Photovoltaik

Die Sonne landet verstärkt in Batterien statt im Netz

Sylvia Sredniawa

Von Sylvia Sredniawa

Mi, 16. Januar 2019 um 17:45 Uhr

Umwelt & Natur

Wer heute Photovoltaikanlagen installiert, denkt eher an den Eigenverbrauch statt die Einspeisevergütung. Großes Interesse an Infoveranstaltung in der Stadthalle Waldkirch.

WALDKIRCH. Das Interesse an Informationen über Stromerzeugung mit der Kraft der Sonne scheint ungebrochen hoch zu sein. Das zeigte die Abschlussveranstaltung der Reihe "Dein Dach kann mehr", einer Kampagne des Landratsamtes Emmendingen, in der Stadthalle Waldkirch. Als immer mehr Leute in den Saal strömten, mussten noch etliche Stühle herbei geholt werden. Auf Interesse stießen vor allem neue technische Entwicklungen, aber auch Kosten und Erlösaussichten.

Leichter und vielfältiger: Neben den herkömmlichen Photovoltaikanlagen sind eine Menge neuer Anlagen auf den Markt gekommen, nicht zuletzt auch durch den Wegfall der Antidumpingregeln gegen China. Als Installationsort kommen neben den Dächern und im Freiland (letzteres ist genehmigungspflichtig) auch Fassaden und Lärmschutzwände in Frage. Auch die Optik und das Gewicht ändern sich. Letzteres ermöglicht PV-Anlagen nun an Orten, die bisher aufgrund ihrer Statik nicht so geeignet waren. Der Waldkircher Oberbürgermeister Roman Götzmann kündigte an, dass man das auch für die Stadthalle nutzt, auf der in den kommenden Wochen eine große Solaranlage installiert wird, deren Elemente nur noch drei Kilogramm pro Quadratmeter wiegen. Die Teile seien zur Zeit übers Meer nach Deutschland unterwegs.

Unabhängiger: Als einen wesentlichen Aspekt der Solarenergie nannte Philipp Oswald, Klimaschutzmanager des Landkreises, den Punkt, dass es sich hier um "Energie aus Bürgerhand" handelt. Durch den Eigenverbrauch des erzeugten Stroms – verbunden mit intelligentem Energiemanagement und/oder Batteriespeicher – mache man sich unabhängiger von der Entwicklung des Strompreises, denn man benötigt weniger Strom aus dem Netz. Die vollständige Einspeisung des Stroms aus PV-Anlagen lohne sich bei neuen Installationen aufgrund der gesunkenen Einspeisevergütung (zur Zeit 11,47 Cent pro Kilowattstunde) eigentlich nicht mehr. Aber man könne sich über "kleinere Abschlagszahlungen und eine große CO2-Einsparung" freuen.

Wirtschaftlich: Die Anlagen amortisieren sich in der Regel nach 10 bis 13 Jahren, während die Laufzeit bei 25 bis 30 Jahren liegt, umriss Philipp Oswald. PV-Anlagen werden außerdem bei einem Heizungstausch auf die gesetzlichen Vorgaben des Erneuerbare-Wärme-Gesetzes angerechnet (15 Prozent der Wärme müssen durch erneuerbare Energien erzeugt werden). Wer sogenannte Balkon-Solaranlagen installieren will, muss sicherstellen, dass er diesen Strom zu 100 Prozent allein verbraucht und zu keinem Zeitpunkt Strom ins Netz einspeist. "Ich würde die Erwartungen über den hier zu gewinnenden Strom eher dämpfen", sagte Philipp Oswald, räumte aber ein, dass auch kleine Beiträge regenerativer Energiegewinnung nützlich sind.

Optimiert: Nico Jergovic (Firma Reesyst) ging insbesondere auf Technologien ein, die es heute ermöglichen, auch Flächen für PV-Anlagen zu nutzen, die an einem Teil des Tages im Schatten liegen. Durch den Einbau von Leistungsoptimierern wirke sich der Schatten nicht mehr auf den Gesamtstrang aus, sondern nur auf das einzelne Modul. Das eröffne auch neue Möglichkeiten für eine optisch schönere Anordnung von PV-Anlagen, für die Jergovic einige Beispiele – vom halbdurchsichtigen Dach über Lagerplätzen bis zur flächigen, senkrechten Solaranlage am Hoftor – dabei hatte. Inzwischen gibt es auch erste Module, die eher farbigen Fliesen ähneln. Module auf Glasfaser sind zudem biegsam und (fast) federleicht, wie sich die Zuhörer beim Herumreichen eines solchen Moduls überzeugen konnten. Wer keinen Batteriespeicher (sie kosten derzeit 1000 bis 1200 Euro pro gespeicherter kWh) einbauen möchte, für den kommt eventuell die Alternative in Frage, den Stromüberschuss mittels Heizstab als Wärme in den Warmwasserspeicher der Heizung einzuleiten.

Mieterstrom: Andreas Spieles, Technischer Leiter der Stadtwerke Waldkirch, gab Einblick in Mieterstrommodelle und die Förderung von PV-Anlagen durch die Stadtwerke. Bislang seien 263 270 Euro für 470 Anlagen eingesetzt worden. Mit Mieterstrommodellen, also PV-Anlagen auf Mehrfamilienhäusern zum Direktverbrauch, sammelt man erste Erfahrungen. Der bürokratische Aufwand sei hier sehr hoch, man wolle das aber weiter verfolgen. Außerdem bauen oder pachten die Stadtwerke auch Anlagen auf zur Verfügung gestellten Dächern.

"Es funktioniert": Matthias Schoft (MSC Consulting) hat an seinem Wohnhaus in Waldkirch PV-Anlagen mit 15 Kilowatt-Peak (Peak = das maximal Mögliche an erzeugbarer Energie) in mehrere Himmelsrichtungen auf dem Dach sowie an den Fassaden installiert. Außerdem ein Hauskraftwerk mit 10-kWh-Speicher. Damit sei der Familienhaushalt von April bis September – einschließlich Elektroauto mit 60 bis 100 Kilometern Laufleistung am Tag – energieautark. Selbst am Veranstaltungstag mitten im Winter habe die Anlage 11,5 kWh produziert, während der Haushalt 13 kWh verbrauchte. "Es ist schön. Es funktioniert", schwärmte er. Das alles hat er sich durchaus etwas kosten lassen, stellte aber fest: "Heute kann man PV-Strom für 12 Cent pro kWh produzieren – für den Stromkauf geben Sie eher um die 30 Cent aus."

Infos: Umfangreiches Infomaterial gibt es auf der Internetseite des Bereichs Energie und Klimaschutz des Landratsamtes auf solar.landkreis-emmendingen.de
Geld: Förderprogramme gibt es beim Land, bei der L-Bank (Förderung für Speicher), der Kreditanstalt für Wiederaufbau und durch die Stadtwerke Waldkirch aus dem Ökofonds (für Anlagen ihrer Kunden im Stadtgebiet Waldkirch). Auch mehrere andere Stromanbieter geben Zuschüsse zu PV-Anlagen.
Beratung: Beim Landratsamt Emmendingen kann man sich als Bürger, aber auch Firma über konkrete Möglichkeiten, angepasst an die eigene Situation, beraten lassen. Kontakt: Philipp Oswald, Tel. 07641/ 4511133 oder p.oswald@landkreis-emmendingen.de. Beratungen bietet auch die Energieagentur Regio Freiburg, energieagentur-regio-freiburg.de