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26. Februar 2011 00:07 Uhr

BZ-Interview

Dirk Hirthe: "Fetzig macht viel Spaß"

Was kommt heraus, wenn man aus einem Sinfonieorchester Blechbläser und Schlagzeuger herausholt? Eine Big Band! 15 Musiker aus der Badischen Staatskapelle in Karlsruhe nennen sich BaSta Brass und spielen Jazz – für gute Zwecke.

  1. Benefizkonzert für die Aktion „Südbaden hilft“ Foto: Diana Drechsler

Nächsten Dienstag geben sie im Freiburger Jazzhaus ein Benefizkonzert für die Aktion "Südbaden hilft" von Caritas international, der Stadt Freiburg, dem Südwestrundfunk und der Badischen Zeitung zugunsten des Wiederaufbaus von Haiti. Mit Dirk Hirthe (26), Tubist und Initiator von BaSta Brass, sprach Thomas Steiner.

BZ: Herr Hirthe, Sie sind gebürtiger Freiburger, wie geht es Ihnen in Nordbaden?
Dirk Hirthe: Eigentlich gut, nachdem ich vorher in Stuttgart an der Staatsoper beschäftigt war (lacht). Und als ich vor drei Jahren als Badener in der badischen Staatskapelle angefangen habe, war ich schon stolz.
BZ: Was muss die Staatskapelle am Karlsruher Staatstheater spielen?
Hirthe: In dieser Spielzeit machen wir 24 Opernaufführungen und acht Sinfoniekonzerte, das ist unser tägliches Brot.
BZ: Und da haben sich die Blechbläser gedacht: "Wir wollen auch mal was anderes machen"?
Hirthe: Die Staatskapelle hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verjüngt, gerade im Blech. Wir dachten uns, keiner kennt uns bisher richtig, da könnten wir etwas dafür tun, dass die Leute sehen, wer wir sind, was wir machen und dass wir etwas auf die Beine stellen können. Gerade in diesen schweren Zeiten, was die Kultur angeht.

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BZ: Und warum verbinden Sie das mit einem gutem Zweck und spielen Benefiz-Konzerte?
Hirthe: Weil wir einen Kulturauftrag von der Gesellschaft bekommen haben und etwas zurückgeben wollen.
BZ: Mit der BaSta Brass spielen Sie nun gerade nicht Klassikliteratur.
Hirthe: Wir haben uns gefragt, was macht Laune? Und die Antwort war: Ein Big-Band-Projekt wäre mal etwas anderes, da könnten wir auch ein neues Publikum ansprechen, zusätzlich dazu, dass wir Lust drauf haben.
BZ: Was für Stücke sind im Programm?
Hirthe: Wir haben ja eine Big-Band-Besetzung, die in Richtung Brass Band geht, mit der spielen wir Stücke wie Chick Coreas "Spain", Dave Brubecks "Blue Rondo" oder den brasilianischen Klassiker "Tico Tico". Dazu neue Stücke von Peter Lehel aus Karlsruhe, den wir uns als unseren Leiter geholt haben.
BZ: Fetzigere Musik, als sonst...
Hirthe: Was uns unglaublich viel Spaß macht. Ich habe ja früher im Freiburger Schüler-Jazzorchester gespielt, bei Herbert Schiffels, das heißt, ich kannte das schon. Aber es gibt auch Leute bei uns, die das nie gemacht haben.
BZ: Wie hat das dann im Ensemble funktioniert?
Hirthe: Es war anfangs sehr ungewohnt für uns, laid back zu spielen, wie man so schön sagt. Da mussten wir uns reinfinden, das war für uns das Spannende an dem Projekt. Was gleich ist, ist, dass man zusammenspielen muss, dass man einander zuhören muss. Aber die Richtung des Musizierens, die Phrasierung ist etwas ganz anderes.
BZ: Es gibt ja auch klassische Musiker, die das nicht können oder auch gar nicht wollen.
Hirthe: Nicht wollen ist bei uns nicht der Fall, und nicht können – also wir geben uns reichlich Mühe. Man sollte auch alles mal versuchen, einfach weil es eine Horizonterweiterung ist.
BZ: Wie ist die Besetzung von BaSta Brass?
Hirthe: Vier Trompeten, fünf Posaunen, drei Hörner, eine Tuba und zwei Schlagzeuger.
BZ: Also ohne Saxophonisten, die es zwar in der Jazz-Big-Band, aber nicht im klassischen Orchester gibt. Wie verändert das das Klangbild?
Hirthe: Die Saxophone sind ja immer die, die das etwas Wärmere in die Big Band reingeben, sie spielen viel Melodie. Wir haben nun nicht die schönen Saxophonlinien vorn und hinten dran die Trompeten, die ein paar schöne Kicks spielen. Wir teilen das Melodische deshalb auf alle Gruppen auf.
BZ: In der Besetzung ist auch kein Kontrabass, da haben Sie selbst mit der Tuba vermutlich in der Tiefe viel zu tun.
Hirthe: Sehr viel, was auch anstrengend ist. Aber das wusste ich vorher, ich habe nichts in die Wege geleitet, was ich nicht wollte.
BZ: Was darf man sich von den Stücken und Arrangements erwarten, die Peter Lehel für BaSta Brass geschrieben hat?
Hirthe: Er ist ja kein Unbekannter und hat auch schon für klassische Orchesterbesetzung geschrieben. Als wir ihn angesprochen haben, fand er unsere Besetzung spannend, und hat sich extra damit beschäftigt. Seine Arrangements sind schon etwas Besonders, er gehört zu den intellektuellen Jazzern, die versuchen, etwas tiefgründig Gutes zu machen.
BZ: Und das ist dann auch für Klassikhörer zugänglich?
Hirthe: Jeder, der sich für diese außergewöhnliche Besetzung interessiert, soll kommen!
BZ: BaSta Brass aus Karlsruhe geben ihr Debüt in Freiburg – mussten Sie die Kollegen da lange überreden?
Hirthe: Nein, wir sind da frei von Vorurteilen, wir spielen einfach gerne.
BZ: Nachdem es ja das Debüt ist: Gibt es im Ensemble so etwas wie Lampenfieber?
Hirthe: Wir proben wie verrückt, um das Risiko so gering zu halten wie möglich, wie man so schön sagt. Aber wir machen natürlich etwas, was wir noch nie gemacht haben.
BZ: Ein richtiger Premierenabend, wie in der Oper...
Hirthe: Ja, es darf prickeln, wie der Sekt in der Pause!

– BaSta Brass goes Benefiz, Freiburg, Jazzhaus, Di, 1. März, 20 Uhr. Info: BZ-Kartenservice 0761/496 8888.

Autor: tst