Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

04. Juli 2012

Die Vielfalt der Riegeler Kunstszene

Die Riegeler Künstlertage waren nicht so gut besucht wie im Vorjahr, dennoch ziehen die Teilnehmer eine positive Bilanz.

  1. Cordula Böhle (rechts) erklärt ihre Kleinformate. Foto: Michael Haberer

RIEGEL. Die vierten Riegeler Künstlertage hatten am Wochenende erst unter der Hitze und dann unter dem Regenwetter zu leiden. Bei Weitem nicht so viele Besucher wie im vorigen Jahr gingen auf den Weg durch die Ateliers. Rund 400 Interessierte machten sich vom Rebenbummler am SWEG-Bahnhof auf, um die Riegeler Kunstszene zu erkunden. Nachdem die 15 Künstler am Sonntagabend Bilanz gezogen haben, war sich Sprecher und Mitorganisator Hans-Jürgen Truöl sicher, dass es auch im nächsten Jahr Riegeler Künstlertage geben wird.

Der erste, der die Tücken der Hitze zu spüren bekommen hat, war der Fotograf Hans-Peter Ziesmer. Er hat seine Bilder mit Motiven aus der ganzen Welt in einem Waggon des Rebenbummlers aufgehängt. Da man im Vorfeld vergessen hatte, die Fenster der Waggons zu öffnen und die Sonne für Treibhaustemperaturen sorgte, war der Kleber der aufgezogenen Fotografien den vielen Plusgraden nicht mehr gewachsen und die Abzüge fielen von den Wänden.

Noch schnell musste Hans-Peter Ziesmer die Bilder hinter Glas bringen und ein zweites Mal aufhängen. Als der nötige Durchzug im Zug herrschte, war es bei Bedienung durch die Eisenbahnfreunde ein angenehmes Schlendern zwischen den Holzsitzen mit einer Vielzahl von Kunstwerken.

Werbung


Keller zeigte eine große Bandbreite von Kunst

Die "Unorte", Groteskitäten" und "Szenen, Klischees, Momente" von Wolfgang Keller haben die Waggonhitze im Vorfeld von Vernissage und Ausstellungstagen gut gemeistert. Keller zeigte eine große Bandbreite von Kunst. Neben seinen grotesken Bildserien und Aktzeichnungen waren auch ganz abstrakte Gemälde zu sehen.

Von abstrakt bis kurios ging es auch im Atelier von Dieter Rottler zu. Er hatte sich Kompositionen aus Nägeln gewidmet und Carmen Gukelberger hat sich auf die Jagd nach Jagdtrophäen gemacht, um diese in ihre Farbkompositionen einzubauen.

Mit einer dritten Wetterkapriole hatte die Ausstellung bei Gabriela Stellino zu kämpfen: Der Sommersturm in der Nacht wirbelte die ganzen Aufbauten im Hof umher. Der Hof war die Verbindung von Stellinos Atelier und der Garage, wo der Fotografen Telemach Wiesinger seine Fotos aufgehängt hatte. Die Malerin wie auch der Fotograf zeigten meist kleinformatige Bilder. Bei den Motiven des Fotografen wie denen von Flugzeugflügeln oder den Aquarellen von Stellino handelte es sich um Serien. Stellino hatte den interessierten Besuchern viel zu erläutern, wie aus den in Nuancen verschiedenen Aquarellen eine belebte Bilderfolge entsteht. Silvia Wenzinger-Schille spannte in ihrem Laden am Ortseingang den Bogen auch weit: von abstrakten Figuren bis zur Gebrauchskeramik.

Ebenfalls vielgestaltig war die Kunst im Atelier von Cordula Böhle. Bereits Böhle hatte ganz unterschiedliche Gemälde und Kreationen in verschiedenen Formaten zu bieten. Zu ihrem vielfältigen Schaffen kamen noch die Stilrichtungen von Michelle und Norman Hothum hinzu. Norman Hothum zeigte seine Buchmalereien.

Der große Aufwand hat sich gelohnt

Michelle Hothum widmet sich liebevoll gestalteten kleinformatigen Radierungen und bemalten Eiern. Sie sagte, dass sie an den Künstlertagen manches Ausstellungsstück verkauft habe und sich der große Aufwand lohne. Das bestätigte Ulrike Hensle, die jüngst ihr Atelier in der Alten Schule, jetzt Teil des Bürgerhauses, eingerichtet hat. Hensle zeigte Bilder, Schmuck oder Specksteinskulpturen.

Eine breite Palette war auch auf dem Anwesen Truöl zu sehen. Heide Bachofer zeigte in ihrem Atelier, was man künstlerisch aus alten Klamotten machen kann. Hans-Jürgen präsentierte den Blick des Fotografen auf die Sujets und Ensemble in der Landschaft in unterschiedlichen Formaten, während sich Tanja Truöl Folgen von Köpfen und Berliner Szenen angenommen hatte.

Bandbreite war ebenso im Jugendhilfezentrum St. Anton angesagt. In den Katakomben des früheren Klosters waren die Werke ausgestellt, die die Kinder und Jugendlichen zusammen mit ihrer Kunsttherapeutin entwickelt haben und unterm Zeltdach durfte man an der therapeutischen Aktion hin zum Kunstwerk teilhaben.

In der Kapelle zeigten und erklärten die Franziskanerinnen aus Gengenbach ein ganz anderes Kunsthandwerk. Sie fertigen, besticken und besetzen Gewänder für die Liturgie (Paramente) und machen Kerzen und Devotionalien, die sie den Gläubigen anbieten.

Der Fantasie des Kunstmalers Karl-Heinz Thiel sind sowieso keine Grenzen gesetzt und so war sein Atelier voll bis unters Dach von ganz unterschiedlichen figürlichen und abstrakten Kreationen in Farbe.

Mehr Fotos von den Künstlertagen unter http://www.badische-zeitung.de

Autor: Michael Haberer