Auf Abwegen

Die Tram der Linie 4, die dringend eine 5 sein wollte

Carolin Buchheim

Von Carolin Buchheim

Fr, 19. Januar 2018 um 16:59 Uhr

Stadtgespräch (fudder)

"Meine Tram hat sich verfahren!" Diese herrlich abstruse Entschuldigung konnten am Freitag mehr als 100 Menschen in Freiburg vollkommen zu Recht benutzen.

Ein vollbesetzter Urbos der Linie 4 von Zähringen in Richtung Innenstadt bog um kurz nach 8 Uhr fehlerhafterweise am Komturplatz rechts ab – ganz so, als wäre sie eine Linie 5.

Dort hielt sie sofort an. "Okenstraße" tönte es durch die Wagenlautsprecher, dabei war da draußen doch die Haltestelle Komturplatz. Die Mitfahrenden teilten verwunderte bis panische Blicke. Dann die knappe Durchsage des Fahrers: "Wegen einer Betriebsstörung geht’s gerade nicht weiter."

Natürlich kann sich eine Tram verfahren

Dass eine Tram sich verfährt, ist gar nicht so selten, erklärt ein Mitarbeiter der VAG-Leitstelle. Eine Weiche kann nicht richtig funktionieren, zum Beispiel, weil sie verschmutzt ist. Häufiger verfährt sich eine Tram jedoch, wenn sie direkt hinter einer anderen fährt. "Dann kann sie durch die Weiche durchrutschen", sagt der VAG-Mann.

Zurück auf den rechten Weg zu kommen, das ist mit einer Tram für den Fahrer allerdings einigermaßen anstrengend. Besonders, wenn die ganze Tram voll ist mit Leuten, die dringend zur Arbeit oder in die Schule wollen. Wie anstrengend, das konnten die Fahrgäste am Freitagmorgen live erleben: An der nächsten Weiche (die war zum Glück schon in der Eichstetter Straße), stieg der Fahrer aus, stellte sie per Hand um, wechselte den Fahrerstand zum hinteren Ende des Zugs und fuhr dann bis zur Zähringerstraße.

"Wenn es schief läuft, dann richtig." Der Tramfahrer
An der Ecke Waldkircher musste der Fahrer noch einmal eine Weiche bedienen, um zur Wendeschleife an der Hornusstraße zu kommen. Beim Wiedereinstieg in die Tram murmelte er, noch mit der Weichenstange in der Hand: "Wenn es schief läuft, dann richtig." Dann jedoch – mit rund zwanzig Minuten Verspätung – war die Tram wieder auf dem Weg Richtung Innenstadt.

Ein halbes Dutzend Schüler wollte dann auch noch Unterschriften vom Tramfahrer – nicht etwa Autogramme, sondern für ihre Entschuldigungen in der Schule. "Ab einer halben Stunde Verspätung zählt’s sonst als Fehltag und ich hab schon zwei dieses Schuljahr", jammerte einer von ihnen, bevor er an der Haltestelle Haupstraße aus der Tram sprang und in Richtung Weiherhofschule rannte.