Abschluss 900 Jahre St. Märgen

Die Zeitkapsel ist gepackt

Wolfgang Scheu

Von Wolfgang Scheu

Di, 01. Januar 2019 um 15:46 Uhr

St. Märgen

Die Bürger der Zukunft sollen erfahren, wie es den St. Märgenern im Jahr 2018 erging und was sie bewegte.

ST. MÄRGEN. Ungefähr 200 Bürger St. Märgens haben trotz einsetzenden Regens am Silvesterabend auf dem Augustinerplatz am Torbogen vor dem Kloster Klemens Armbruster und Manfred Kreutz gelauscht. Der Pfarrer und der Bürgermeister verlasen ihre Briefe an die künftigen Generationen der Gemeinde. Sie wurden in die sogenannte Zeitkapsel – einen Metallbehälter – gepackt.

Vorausgegangen war der sehr gut besuchte ökumenische Gottesdienst. Sieben Kerzen wurden angezündet und die Pfarrer beider Konfessionen lasen Texte zur Geschichte St. Märgens.

Pfarrer Armbruster macht sich Gedanken, wie es um die Pflege der Religion aussehen wird, spricht den Rückgang der Priesterzahlen an, gibt Zahlen und Fakten zur Kirche und zur Pfarrgemeinde. Dass an diesem Abend beide Konfessionen einen Gottesdienst zelebrieren, war ja vor nicht allzu langer Zeit nicht selbstverständlich. Er drückt seine Freude aus, dass wertvolle Kunstwerke wie das Gnadenbild "Mutter Gottes im Thron" als Zeugnisse des Anfangs um 1128 noch gut erhalten sind. Er schreibt von Aufs und Abs und hofft auf Zusammenhalt und Gottesvertrauen auch in Zukunft.

Im Zentrum des Briefs von Bürgermeister Kreutz stehen das Jubiläumsjahr und wie es die Bürger der kleinen Gemeinde gemeinsam geschafft haben, so erfolgreich damit zu sein. Er schreibt vom Glück, seit 70 Jahren in Frieden in Mitteleuropa zu leben, und von der "Völkerwanderung" in Richtung Mitteleuropa, von Leid und Not in anderen Ländern und wie selbst kleinste Gemeinden wie St. Märgen helfen. Von den 50 Asylbewerbern, die in der Gemeinde untergebracht sind. Von der Hoffnung, dass in der kleinsten Einheit der politischen Struktur – der Gemeinde – der demokratische Gedanke der Vorväter aufgenommen und verteidigt wird. Ebenso sind die Auswirkungen des Klimawandels enthalten wie Daten zur Gemeinde und zur Landwirtschaft. Natürlich schreibt Kreutz von der Freude, in einer Gemeinde leben und arbeiten zu dürfen, in der die Bürger und Vereine immer wieder einen starken Zusammenhalt beweisen. Ein derart erfolgreiches Jubiläumsjahr mit so vielen Veranstaltungen und noch mehr Arbeit hätte man sonst nicht stemmen können.

Der Inhalt der Zeitkapsel steht ganz im Zeichen des Jubiläumsjahrs in St Märgen. Das große Buch "900 Jahre St. Märgen" findet darin einen Platz, eine Ausgabe der Badischen Zeitung liegt daneben. Weiter finden sich Euromünzen, eine Jubiläumsflagge, das Festprogramm und eine Speisekarte vom "Rössle", dem ältesten Gasthaus im Ort. Vom Jubiläumswein sind nur die Etiketten in der Kapsel – sei es wegen der Haltbarkeit oder weil er den Menschen anno 2018 zu gut gemundet hat.

Vor dem Jubiläum "1000 Jahre St Märgen" soll die Schatulle nicht geöffnet werden. Dann wird sich weisen, was länger Bestand hat, die digitale Kopie der Dokumente im Internet oder der Inhalt der Kapsel. Die Zeitkapsel wird in St Märgen nicht wie andernorts im Boden versenkt. Vielmehr ist ein Platz in der Wand des Klostermuseums vorbereitet, als würdiger "Deckel" auf die Öffnung wird der kunstvoll bearbeitete Sandstein von Steinmetz Thomas Simon dienen. Die Inschrift lautet: "900 Jahre. Den Zeitenlauf hält niemand auf. Doch in Erinnerung bleibt, was die Geschichte schreibt". An den endgültigen Platz in der Wand ist die Metallschatulle noch nicht gekommen, es war zu feucht für das offizielle Siegel.

Die Briefe des Pfarrer und des Bürgermeisters werden in Kürze auf der Internetseite der Gemeinde veröffentlicht.