Stadtentwicklung

Die SPD-Basis in Freiburg spricht sich für den Stadtteil Dietenbach aus

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mo, 14. Januar 2019 um 10:30 Uhr

Freiburg

Es gab kaum Gegenstimmen: Bei einer Mitgliederversammlung hat sich die Basis der Freiburger SPD für den neuen Stadtteil Dietenbach ausgesprochen.

Die Freiburger SPD-Basis ist für den neuen Stadtteil Dietenbach: Bei einer Mitgliederversammlung am Samstag im voll besetzten Gemeindesaal der Rieselfelder Maria-Magdalena-Gemeinde gab’s von 62 abgegebenen Stimmen nur jeweils zwei, die sich enthielten oder gegen Dietenbach stimmten. Und das, obwohl neben dem Baubürgermeister und Dietenbach-Unterstützer Martin Haag auch Manfred Kröber von der Initiative "Rettet Dietenbach" zu Gast war und unermüdlich gegen die Dietenbach-Pläne argumentierte.

In der zwei Stunden dauernden Diskussion greift nur einer ausdrücklich einige der Gegenargumente von Manfred Kröber auf: Was ist, wenn in den 6500 geplanten Dietenbach-Wohnungen die 50-Prozent-Quote für sozial geförderte Wohnungen doch nicht umgesetzt wird? Was ist mit dem Hochwasser-Risiko und dem Lärm von den nahen Autobahn-Zubringern? Peter Janka, der selbst im Stadtteil Rieselfeld wohnt, gibt das zu bedenken. Die SPD-Stadträtin Renate Buchen kontert, dass sie gerade von Rieselfeld-Bewohnern wie ihm Unterstützung für Dietenbach erwarte: Denn vor der Rieselfeld-Entscheidung habe es genau dieselben Diskussionen gegeben.

Martin Haag betont, niemand behaupte, dass Dietenbach ohne Probleme bebaubar sei: Aber es gebe auch sonst nirgends ideale Bauflächen, und die Probleme seien durch Maßnahmen zum Hochwasser- und Lärmschutz lösbar. Als Beweise, dass in Freiburg die 50-Prozent-Quote inzwischen tatsächlich umgesetzt wird, nennt er drei Beispiele: Gutleutmatten und Kronenmühlebach in Haslach sowie ein Baugebiet in Waltershofen. Das gelinge auch in Dietenbach, weil die Stadt über 40 Prozent der Bauflächen direkt und über den Rest indirekt über das Finanzierungskonzept durch die Sparkasse verfüge.

Bei Manfred Kröbers Argument, dass auch bei der Rieselfeld-Planung 50 Prozent Sozialwohnungen versprochen, aber nur 15 Prozent umgesetzt worden seien, widerspricht Martin Haag: Damals sei die Bundesförderung weggebrochen, das sei in der derzeitigen, bundesweit angespannten Wohnungssituation nicht zu erwarten.

"Ich habe keine Lust, jährlich zwei bis fünf neue Obdachlosen-Wohnheime zu bauen, weil in Freiburg immer mehr Menschen wohnungslos werden." Ulrich von Kirchbach
Viel Widerspruch gibt’s auf Manfred Kröbers ökologische Einsprüche: Die Dietenbach-Flächen seien kein Biotop, dort werde vor allem Mais angebaut. Wie viel genau, weiß niemand, Manfred Kröber schätzt die Mais-Flächen auf 30 bis 60 Prozent. Die größte Kluft zwischen ihm und den SPD-Mitgliedern gibt’s bei seinem Hauptargument, dass es Alternativen gebe, um die Wohnungsnot zu lösen.

Die geforderte Innenverdichtung finde doch ohnehin zusätzlich statt, sagt Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach, und überall gebe es dabei große Widerstände, betont Martin Haag. Die Bebauung von Parkplätzen führe nur zu wenigen Wohnungen, der teure Ausbau von Dachgeschossen habe hohe Mieten zur Folge. Immer wieder fällt die Zahl von 18 000 Wohnungen, die in Freiburg bis zum Jahr 2030 voraussichtlich gebraucht werden. Ulrich von Kirchbach betont: "Ich habe keine Lust, jährlich zwei bis fünf neue Obdachlosen-Wohnheime zu bauen, weil in Freiburg immer mehr Menschen wohnungslos werden." Menschen, die nach Trennungen oder Eigenbedarfskündigungen verzweifelt eine Wohnung suchen, könne er derzeit nur noch in die Notunterkünfte vermitteln.

Manfred Kröber kritisiert, das seien "Angst-Diskussionen", doch eine junge Rieselfelderin erwidert ihm: "Was Sie machen, ist Angst-Politik, Sie malen alles schwarz, statt die Chancen zu sehen." Und was ist mit der von Manfred Kröber geforderten Solidarität mit Kommunen, denen die Bevölkerung durch Wegzüge weg bricht? Martin Haag verweist auf die schlechte Arbeitsmarktlage an Orten wie Furtwangen oder Hoyerswerda: "Herr Kröber wird da auch nicht hinziehen wollen." Freiburg dürfe kein zweites Baden-Baden sein, das sich nur Menschen mit großen Einkommen oder großem Erbe leisten können.

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