöser Fundamentalismus.

Plötzlich marschiert Saleem in der ersten Reihe des Mobs, der durch die Straßen des kleinen pakistanischen Dorfes Charkhi zieht und brüllt: "Zeig dich, Ungläubiger!" Der junge Mann hat innerhalb kurzer Zeit eine Wandlung hin zum fundamentalistischen Islam vollzogen. Seine Mutter Ayesha bringt diese Wandlung aufgrund ihrer eigenen Lebensgeschichte, die sie bislang mehr oder weniger erfolgreich verdrängt hat, in Bedrängnis. Saleem und Ayesha sind die beiden Hauptpersonen in "Silent Waters", der nicht nur der erste Spielfilm der Filmemacherin Sabiha Sumar ist, sondern auch der erste pakistanische Spielfilm einer Frau überhaupt.

Die für ihren Film vielfach ausgezeichnete Regisseurin ist am Dienstagabend, 13. März, im Kommunalen Kino in Freiburg zu Gast. Nicht nur "Silent Waters", sondern zuvor auch ihre neueste Produktion, der Dokumentarfilm "Azmaish. A Journey through the Subcontinent" wird dann zu sehen sein.

Es sind vor allem zwei Themen, die das Werk von Sabiha Sumar bestimmen: die Situation von Frauen in islamisch geprägten Ländern und der religiöse Fundamentalismus. Dies wird auch in "Silent Waters" und "Azmaish" deutlich. Auch der erstgenannte Film hätte eigentlich eine Dokumentation werden sollen, die sich der Teilung Pakistans und Indiens im Jahr 1947 und den damit verbundenen Verschleppungen von Frauen auf beiden Seiten widmet. Bei ihrer Suche nach Zeitzeugen stieß Sumar allerdings auf eine Mauer aus Schweigen und entschloss sich daher, die Geschichte als Spielfilm zu erzählen.

"Silent Waters" ist ein glaubwürdiges Porträt eines solchen Schicksals, das einerseits die verbindende Kraft offenbart, die eine Religion haben kann – aber auch, welche Zerstörungskraft sie entfalten kann. Der Film spielt 1979, zwei Jahre nach der Machtübernahme des Generals Zia ul-Haq, der eine Islamisierung des politischen Systems vorantrieb. In diesem Zuge kommen zwei junge Islamisten in das Dorf Charkhi, um junge, orientierungslose Männer für ihre Sache zu gewinnen – darunter auch Saleem.

Nicht ganz so gelungen ist der Dokumentarfilm "Azmaish", der sich der aktuellen gesellschaftlichen Situation in Indien und Pakistan widmet. Die Regisseurin wird dabei selbst zur Hauptperson und begibt sich, gemeinsam mit der Bollywood-Schauspielerin Kalki Koechlin, auf eine Reise durch beide Länder. Ihr Standpunkt dabei: In beiden politischen Systemen bedroht der religiöse Fundamentalismus die demokratische Entwicklung.

Ungleichheit ist die Wurzel der Probleme

Sabiha Sumar, die in New York und Cambridge nicht nur Film, sondern auch Politik studiert hat, macht keinen Hehl aus ihrer westlich-linksliberalen Haltung. Sumar will deutlich machen, dass nicht das Miteinander verschiedener Religionen, sondern politische und wirtschaftliche Ungleichheit die Wurzel der Probleme der Menschen in Indien und Pakistan sind. Das mag stimmen. So richtig deutlich macht dies ihr Film aber nicht – dafür kommen zu viele unterschiedliche Stimmen zu Wort, und das meist zu kurz.

Da ist etwa ein pakistanischer Großgrundbesitzer und Politiker; der Anführer einer islamischen Bürgerwehr; eine indische Hauptstadtjournalistin als Repräsentantin der gebildeten Mittelschicht; verarmte indische Familien, die seit Jahrzehnten auf dem Bürgersteig leben und Angehörige eines pakistanischen Wüstenstamms, bei denen Frauen nicht vor der Kamera sprechen dürfen. Immer wieder kommen auch einfache Leute von der Straße kurz zu Wort.

Dieser Einblick ist durchaus interessant. Er wirft aber nur kurze Schlaglichter auf Empfindungen und Einstellungen, die von der Regisseurin und ihrer Gefährtin zwar immer wieder laut reflektiert, in ihrer Vielzahl aber nicht zu einer kohärenten Erzählung verbunden werden können, was den Zuschauer mit einigen Fragezeichen zurücklässt.

Beide Filme gibt es am Dienstag, 13. März, im Kommunalen Kino im Freiburger Wiehre-Bahnhof, Urachstraße 40, zu sehen. Den Anfang macht um 19 Uhr "Azmaish. A Journey through the Subcontinent" (OmeU, 80 Minuten). Im Anschluss gibt es eine moderierte Diskussion mit der Regisseurin Sabiha Sumar. Um 21.30 Uhr folgt "Silent Waters" (OmU, 99 Minuten). Dieser Film wird nochmals am Sonntag, 18. März, um 19.30 Uhr gezeigt.