Weil am Rhein

Die Schifffahrt auf dem Rhein normalisiert sich

Herbert Frey

Von Herbert Frey

Sa, 12. Januar 2019 um 17:00 Uhr

Weil am Rhein

Nach der langen Trockenheit im Sommer gewinnt der Hafen in Weil abgewanderte Containerströme langsam zurück. Die Speditionen können damit wieder verlässlicher planen.

Aufatmen im Rheinhafen und bei den Speditionen: Nachdem der Wasserstand im Rhein wieder eine ordentliche Höhe erreicht hat, normalisiert sich auch der Warentransport auf dem Wasserweg wieder, wobei die gewohnten Umschlagzahlen noch nicht erreicht sind. Im Rheinhafen habe man wieder gut zu tun, freut sich Evelin Rudigier, Stellvertreterin der Geschäftsführung.

Das Containergeschäft zieht wieder an

Nach der extrem langen Niedrigwasserphase im Sommer, in der außerhalb des Oberrheins – wo man den Wasserstand dank Staustufen halbwegs regulieren konnte – die Schifffahrt nur noch sehr eingeschränkt möglich war, zeigte der Pegel in Kaub am Donnerstag wieder eine Wassertiefe von 2,10 Metern an. Von Niedrigwasser spricht man bei 1,50 Metern und weniger. Die Umschlagzahlen im Containerterminal schnellen aber deshalb nicht automatisch wieder abrupt nach oben. Denn die Kunden, die Waren in Containern zu transportieren hatten, suchten sich in der Niedrigwasserphase andere Transportwege und wichen auf Schiene oder Straße aus. "Und die muss man nun erst wieder zurückholen", sagt Evelin Rudigier. Dennoch zeigt die Tendenz klar nach oben: Am Freitag vergangener Woche verlud man bereits wieder rund 80 Container. An guten Freitagen seien aber durchaus 150 bis 220 Container möglich: Damit verdeutlicht Rudigier, dass bei der Auslastung noch eine Lücke zu schließen bleibt. Die Hälfte des Normalgeschäftes dürfte aber schon bald erreicht sein.

Bald kommen auch wieder mehr Massengüter aus Übersee

Der Umschlag von Massengütern normalisiere sich im Rheinhafen ebenfalls wieder, schildert Evelin Rudigier. Bei Gütern wie Sand und Split, die oft innerhalb der Oberrheinregion verschifft wurden, sei das Geschäft auch im Sommer ordentlich gelaufen. Massengüter, die in der Regel über die Seehäfen importiert werden, etwa Steine aus Portugal, müssen dort aber erst wieder in größerer Zahl ankommen. Hier trete eine Normalisierung erst mit einer Zeitverzögerung von vier bis sechs Wochen ein.

Bei den Speditionen ist die Zeit des Improvisierens vorbei

Während der Niedrigwasserphase sei man stark auf die Bahn ausgewichen, erzählt Operation Manager Marcel Bredemeier von ECO Containertrans. Die Plätze auf den Zügen seien immer begehrter und damit wertvoller geworden. Diese habe man teilweise bis zu vier Wochen im Voraus buchen müssen. Heute könne man wieder Güterzugplätze ohne Probleme innerhalb weniger Tage bekommen, verdeutlicht er, dass sich die Situation jetzt endlich wieder entspannt. Dennoch: Die zusätzlichen Züge, die ECO Containertrans im Sommer gemeinsam mit einer anderen Firma organisiert habe, behalte man erst einmal im Portfolio, um für kommende Engpässe gewappnet zu sein. Denn die Wettersituation werde nicht besser, so Bredemeier.

Auch Michael Bäumle, Geschäftsführer der gleichnamigen Spedition, hatte im Sommer durch geänderte Ladungsströme mit Staus im Umschlagbahnhof zu kämpfen. Anstelle des normalen Tagesgeschäftes, der Feinverteilung von Containern in einem Radius von 100 Kilometern, wurden immer mehr Zugfahrten zu den großen Seehäfen nach Rotterdam oder Antwerpen gefordert, mit deren Abläufen man sich erst mal vertraut machen musste. Immer wieder habe man sich mit Unerwartetem konfrontiert gesehen, schildert Bäumle. Die Lage habe sich nun aber wieder beruhigt.



Nachwirkungen der Niedrigwasserphase seien noch zu spüren, aber mit dem Anstieg des Pegels im Rhein baue sich der noch vorhandene Rückstau immer weiter ab, registriert man auch bei Acito Logistics. Die Fahrer des Mineralölhandels Weil mussten im Sommer häufig direkt die Raffinerie in Karlsruhe anfahren, weil die Lager am Rhein zwischen Basel und Kehl leer waren. Und an diesen Tagen fielen die Fahrer für die Auslieferung aus. Dass die extreme Niederschlagsarmut zu höheren Preisen geführt habe, hätten die Kunden leider nicht immer auch so wahrgenommen, bedauert Michael Simonelli. Nun aber haben die Heizölpreise wieder das Niveau vom August letzten Jahres erreicht. Die Standardmenge von 3000 Litern kostet (inklusive Mehrwertsteuer) derzeit rund 2235 Euro, noch vor vier Wochen mussten dafür gut 3000 Euro bezahlt werden.

Der Blick in die Zukunft ist bang

Wenn es jetzt, noch im Winter, in den Bergen zu Tauwetter komme, dann könne schnell eine kritische Hochwassersituation entstehen, befürchtet Evelin Rudigier. Wobei sich aber alle einig sind, dass Hochwasserlagen einfacher zu überstehen sind, weil sie in der Regel nicht über mehrere Wochen oder gar Monate andauern. Was klimatische Extreme anbelange, werde die Lage aber nicht besser, auch darin sind sich Spediteure und Hafenverwaltung einig. Wie schwankend der Wasserstand im Rhein ist, zeigte jüngst der Pegel in Köln: Von 2,73 Meter am Donnerstag vergangener Woche sank er innerhalb nur eines Tages um zehn Zentimeter.

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