Barrierefreiheit

Expertenlob: Dietler-Passage in Freiburg ist vorbildlich umgebaut

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Di, 16. August 2016

Freiburg

Die Behindertenbeauftragte der Stadt lobt die Barrierefreiheit in der Passage zwischen Grünwälderstraße und Gerberau.

Vor drei Jahren wechselte die Dietler-Passage zwischen Salz-, Grünwälderstraße und Gerberau den Besitzer; seither gehört sie dem Karlsruher Kaufmann Thomas Rühle. Inzwischen ist sie, nach Zeiten von Leerstand und Vernachlässigung, saniert, zu fast 100 Prozent vermietet und wieder gut besucht. Lob kommt nun auch von eher ungewohnter Seite: Die Behindertenbeauftragte bezeichnet den behindertenfreundlichen Umbau der Passage als vorbildlich.

"Nur eine Anregung", sagt Daniela Schmid, die Vorsitzende des Freiburger Behindertenbeirats und selbst sehbehindert. "Diese Stufen da sind schwer zu unterscheiden, ein Kontraststreifen würde helfen." Nachdenklich betrachten Hans Dieter Rühle, Bruder des Eigentümers, und Passagen-Manager Jürgen Weber die zwei Stufen, die zwischen Säulen zum Imbiss "Edo’s Hummus Küche" führen. "Das machen wir", sagt Rühle und bittet den Passagen-Manager: "Schreiben Sie das gleich auf?"

So unkompliziert muss man sich die Zusammenarbeit zwischen Passagen-Management und Behindertenbeirat wohl öfter vorstellen. Aus eigenem Antrieb und zusammen mit der Behindertenbeauftragten Sarah Baumgart haben die Verantwortlichen die Dietler-Passage rollstuhlgerecht gemacht. Alle Stufen sind zu flachen Rampen geworden oder um Rampen ergänzt. Sarah Baumgart, die selbst in einem breiten Elektrorollstuhl sitzt, demonstriert, wie einfach es geworden ist, von der Grünwälderstraße zum Aufzug am anderen Ende der Passage zu kommen – und von dort nach unten in die Gerberau. Alle Geschäfte sind jetzt barrierefrei zu erreichen.

"Auch die Beleuchtung ist deutlich besser geworden", sagt Daniela Schmid. Mit ihren Anregungen hätten sie offene Türen eingerannt, "wie von Zauberhand" sei alles umgesetzt worden. Dabei machten alle mit. Im Hummus-Imbiss gibt es jetzt eine barrierefreie Toilette, auf der kleinen Terrasse davor verzichtete Imbissbetreiber Edo Medicks auf zwei Tische, um den Durchgang zur Markthalle für Rollstühle möglich zu machen.

Doch nicht nur Rollstuhlfahrer haben etwas von den Umbauten, sondern auch Eltern mit Kinderwagen. "Das nützt ja nicht nur unseren behinderten, sondern auch den nicht-behindernten Kunden", sagt Hans Dieter Rühle. Die Verbesserungen müssen gar nicht immer groß sein: Ein Haken in der Behindertentoilette freut alle Damen mit Handtasche. "Man muss einfach dran denken", sagt Rühle, "dann macht man das einmal und es ist gut." Die Kosten haben die Eigentümer getragen – das Absenken der Stufen zur Rampe etwa kostet etwa 2500 Euro – oder sich mit den Geschäftsleuten geteilt, zum Beispiel bei der rund 8000 Euro teuren Behindertentoilette.

"Toll wäre, wenn alle Einzelhändler so mitziehen", sagt die Behindertenbeauftragte. "Gerade der Freiburger Einzelhandel hat Nachholbedarf, was Barrierefreiheit angeht. Wir wünschen uns, dass mehr Geschäftsinhaber Menschen mit Behinderung und Senioren als Zielgruppe erkennen und angesichts des demografischen Wandels und dem geänderten Verständnis von Teilhabe in der Gesellschaft dem Beispiel von Herrn Rühle folgen."

Eine der besten

Geschäftslagen

Damit steht die Dietler-Passage wieder gut da. "Derzeit sind wir zu fast 100 Prozent vermietet", sagt Passagen-Manager Weber. Die Passage profitierte dabei von der Sanierung des Atriums am Augustinerplatz: Sushibar, Hummus-Imbiss und "Sabai Thai Massage" zogen in die Dietler-Passage um. Dazu kamen hochwertige Läden wie "L’adorable France", während Stamm-Mieter wie Kieser oder Bang & Olufsen blieben. Seit drei Jahren werde kontinuierlich saniert. Weber: "Wir müssen keine Mieter mehr suchen, die Mieter kommen zu uns." Je nach Laden vermiete man für 30 Euro pro Quadratmeter kalt, bei Büroflächen für 12 bis 15 Euro.

Die 1987 eröffnete Passage in einer der besten Geschäftslagen Freiburgs gehörte lange einer Freiburger Erbengemeinschaft, bis ein Investor aus Pforzheim übernahm. Dieser verkaufte den Komplex, zu dem auch die Sportarena von Mieter Kaufhof gehörte, nach knapp einem Jahr – angeblich mit einem Gewinn von fünf Millionen Euro – wieder und zwar getrennt: Die Sportarena ging an Investoren aus Hamburg, die eigentliche Dietler-Passage an Thomas Rühle, einen privaten Investor aus Karlsruhe. Dieser strebe an, die Passage langfristig zu halten und zu entwickeln, so Passagen-Manager Weber. Deshalb auch der barrierefreie Umbau. Eine neue Idee gibt es schon: Statt der Werbeaufsteller, an denen Blinde mit ihrem Stock hängenbleiben können, würden die Eigentümer lieber eine Stele mit Werbung aufstellen – sieht besser aus und ist quasi barrierefrei.