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21. Februar 2012 17:42 Uhr

"Über 200 Wohnungen sind zu viel"

Die Stadt will 25 Prozent ihres Wohnungsbestands verkaufen

Nach und nach will die Stadt Breisach rund 25 Prozent ihrer rund 200 Wohnungen und Häuser verkaufen. Der Erlös soll zweckgebunden für die Sanierung des restlichen Bestandes verwendet werden.

  1. Diese Mietshäuser in der Kupfertorstraße will die Stadt Breisach auf alle Fälle behalten. Foto: Gerold Zink

  2. Am Marktplatz verkauft die Stadt aus ihrem Immobilienbesitz die Häuser 11 bis 13. Foto: Gerold Zink

BREISACH. Dies erklärte Bürgermeister Oliver Rein gegenüber der Badischen Zeitung. Aus geschichtlichen Gründen hat Breisach für seine Größe einen stark überdurchschnittlichen Bestand an Wohnungen und Häusern.

"Die Stadt hat extrem viel städtisches Eigentum", sagte Rein. Eine Nachfrage in Stuttgart habe ergeben, dass vergleichbare Kommunen höchstens 50 Wohnungen ihr eigen nennen würden, manche sogar nicht einmal 5 oder 10. In den Jahren 1918 und 1919 seien viele Deutsche aus dem Elsass ausgewiesen worden. Einige hätten sich in Breisach niedergelassen und angefangen, eigene Häuser zu bauen. Doch vielen sei schnell das Geld ausgegangen. Die Stadt habe die Gebäude dann fertig gebaut und in ihr Eigentum übernommen. Aus dieser Zeit stammten zum Beispiel noch mehrere größere Gebäude in der Zeppelinstraße. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg habe sich die Stadt aktiv an dem Wiederaufbau des stark zerstörten Breisachs beteiligt. So habe sich der Wohnungsbestand nach und nach erhöht.

Stadtrat muss zustimmen

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Rein lässt keinen Zweifel daran, dass sich Breisach auch künftig im sozialen Wohnungsbau engagieren und günstige Wohnungen anbieten will. In der Rosmannstraße gehörten der Stadt aber zum Beispiel mehrere Reihenhäuser. "Es ist nicht unsere Aufgabe, Reihenhäuser zu besitzen und sie aufwendig zu unterhalten", ist sich der Rathauschef sicher. Deshalb habe er gemeinsam mit dem Gemeinderat nichtöffentlich den Beschluss gefasst, solche Liegenschaften nach und nach zu verkaufen, sobald sie frei würden. Der Stadtrat müsse in jedem Einzelfall allerdings der Veräußerung zustimmen.

Wenn es um den Verkauf von Objekten mit Mietwohnungen gehe, stehe die Sozialverträglichkeit ganz oben auf der Liste. "Der Eigentumswechsel darf kein Kündigungsgrund sein, dieser Passus wird in den Kaufverträgen festgeschrieben", betont der Rathauschef. "Wer unsere Immobilie will, muss die Mieter mitnehmen", fügt er hinzu. Dabei sei selbstverständlich, dass auch die Mieter das Objekt erwerben könnten. In letzter Zeit sei dies bereits der Fall gewesen. Die Wohnungen oder Häuser würden zu ortsüblichen Preisen angeboten.

Insgesamt gehören der Stadt laut Rein 174 Gebäude mit über 200 Wohnungen. Am Marktplatz würden gerade die Häuser 11 bis 13 verkauft. Darin befinden sich zwei Ladengeschäfte sowie 7 Wohnungen. Den Zuschlag habe der Breisacher Architekt Michael Fischer für 750.000 Euro erhalten. Die Mieter seien im Vorfeld von der Stadt über den Verkauf informiert worden. Rein geht davon aus, dass die neuen Eigentümer die teilweise älteren Immobilien vor allem energetisch auf den neuesten Stand bringen. Insofern profitiere auch die Umwelt davon.

"Wir verklopfen nicht unser Tafelsilber", stellte der Bürgermeister klar. Dies sei auch dem Gemeinderat wichtig gewesen. So seien zum Beispiel sämtliche städtische Mietwohnungen in der Kupfertorstraße tabu. Es sei wichtig, dass die Stadt auch künftig preisgünstige Mietwohnungen anbieten könne, zumal die Nachfrage weiter steige.

Von den 174 städtischen Gebäuden mit über 200 Wohnungen will Rein rund 50 verkaufen. Dies geschehe allerdings nicht auf einen Schlag, sondern nach und nach, wenn zum Beispiel ein Reihenhaus oder eine Wohnung frei werde.

"Eigentümerwechsel darf kein Kündigungsgrund sein"Bürgermeister Oliver Rein
Die Verkaufserlöse sollen in die Renovierung anderer Gebäude gesteckt werden, was den städtischen Haushalt entlaste. Generell hat die Stadt bislang mit der Vermietung ihrer Immobilien keinen Gewinn erzielt. Dies sei aufgrund der vielen Sozialwohnungen nicht möglich, erläuterte der Bürgermeister, zumal die Stadt eine sehr gute Vermieterin sei, die auftretende Schäden schnell beseitige. Sozialen Wohnungsbau wie in Breisach gebe es üblicherweise nur in viel größeren Städten. Auch nach dem Verkauf von 25 Prozent ihrer Immobilien verfüge Breisach noch über einen enormen Bestand.

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Autor: Gerold Zink