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08. Dezember 2009

Die Stilllegung war nur eine Frage der Zeit

BZ-SERIE KAHLENBERG (TEIL 2): Im Jahr 1951 arbeiteten 342 Bergleute in der Grube in Ringsheim, 1969 folgte die Schließung.

  1. Auf dem historischen Foto ist einer der Schwerlaster, die noch heute existierende Transportstraße von der Grube zur Bahn und die Seilbahn zu sehen. Foto: Archiv: deponie

RINGSHEIM. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Grube Kahlenberg der Bergbaubetrieb wieder mühsam aufgenommen. Nach einem kurzen Aufschwung während des Koreakrieges sank die Nachfrage nach Eisenerz aus Ringsheim aber stetig, weshalb die Stilllegung wohl immer nur eine Frage der Zeit gewesen war. Dazu kam es schließlich im Jahr 1969, vor genau 40 Jahren. Aus diesem Anlass erinnert die Badische Zeitung mit einer vierteiligen Serie an die Zeit des Kahlenbergbaus. Im heutigen Teil geht es um die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Von März 1945 bis Herbst 1946 lag die Grube still. Die Wiederaufnahme des Betriebs gestaltete sich schwierig. Auch, weil weder ausreichend Arbeitsgerät noch Arbeiter verfügbar waren. Die Bergwerksbetreiber, die Vereinigten Stahlwerke, versuchten sogar auf politischer Ebene die Freilassung ihrer Arbeiter aus der Kriegsgefangenschaft zu erwirken. Das gelang zwar nur begrenzt, doch besonders nach der Währungsreform wuchs die Belegschaft wieder rasch an. 1951 arbeiteten 342 Bergleute in Ringsheim. Die damalige Düsseldorfer Barbara Erzbergbau AG, später in eine GmbH umgewandelt, übernahm die Grube als Teil der zerschlagenen Vereinigten Stahlwerke.

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Der deutsche Erzbergbau profitierte nicht vom sogenannten Wirtschaftswunder. Abgesehen von einem kurzen Hoch während des Koreakrieges, sank die Zahl der Gruben und der Fördermenge. Denn mit der Wirtschaft nahm auch der Handel einen rasanten Aufschwung und Schiffe mit einer immer größeren Zahl von Bruttoregistertonnen bedienten den inländischen Bedarf. So kamen ausreichend ausländische Erze ins Land, die günstiger und von weit besserer Qualität waren. Vor diesem Hintergrund stellt sich also weniger die Frage, warum bei Ringsheim vor 40 Jahren Schicht im Schacht war, sondern, warum der Betrieb überhaupt so lange aufrecht erhalten werden konnte.

Mit neuer Sicherheitstechnik wurde die Zahl der Unfälle gesenkt

Das hat sicherlich mehrere Gründe, vorwiegend aber lag es an einer geschickten Grubenführung und dem Einsatz der Bergleute, die den schwierigen Bedingungen findig begegneten, vermutet Kahlenberg-Experte Wilhelm Schulte-Fischedick. Im untertägigen Abbau gelang es beispielsweise, mit einem System von in die Firste (Decken) getriebenen Ankern, Einbrüche zu verhindern. Damit sank die bis dahin noch immer hohe Zahl der Unfälle. Gut für die Arbeiter, aber auch für die Effektivität, denn nach einem Unfall ruhte die Förderung oft lange. Außerdem wurde der Abbau sowie Ende der 1950er Jahre der Abtransport mit Lastwagen verbessert. Diese übernahmen mehr als nur die Aufgabe der Grubenbahn sowie der vom Bergwerk zur Bahnstrecke gespannten Seilbahn, zum Schluss konnten die Laster von der Abbaustelle unter Tage über die damals gebaute, noch heute bestehende Brücke über die Bundesstraße 3 zur Verladestation bei den Eisenbahngleisen fahren. Entsprechend groß wurden die Förderstollen aufgefahren.

Dennoch war der untertägige Abbau nicht lukrativ. Staatliche Subventionen gab es keine und die Hüttenwerke im Ruhrgebiet orderten immer weniger Erz aus Ringsheim. So wurde die Arbeit im Kahlenberg 1964 eingestellt. Effizienter war der Tagebau, bei dem in Ringsheim viel in Technik investiert wurde. Beispielsweise ebenfalls die Umstellung von Schienentransport auf Laster, neueste Bohr- und Sprengtechniken oder neueste Bagger. Zuletzt 1966 war es ein Modell von Menck und Hambrock, höher als ein Wohnhaus und mit einer Schaufel, die 4,5 Kubikmeter Abraum fasste – damals eine beachtliche Menge. Besonders der Tagebau veränderte die Landschaft nachhaltig. Die Westflanke des Rötelbergs zwischen Ringsheim und Ettenheim war damals eine einzige Mondlandschaft.

In Ringsheim wurde neue Verfahren zur Erzaufbereitung entwickelt

Neben dem Abbau gab es große Fortschritte vor allem bei der Erzaufbereitung. In Ringsheim wurden völlig neue Verfahren entwickelt. Bis etwa 1950 wurde das Erz nur zerkleinert, zunächst östlich der B 3, später westlich bei der Bahnstrecke. Die Ruine der dortigen Brechmühle und Aufbereitungsanlage stand noch Jahre nach Ende des Grubenbetriebs. Bevor das Erz auf Eisenbahnwaggons verladen wurde, wurde es auch aufbereitet, etwa mit leistungsstarken Magnetscheidern. Neben dem Eisengehalt spielten dabei auch andere Eigenschaften, wie das Kalk-Kieselsäure-Verhältnis, eine immer wichtigere Rolle, weil damit die Hochöfen effizienter betrieben werden konnten. Gemahlen, gesiebt und geschieden fiel das Erz zum Schluss mit mehr als 30 Prozent Eisenanteil aus der turmhohen Anlage in die Waggons.

Ohne diese damals hochentwickelte Aufbereitung und den modernen Maschinenpark für Abbau und Transport, wäre der Betrieb sicherlich noch früher eingestellt worden – so wie bei den meisten Eisenerzgruben in Deutschland. Die ehemalige Grube wurde später zu Deponie, als welche sie noch heute genutzt wird.

Bisher erschienen: Teil 1: "Bergleute kommen aus Schlesien" (4. Dezember).

Autor: Stefan Merkle