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11. Juni 2012

Die Politik steht in der Pflicht

Mitgliederversammlung der Jugendmusikschule Südlicher Breisgau erhöht die Gebühren.

  1. Die Musik ist das Geschäft der Jugendmusikschule Südlicher Breisgau. Foto: Kathrin Blum

BOLLSCHWEIL. Mit ihren über 3000 Schülerinnen und Schülern in 13 Mitgliedsgemeinden ist die Jugendmusikschule Südlicher Breisgau mit Sitz in Staufen die größte der Musikschulen im ländlichen Bereich in ganz Baden-Württemberg. Landesweit erfolgt die Finanzierung im Durchschnitt zu 52 Prozent durch die Eltern. An dieser Musikschule müssen die Eltern mit 66 Prozent jedoch bereits einen hohen Finanzierungsanteil tragen. Warum zum neuen Schuljahr nach sechs Jahren dennoch eine Anhebung der Entgelte und des Gemeindezuschusses notwendig wird, erläuterte Joachim Baar bei der Mitgliederversammlung.

Hauptgrund ist, dass 92 Prozent der Kosten der Musikschule tariflich gebundene Lohnkosten sind, die jährlich entsprechend steigen, ohne dass Land und Landkreis ihre Zuschüsse entsprechend anpassen. Nachdem die letzte Entgelterhöhung sechs Jahre zurückliegt, ist jetzt eine Anpassung unvermeidlich. Seit den 1980er Jahren sinkt der Anteil des Landes an der Musikschulfinanzierung von 20 Prozent auf mittlerweile unter zehn Prozent. Der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald hat seine Zuschüsse vor einigen Jahren halbiert. Daher ergriffen die sieben Jugendmusikschulen im Landkreis vergangenen Herbst die Initiative und stellten beim Landkreis einen Antrag auf eine stufenweise Wiederanhebung der Kreismittel. Dieser Antrag wurde abgelehnt, weder Kreis noch Land tragen die tariflich gebundene Erhöhung der Lohnkosten mit. Damit die Jugendmusikschule weiterhin leistungsfähig bleibt, müssen nun die 13 Mitgliedsgemeinden und die Eltern ihren Beitrag leisten.

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Dass die Preissteigerung im Verhältnis gerechtfertigt sei, findet auch Bernhard Metzger, Vorstandsmitglied der Jugendmusikschule und Präsident des Markgräfler Blasmusikverbandes. Es stünden nicht nur die Eltern, sondern vielmehr die Politiker in der Pflicht – schließlich werde hier Jugendpräventionsarbeit geleistet.

Im vergangenen Jahr stieg die Schülerzahl an der Jugendmusikschule Südlicher Breisgau von 2795 auf 3187, was eine Steigerung von zehn Prozent bedeutet. "Das Interesse an unserer Einrichtung besteht weiterhin ungebrochen, während andere Musikschulen über sinkende Schülerzahlen klagen oder allenfalls ihren aktuellen Stand halten können", freute sich Schulleiter Baar. Einen großen Anteil daran habe das Förderprogramm zur vorschulischen Bildung "Singen-Bewegen-Sprechen", das die Jugendmusikschule mit elf Kindergärten anbietet. Als weiteren Faktor für die hohen Belegungszahlen nannte Baar die 54 Kooperationen mit 23 Schulen im Einzugsbereich der Musikschule – darunter auch Hauptschulen und eine Förderschule.

Zu beklagen sei, so die Rückmeldung vonseiten der Musikschullehrer, dass seit Einführung des achtjährigen Gymnasiums und des zunehmenden Ganztagesbetriebs an den allgemein bildenden Schulen den Kindern zu wenig Zeit zum Üben bliebe. Um es in die Spitze zu schaffen, bedarf es einer hohen Qualität in der Spitzenförderung und qualifizierter Lehrkräfte. Dass es diese in der Jugendmusikschule gibt, zeigten die 32 Preise bei "Jugend musiziert" in diesem Jahr.

Um Kindern zu fördern, deren Eltern sich den Musikunterricht nicht leisten können, hat der Förderverein der Jugendmusikschule den "Club der 10" gegründet. Das ist ein Firmenpool aus zehn Sponsoren, die jährlich insgesamt 10 000 Euro spenden. Einige Förderer haben sich bereits gefunden, andere werden noch gesucht.

Autor: Friederike Zimmermann