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04. Juli 2012
Atomkraftwerk Fessenheim
Die Physikerin Monique Sené stellt die richtigen Fragen
Die Physikerin Monique Sené kümmert sich um die Sicherheit des Atomkraftwerks Fessenheim.
STRASSBURG. Monique Sené hat sich Mitte der 70er-Jahre, als die französische Regierung ein gutes Dutzend Atomkraftwerke gleichzeitig bauen ließ, der Aufklärung über die Gefahren der Atomenergie verschrieben. Heute ist die Atomphysikerin, Mitbegründerin und Koordinatorin des französischen Wissenschaftlernetzwerks zur Information über die Atomenergie (Groupement de scientifiques pour l'information sur l'énergie nucléaire, kurz GSIEN) 76 Jahre alt.
Mit politischer Ideologie hat Senés Engagement nichts zu tun – zumal dem GSIEN Wissenschaftler unterschiedlicher politischer Ausrichtung angehören. Außer durch zahllose Veröffentlichungen in der atomenergiekritischen Zeitschrift Gazette nucléaire und durch verschiedene Bücher haben sie und ihr Mann Raymond sich mit Expertisen zu französischen Atomkraftwerken auch außerhalb der Fachwelt einen Namen gemacht.
Seit Herbst 2009 durchlaufen die beiden Reaktoren im elsässischen Kernkraftwerk Fessenheim die dritte Zehnjahresinspektion, den großen Check-up, von dem eine weitere Laufzeitverlängerung abhängt. Sené begleitet die Generalüberholung mit fünf anderen Wissenschaftlern des Netzwerks im Auftrag der lokalen Überwachungskommission Fessenheim (CLIS). Die ältere Dame mit ihrer das runde Gesicht dominierenden Brille kennt die beiden Meiler in Fessenheim seit langem. Schon bei deren erster großen Inspektion wurde sie um Rat gefragt. Zudem reist sie zweimal im Jahr von Paris ins Elsass und erstattet der CLIS Bericht.
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Ausgerüstet mit Hartnäckigkeit und wissenschaftlichen Kenntnissen, traktiert sie immer wieder die Vertreter des staatlichen Stromkonzerns Electricité de France (EdF) und der Atomaufsicht ASN mit ihren bohrenden Fragen. Doch andererseits beklagte sie jüngst, dass zuletzt nur drei gemeinsame Inspektionen in Fessenheim stattgefunden haben. Sie darf nahezu alle Unterlagen einsehen, die sie anfordert – aber "nach Papieren und Berichten, von denen wir nicht wissen, können wir nicht fragen." Manchmal bekomme sie Hinweise von Mitarbeitern aus dem AKW. "Zum Glück gibt es Leute, denen es wichtig ist, dass größtmögliche Transparenz herrscht."
Zuletzt hatte sie sich die Prüfberichte zu Veränderungen im Stahl des Reaktormantels des Fessenheimer Block zwei vorgenommen. Weil dieser Stahl starken Temperaturschwankungen ausgesetzt sei, müssten sie intensiver kontrolliert werden, verlangt sie von ASN und EdF. Denn "wer geringe Veränderungen unterschätzt, handelt fahrlässig", sagt sie. "Ein nuklearer Unfall kann aus einer Abfolge scheinbar harmloser Ereignisse entstehen."
Unabhängige Wissenschaftler sind keine Kontrollbehörde, haben – schon aus Sicherheitsgründen – keinen unbeschränkten Zugang ins Allerheiligste der französischen Stromproduktion. "Aber wir können die lokalen Kommissionen informieren", beschreibt Sené ihr Ziel. "Nur wer die richtigen Informationen hat, stellt die richtigen Fragen." Dabei gehören mit den zahlreichen konservativen Politikern und Bürgermeistern der CLIS keineswegs nur atomenergiekritische Köpfe an.
Der Einfluss der heute noch 40 (von einmal 400) Angehörigen des Netzwerks GSIEN reicht soweit, wie die zuständige Behörde ASN zu gehen bereit ist. "Die ASN hat im Fall von Fessenheim große Auflagen gemacht", sagt Monique Sené – und verweist auf die anstehende Verstärkung der Bodenplatte unter den Reaktoren. Trotzdem wurde seine Laufzeit vor einem Jahr verlängert. "Wenn es um nukleare Sicherheit geht", sagt Sené, "darf es nachsichtige Entscheidungen von einer unabhängigen Behörde nicht geben."
Autor: Bärbel Nückles



