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22. März 2008
Die schönste Deponie Deutschlands
Wo einst Eisenerz abgebaut und Müll eingelagert wurde, liegt heute ein Naherholungsgebiet mit seltenen Tier- und Pflanzenarten / Von Mascha Schacht
Mephisto, Pythagoras und Napoleon: Auf dem Kahlenberg ist eine illustre Gesellschaft versammelt. Doch wenn Kinder die Namen der drei mächtigen Herren so liebevoll aussprechen, hat das einen anderen Grund: Mephisto, Pythagoras und Napoleon sind Esel und gehören zu dem kleinen Tiergehege, das von den Mitarbeitern des Zweckverbandes Abfallbehandlung Kahlenberg (ZAK) in Ringsheim gepflegt wird. Familien mit Kindern werden kaum umhin können, bei den den Eseln, Shetland-Ponys, Schwarzhals-Ziegen, Kamerun-Schafen und Hängebauch-Schweinen vorbei zu schauen, wenn sie den Kahlenberg besuchen.
Doch auch für Wanderer, Botaniker und Ornithologen ist die terrassenförmige Landschaft mit ihren Wiesen und Wäldchen, den Felshängen und Wasserflächen ein kleines, aber feines Wunderland. Wer heute über den Kahlenberg spaziert, mag kaum glauben, dass einige Bereiche noch vor wenigen Jahrzehnten an eine Mondlandschaft erinnerten: Dort, wo noch bis 1969 der Bergbau tiefe Wunden gerissen hatte und anschließend etwa fünf Millionen Tonnen Müll eingelagert wurden, ist mittlerweile ein Rückzugsgebiet für seltene Pflanzen- und Tierarten entstanden. Manchen Besuchern gilt die Deponie deshalb als die schönste Deutschlands.
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"An den Teichen gedeihen Schilfrohr, Rohrkolben, Binsen und Seggen. Neben zahlreichen Orchideenarten wie zum Beispiel der Bienen-Ragwurz wachsen auf den Wiesen auch andere bedrohte Pflanzenarten, zum Beispiel der Durchwachsene Bitterling oder die Große Hügel-Anemone", informieren Schautafeln die Besucher des Kahlenbergs.Wo sich seltene Pflanzen wohlfühlen, sind auch die Tiere nicht weit. "Die Naturschützer vom BUND haben sich vor allem über den Bienenfresser gefreut", erzählt Bernhard Thal vom Ingenieurbüro Thal, den seine Arbeit häufig auf den Kahlenberg führt. Der unter Artenschutz stehende Bienenfresser ist zwar nur knapp 30 Zentimeter groß, fällt durch sein farbenprächtiges Gefieder jedoch besonders auf. Er baut seine Bruthöhlen besonders gerne in steile Uferböschungen. Im Frühjahr 2005 wurden auf dem Kahlenberg daher in einem eingezäunten Bereich extra zwei neue Steilwände geschaffen – die prompt angenommen wurden.
Doch nicht nur Vögel sind mittlerweile auf den renaturierten Flächen der Mülldeponie heimisch: In den zahlreichen Weihern und Tümpeln, die sich in Gruben und Senken gebildet haben, fühlen sich Frösche, Kröten, Unken und Molche wohl. Und an sonnigen Tagen huschen immer wieder Eidechsen über die Wege. Völlig ungefährlich sind Blindschleiche, Ringelnatter und Schlingnatter, die man allerdings nur selten zu Gesicht bekommt. Etwas Glück braucht man auch, um die Gottesanbeterin zu finden. Diese ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet stammende Fangschrecke hat sich auch auf dem Kahlenberg angesiedelt.
Wem die Gottesanbeterin zu unheimlich ist, der wendet sich den zahlreichen Schmetterlingsarten zu. Mit ihren samtigen, in vielen Farben schillernden Flügeln verzaubern Schwalbenschwanz, Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs den Besucher. Und auch der Schmetterling des Jahres 2008, der nur ein bis zwei Zentimeter große Argus-Bläuling, flattert auf dem Kahlenberg eifrig von Blüte zu Blüte.
Autor: Mascha Schacht
