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22. Juni 2012
Die Vogelversteher im Vogelpark Steinen
Tiere hautnah: Ein Ausflug in den Vogelpark Steinen.
Ein warnender Ausruf, ein leichter Windstoß, dann streicht ein Vogelflügel den Kopf, instinktiv ducken wir uns noch tiefer zwischen die Sitzbänke. Ein vorsichtiger Blick zur Seite: Da sitzt der Uhu wieder friedlich auf dem Lederhandschuh von Gisbert Kasten. Er leitet die Greifvogelflugschau hier im Vogelpark Steinen, in den uns unser Familienausflug heute geführt hat. Der Uhu klappt seine riesigen Flügel wieder ein und klimpert unschuldig mit seinen ausdrucksstarken, honigbrauen Augen, als wäre nichts gewesen.
Noch weitere Flugakrobaten werden im Laufe der Show zu einem Sturzflug auf uns ansetzen. Dabei schafft es der redegewandte Falkner mit atemberaubendem Sprechtempo Informationen in kleine Häppchen zu packen, die selbst unsere Kinder ebenso gut aufnehmen, wie die Vögel das Belohnungsfutter. Nacheinander fliegen Bussard, Uhu, Adler, Milan, Falke, Weißstorch und Geier dicht über unsere Köpfe hinweg, landen in unmittelbarer Nähe und verweilen: "Iih, der Geier tropft ja aus dem Mund" – unser Ältester schüttelt angewidert den Kopf. Auch dafür hat der Falkner eine fachkundige Erklärung: die fehlenden Schweißdrüsen der Vögel.
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Nach vielen weiteren verblüffenden Enthüllungen und abschließendem Uhu-Streicheln geht’s direkt weiter zur moderierten Berberaffenfütterung: Auch ohne verlorengegangene Kokosnuss brüllt die Affenbande. Vor allem Jungaffe Linus kreischt und versucht so, die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu lenken. Das ein Jahr alte Berberäffchen ist eifersüchtig auf einen frisch geborenen Rudelgenossen, wie uns Tierpflegerin Andrea Knoll lachend erklärt. Begeistert verfüttern junge und alte Parkbesucher Nüsse und Gurkenhappen, die von den Moderatoren gratis ausgegeben werden, an Affen und Pfaue.
Auch im etwa 500 Quadratmeter großen Vogelhaus tut sich einiges: zu leiser, angenehmer Hintergrundmusik sollen hier Vögel schlüpfen. "Och, guck daaa, wie süüüüß", ruft die Jüngste einer Kindergruppe, die sich die Nasen am Schaukasten plattdrückt. Hinter der Scheibe kuscheln sich junge Küken aneinander, während ihre Kollegen im Brutkasten jetzt endlich ihre Eierschalen unter den gespannten Blicken der Kinder aufpicken sollen. Noch mehr Eier gibt’s bei der Eierausstellung, die neben einem riesigen Straußenei auch ein winziges, perlen-kleines Kolibri-Ei zeigt. Doch dann ist es auch schon vorbei mit der Aufmerksamkeit der Kinder, die nicht mehr wissen wollen, wie man die heimischen Vogelarten erkennen kann.
Mehr Spannung verspricht die etwa 30 Meter lange Sittich-Freiflugvoliere, die sich in nächster Nähe zum Vogelhaus befindet.
Dort spielen sich Szenen wie im Paradies ab: Blaue, türkisfarbene, grün-gelbe Wellensittiche flattern um die Kinder herum, setzen sich auf Finger, Arme und sogar den Kopf. "Das macht richtig Spaß, die Vögel zu futtern", sagt unser Jüngster strahlend. "Füttern, das heißt füttern", verbessert der große Bruder, auf dessen Arm sich zwei Nymphensittiche tummeln und an der mitgebrachten Kolbenhirse picken.
Nach so viel Füttern sind die Kinder selbst hungrig geworden. Wir verlassen unsere neuen gefiederten Freunde und gehen durch den hinteren Teil des Parks. Auf einem Schild gibt’s zu lesen, dass hier noch im letzten Jahr ein Pächter einen Mittelalterbereich mit Dorflandschaft und diversen Gebäuden errichtet hat, aber aus wirtschaftlichen Gründen wieder aufgeben musste. Nun will die Parkverwaltung das Gelände sukzessive wieder herrichten. Schon jetzt können zur Freude der Kinder Spielplatz und Seilbahn genutzt werden. Zum Picknicken sind Tische und Bänke aufgestellt und wer Lust hat, kann an Grillplätzen mitgebrachte Würstchen grillen. Die Holzkohle dazu gibt’s beim Kiosk zu kaufen.
So gestärkt, stürzen sich die Kinder auf die Wassertretstelle und ahmen dabei den Gang der Störche nach, die sie zuvor beim majestätischen Auf- und Abstelzen bewundert haben. Zur Erleichterung von uns Eltern verzichten die Sprösslinge darauf, dabei zu hüpfen wie die Bennett-Kängurus im Freigehege.
So viele Eindrücke müssen erst verarbeitet werden. Gut, dass auf dem Rückweg zum Ausgang Oma anruft und den Jüngsten nach seinen Erlebnissen fragt: "Mann Oma, die haben witzige Namen hier: Der Geier heißt Onkel, ein Vogel Lachender Hans und die Kängurus heißen alle wie mein Freund Bennet im Kindergarten!"
Autor: Anita Fertl



