Die Rückkehr der verlorenen Söhne

Arne C. Biensolino

Von Arne C. Biensolino

Fr, 15. Dezember 2017

Basketball

Der Kern des USC Freiburg besteht aus ehemaligen Spielern, die wieder heimgekommen sind – und das funktioniert äußerst erfolgreich.

BASKETBALL. Die Oberliga-Männer des USC Freiburg spielen eine starke Saison. Der Kern der Mannschaft setzt sich aus Rückkehrern zusammen. Ein Team der Vergangenheit für die Zukunft.

"Bei denen habe ich früher gewischt", erinnert sich Alexander Tecklenborg. Der 20-Jährige ist im Stress. Pendeln zwischen Physio-Schule und Sporthalle. Seit September ist der Center zurück in Freiburg, absolviert in Emmendingen eine Ausbildung zum Physiotherapeuten. Das Abenteuer Tübingen endete für den ehemaligen Informatikstudenten nach einem Jahr. Wie der Traum von der Basketballkarriere in der Bundesligareserve der in Tübingen ansässigen Walter Tigers. "Ich hatte da wenige Einsatzzeiten", sagt der Zweimeter-Mann. Der Wechsel zurück in die Heimat lag da nahe. "Das ist hier ja ein Team der Rückkehrer", erklärt er.

Die, für die er als Ballkind vor zehn Jahren in der Pro B noch die Schweißlachen vom Boden wischte, sind der Staufener Tobias Tessmann (zuletzt Pro B in Braunschweig) und der Ur-Freiburger Florian Becker. Sie alle sind zu dieser Saison zurückgekehrt zum USC Freiburg. Ebenso wie Maximilian Mayer. Oder der alte, neue USCler Max Wendt. Und die Emmendinger Nico Huber, Lukas Schäfer und Simon Bury, die nach kurzzeitiger Breisgau-Abstinenz dem Ruf ihres alten TBE-Trainers Nico Meyer gefolgt sind.

Sie sind ein Team der verlorenen Söhne. Die Breisgau-Connection. Rückkehrer. Resignierte, die den Traum vom Profisport aufgeben mussten. Neuanfänger, die nach dem Studium ihre Zukunft im Breisgau sehen. Und für Furore sorgen. Nach der Hinrunde steht der USC in der Oberliga Baden auf Platz zwei. Nur gegen Tabellenführer KIT SC Karlsruhe II kamen die Ballkünstler unter die Räder. Der Traum vom Aufstieg lebt. Frei nach Donald Trump: "Make USC great again."

Der vor zwei Jahren in die Oberliga abgestiegene USC wirkt dieses Jahr erfrischend runderneuert. Wenn auch mit altem Personal. "Strukturell ist das jetzt wieder im Lot", findet Nicolas Meyer. Seit zwei Jahren trainiert er den Uniclub. "Das war von Anfang an aber ein längerfristiges Projekt." Im ersten Jahr habe er herausfiltern wollen, auf welche Spieler er setzen könne. "Ich will nur Leute, die immer trainieren und langfristig eine Perspektive für den Verein darstellen", sagt er. Auch der Übergang zur zweiten Mannschaft funktioniere fließend. Er scheint eine fleißige Gruppe geformt zu haben. "Wir trainieren immer mit mindestens zwölf Mann", sagt Meyer. Mit dem Ergebnis, dass die Töne in Freiburg wieder forscher werden: "Das Ziel ist der Aufstieg."

Das Team aus Rückkehrern zieht es gerade voll durch

Kurz nach Feierabend stimmt dem auch Max Mayer zu. Noch so ein Rückkehrer. Der ehemalige Jugend-Nationalspieler hatte Freiburg vor zwei Jahren gen Lich verlassen. Dort sammelte er in der Talentschmiede Pro-B-Erfahrung und wollte die Schule fertigmachen. Irgendwann aber machte der Rücken Faxen. Vor einem Jahr brach er dort die Zelte ab. Und spielt seitdem für seinen Heimatverein. Trotz vieler Angebote. "Da waren Dinger aus der Regionalliga und der Pro B dabei", sagt er.

Der 1,80 Meter große Aufbauspieler winkte ab. Seit September macht er eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann in Freiburg. Vor allem aber sagte ihm das Team der Rückkehrer zu. "Wir ziehen das hier grade voll durch", freut sich der 19-Jährige, "das find’ ich geil."

Warum aber kehren die Basketballer zurück nach Freiburg? "Ich glaube, das liegt auch an der Stadt", sagt Max Wendt. Der 32-Jährige hatte lange hochklassig beim USC gespielt. Im Zuge seines Auslandsaufenthalts in Schweden vor zweieinhalb Jahren hatte er die Basketballtreter an den Nagel gehängt. "Jetzt aber bündelt es sich hier mit ehemaligen Spielern", sagt er. Es sei ihm wichtig, dass es mit dem Team stimme. "Der Spirit passt", findet Aufbauspieler Mayer. "Wir haben Leute, die gewinnen wollen", ergänzt Trainer Meyer. Die Rückrunde, die dieses Wochenende mit einem Spiel gegen TSV Schönau startet, kann kommen.