Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
15. Juni 2012 21:25 Uhr
Exzellenzinitiative
Die Uni Freiburg muss nach eigenen Fehlern suchen
Die Enttäuschung in Freiburg ist riesengroß: Der hart erkämpfte Elitetitel der Universität ist nach fünf Jahren wieder verloren. Welche Folgen muss das haben? Ein Kommentar von Wulf Rüskamp.
Elite-Uni ade – verständlich, dass manche sofort nach Schuldigen suchen. In der Tat könnte man recht schnell fündig werden, schaut man sich auf der Landkarte die Lage
der neuen elf Eliteuniversitäten an. Da herrscht weit mehr Normalverteilung unter den Himmelsrichtungen als vor fünf Jahren. Damals ballte sich scheinbar alle Exzellenz im Südwesten – sehr zum Zorn manches Ministers in Nord- und Ostdeutschland. Nun sind in Baden zwei Leuchttürme der Wissenschaft erloschen, dafür leuchten im Norden mehr. Ist das nicht Ausgewogenheit im Sinne des Föderalismus unter Missachtung wissenschaftlicher Kriterien? Ist Baden-Württemberg von den anderen Ländern gestutzt worden – und hat Freiburg dafür den Preis bezahlt?
Gern möchte man diese Fragen mit Ja beantworten. Doch ganz so einfach ist es wohl nicht. Denn im Norden zählt auch die Universität Göttingen nicht mehr zu den Spitzenuniversitäten – zumindest im Sinne der Exzellenzinitiative. Und man kennt ja die Argumente der Gutachter bislang nicht – ihren Entscheidungen haftet deshalb etwas Willkürliches an. Zumal man fragen kann, wie sich Bewertungen der für jede Universität unterschiedlichen Gutachtergruppen angemessen vergleichen lassen. Denn jede Universität ist von einem anderen Wissenschaftlerteam unter die Lupe genommen worden, das dazu für 48 Stunden aus aller Welt zusammengeholt wurde. Das Gemeinsame aller Begutachtungen ist ein allgemein gehaltener Kriterienkatalog.
Finanzieller Verlust wird durch das neue Forschungscluster aufgewogen
Solche Kritik am Verfahren, das mitunter auch von der Tageslaune der Gutachter geprägt sein kann, mag typisch für Verlierer sein. Es erklärt aber gut, warum die Riege der Spitzenuniversitäten deutlich abweicht von der Reihenfolge anderer Hochschulrankings zu Forschungsleistungen. Andererseits hat die Exzellenzinitiative in den vergangenen Jahren im Urteil über deutsche Hochschulen ihr eigenes Gewicht erhalten, insbesondere im Ausland. Deshalb ist nichts daran herumzudeuteln, dass das Scheitern für die beiden badischen Universitäten Freiburg und Karlsruhe bitter ist. Sie werden nach eigenen Fehlern suchen müssen; und vieles, was bisher über den Elitetitel leicht erschien, muss künftig hart erarbeitet werden. Dazu gehört der Erhalt der Errungenschaften aus der Exzellenzinitiative. Darin liegen für Freiburg die eigentlichen Folgen – der finanzielle Verlust wird durch das neue Forschungscluster aufgewogen.
Mehr zum Thema:
Autor: Wulf Rüskamp
3 Kommentare
Die veröffentlichten Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.
-
Reinhard Zimmermann
Registriert seit: 02.12.2009
Kommentare: 61
-
17. Juni 2012 - 12:00 Uhr
Als ehemaliger Doktorand dieser Universität sehe ich den Verlust der sogenanten 'Exzellenz' als Chance zur Neubesinnung auf das, was sie eigentlich leisten sollte. Bei der 'Exzellenz'initiative geht es doch im wesentlichen darum, sich als besonders vielversprechender Partner der Medizin- und Pharmakonzerne zu präsentieren und im Erfolgsfall als externes Forschungslabor derselben fette Förderkohle einzustreichen. Im Artikel der BZ fällt auf, dass trotz Verlust des Freiburger Prädikates weiterhin Einrichtungen gefördert werden, die im Bereich 'Lifescience' tätig sind. FRIAS hingegen mit seinem interdizipinären Konzept u.a. mit Geschichts- und Sprachforschung, geht hingegen leer aus - mehr als vielsagend !
Was uns Medizin- und Pharmakonzerne als 'Fortschritt' vorsetzen, mag im Detail beeindrucken, wird aber ohnehin immer unbezahlbarer und löst keines der drängenden Menschheitsprobleme. Wer, wenn nicht die Universitäten, sollte aber genau daran arbeiten? Wo sind z.B. die neuen Philosophen, die neuen Montesqieus und Lockes, die uns die Ideen für politische Systeme liefern, welche die Menscheit davon abhalten könnten, sich im Kampf um die Resourcen gegenseitig umzubringen und die gesamte Schöpfung gleich mit zu vernichten ?
Verstoß gegen Netiquette melden
-
Günther Müller
Registriert seit: 18.02.2011
Kommentare: 82
-
17. Juni 2012 - 12:18 Uhr
Die zahlreichen Nobelpreisträger als Gastredner von FRIAS sprechen auch für sich. Billig war das sicherlich nicht und der erhoffte Ruhm ist ja wohl nicht auf FRIAS übergesprungen ...
Verstoß gegen Netiquette melden
-
Thomas Bender
Registriert seit: 04.02.2010
Kommentare: 2508
-
17. Juni 2012 - 18:47 Uhr
Philosophie? Kann man das exportieren? :)
Verstoß gegen Netiquette melden
Weitere Artikel: Kommentare
-
Im Kampf gegen Steuerschlupflöcher machen die USA der EU vor, wie man erfolgreich verhandelt.
Mehr
-
Die Löschleute genießen in Deutschland das höchste Ansehen / Von Johannes Adam.
Mehr
-
Papst Franziskus erwähnt auffällig oft den Teufel, deshalb muss er sich nun eine unangenehme Debatte gefallen lassen.
Mehr