Klimawandel

Die Trockenheit setzt den Bäumen im Land zu

dpa

Von dpa

Fr, 26. Oktober 2018 um 10:48 Uhr

Südwest

Forstminister Peter Hauk will gegen den Klimawandel mit mehr Diversität im Wald ankämpfen. Derweil entwickeln sich der Borkenkäfer prächtig.

Mehr als ein Drittel der Wälder im Land gilt als deutlich geschädigt. "Nachdem sich der Waldzustand in den vorhergehenden drei Jahren im Trend verbesserte, hat er sich durch die extreme Trockenheit 2018 über alle Baumarten hinweg drastisch verschlechtert", sagte Forstminister Peter Hauk (CDU) bei der Vorlage des Waldzustandsberichts 2018. Mit Ausnahme der Tanne haben demnach alle Bäume gelitten.

Aktuell hoffen die Forstfachleute auf kaltes Wetter, denn der Borkenkäfer hat sich in diesem Jahr wetterbedingt außergewöhnlich stark vermehrt. "Nun sitzt schon die dritte Generation dieses Jahres im Holz", sagte Hauk. Allerdings handele es sich noch um Larven und Puppen – wenn es in den nächsten vier Wochen kalt würde, könnte das Wetter dieser dritten Generation den Garaus machen. "Wenn nicht, dann schlüpfen erneut Käfer – und die überleben, anders als Larven und Puppen, auch einen kalten Winter", sagt Landesforstpräsident Max Reger.

Der Klimawandel ist es, der die Borkenkäferplage unterstützt: Das heiße, trockene Wetter führt bei den Bäumen zum sogenannten Trockenstress, sie werden anfälliger, erklärt Hauk. "Wenn die Bäume vital wären, würden sie sich wehren, indem sie mehr Wasser ziehen und die Löcher und Tunnel der Käfer mit Harz verstopfen. Bei der diesjährigen Trockenheit aber hatte der Borkenkäfer tolle Entwicklungsmöglichkeiten." Wenn das Wetter 2019 ähnlich werde wie in diesem Jahr, sehe es ganz schlecht aus, so Hauk.



Um der Entwicklung entgegenzutreten, will Hauk die Biodiversität im Wald vorantreiben. "Unser Ziel sind artenreiche, naturnahe und standortangepasste Mischwälder auf ganzer Fläche, die auch zukünftig nennenswerte Nadelholzanteile aufweisen." Die Tanne spiele dabei eine wichtige Rolle – durch ihr tief reichendes Wurzelsystem gilt sie als klimastabiler Baum. Das Holz der Nadelbäume werde zu 50 Prozent, das der Laubbäume wie Buche und Eiche zu rund 30 Prozent verwertet.

Aktuell gelten 38 Prozent der Wälder als deutlich geschädigt, im Vorjahr waren es noch 31 Prozent. Dabei gibt es Unterschiede je nach Art. Die Fichte ist mit 34 Prozent Flächenanteil der häufigste Baum im Land. Bei ihr stieg der mittlere Nadelverlust seit dem Vorjahr um 1,8 Prozentpunkte auf 21,2 Prozent.

Die Rotbuche hat im Südwesten einen Flächenanteil von 22 Prozent. Bei ihr stieg der mittlere Blattverlust innerhalb eines Jahres um 4 Punkte auf nunmehr 30 Prozent. Die Tanne ist die einzige Baumart, deren Kronenzustand sich seit dem vergangenen Jahr verbessert hat – ihr mittlerer Nadelverlust fiel um 0,4 Punkte auf 19,1 Prozent. Hier wirkten sich nach Einschätzung Hauks die Anstrengungen zur Reduktion der Luftbelastung aus. Denn die Tanne reagiert empfindlich auf Schwefel. Die Reduktion von Emissionen wie Schwefeldioxid macht sich bei ihr positiv bemerkbar.

Die Eiche macht 7 Prozent der Fläche aus und ist nach der Rotbuche der zweithäufigste Laubbaum im Land. Ihr mittlerer Blattverlust kletterte 2018 um 2,2 Punkte auf 30,2 Prozent. Die Kiefer mit einem Flächenanteil von 6 Prozent weist einen mittleren Nadelverlust von 27,3 Prozent auf – das sind 3,2 Punkte mehr als noch 2017. Die Esche ist das Sorgenkind unter den Bäumen im Land: Bei ihr stieg der Blattverlust innerhalb eines Jahres um 12,8 Punkte auf jetzt 44,4 Prozent. Ihr Flächenanteil liegt bei 5 Prozent.