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29. Juni 2012

Die Schräglage muss sein

Neuenburgs Bildungshaus wird durch einen Parkplatz ergänzt – auch für den barrierefreien Zugang.

NEUENBURG AM RHEIN. Das Bildungshaus in Neuenburg ist seit Herbst fertig und längst belebt. Jetzt geht es an den Parkplatz an der Rebstraße. Nach Vorberatungen in den Ausschüssen hat der Gemeinderat jetzt Plänen zugestimmt, in denen statt eines ursprünglich vorgesehenen Parkdecks ein abfallender Platz für etwa 30 Fahrzeuge vorgesehen ist. Entworfen und vorgestellt hat die Pläne der Freiburger Landschaftsarchitekt Pit Müller, der auch in die Vorbereitung des Landesgartenschau-Wettbewerbs eingebunden ist.

Knackpunkt der Parkfläche war deren Gefälle Richtung Stadtbibliothek. Es führt von der Einfahrt zum Parkplatz auf Straßenniveau bis zum unteren Geschoss des Gebäudes. Würde man diesen Platz mit 3,5 Prozent etwas flacher halten, müsste die gerade erst sanierte Fassade des Bildungshauses bis an den unteren Rand der Fenster im Untergeschoss zugeschüttet werden. Was problematisch wäre, weil die eingezogene Feuchtigkeitssperre deutlich tiefer liegt. Zudem gebe es wohl auch ein Sicherheitsproblem, weil Leute auf dem am Haus verlaufenden Gehweg stolpern und durch eine der Scheiben ins Gebäude stürzen könnten.

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Nachteil einer Neigung ist, wie Pit Müller erwähnte, dass Autotüren – je nachdem, wie geparkt wird – nur schwer oder viel zu schnell aufgehen können. Doch soll der Platz behindertengerecht sein – weil er die Verbindung zwischen dem Straßenniveau und dem hinteren Eingang mit den Aufzügen des Bibliotheksgebäudes darstellt. Deshalb wird er nun wie eine lange Rampe konstruiert. Der Behindertenstellplatz selbst wird an die Einfahrt verlegt, da er breiter sein muss als normale Stellplätze und hier die Fahrertür von Behinderten weiter geöffnet werden kann. Über die Platzschräge gelangen Gehbehinderte von dort aus stufenlos zum Hintereingang. Die Barrierefreiheit sei so gewährleistet, versicherte Müller, wenn auch nicht im strengeren Sinn: Für Rollstuhlfahrer müsste es zwischendrin immer mal wieder ebene Flächen geben.

Eine "verfeinerte Planung" nannte Pit Müller die jetzt gefundene Lösung. Sie bedeutet, dass das Gefälle auf 4,9 Prozent verstärkt wurde. Zwar gibt es laut Müller keine Vorgaben für die Neigung von Parkplätzen, wohl aber für Tiefgaragen, und die soll sechs Prozent nicht überschreiten. Die Stadt liegt mit knapp fünf Prozent also darunter. Dafür muss der untere Fassadenteil nicht aufwändig geschützt werden. Allerdings bekommt die Treppe, die von der Rebstraße am Haus nach unten führt, neun statt fünf Stufen.

Die Stellplätze auf der Innenfläche werden von denen draußen an der Rebstraße durch einen Grünstreifen mit Bodendeckern und vereinzelten Bäumen voneinander getrennt; die Schräge zur Bebauung gegenüber wird ebenfalls begrünt. Die eigentliche Parkfläche bekommt dasselbe Porphyr-Pflaster, das schon vor dem Bildungshaus liegt, auf den Plätzen an der Rebstraße sollen die bisherigen Rheinkiesel wiederverwertet werden. Der Gehweg, der dann außen vorbei führt, wird mit Naturstein aus Granit gepflastert.

Bürgermeister Joachim Schuster kann sich vorstellen, auch die Parkfläche – wie den neu gestalteten Konstantin-Schäfer-Platz vor dem Bildungshaus – "für besondere Veranstaltungen zu nutzen". Er warnte in der Ratssitzung bei Nachfragen zur Trennung der Stellplätze vor zu vielen Mäuerchen und Stolperfallen und dem Verlust der Großzügigkeit des Platzes.

Was dessen Gestaltung kosten wird, war in der Ratssitzung kein Thema. Man werde sehen, was die Ausschreibung der Arbeiten ergebe, sagte Schuster. Nur kurz erwähnt hat der Bürgermeister, warum man entgegen erster Überlegungen vom Bau eines Parkdecks abgerückt ist: Weil dieses einen Überstand über das Straßenniveau gebracht hätte, wie der Bürgermeister erklärte.

Autor: Andrea Drescher


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