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09. Februar 2012
Der schwimmende Tomatendünger
Linus Kaminski verbindet Fisch- und Pflanzenzucht in einem natürlichen Kreislauf und erhält dafür den Titel "Übermorgenmacher".
DONAUESCHINGEN (jms). Linus Kaminski (17) ist der jüngste "Übermorgenmacher" in Baden-Württemberg. Der Schüler aus Donaueschingen hat sich gegen mehr als 500 Konkurrenten durchgesetzt und wurde vom Stuttgarter Staatsministerium als einer von 60 "Übermorgenmachern" ausgezeichnet. Seine Vision: Ein geschlossener Naturkreislauf, bei dem keine Abfallstoffe entstehen, dafür Fische und Gemüse artgerecht und umweltschonend herangezogen werden.
Bereits im vergangenen Frühjahr hatte Linus Kaminski seine Idee in die Tat umgesetzt. Im Gartenhaus seiner Großmutter verband er ein Fisch- und ein Pflanzenbecken zu einem natürlichen Kreislauf. "Dass ich damit zum ,Übermorgenmacher' werde, hätte ich wirklich nicht gedacht", sagt der Schüler und schüttelt lachend den Kopf.
Seine Idee ist nicht ganz neu; in Australien und in den USA werden ähnliche Systeme zur Gemüse- und Fischzucht im großen Stil eingesetzt. Dass der Zwölftklässler eine solche Anlage eigenständig gebaut und über Monate hinweg betreut und optimiert hat, beeindruckte auch in Stuttgart.
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Entstanden aus einem Schulprojekt, widmete Linus Kaminski der Aquaponik-Anlage einen Großteil seines Sommers. "Am Tag habe ich drei- bis viermal danach geschaut", erzählt er. Ob Wassertemperatur prüfen, das Verhalten der Fische beobachten oder Wasserwerte kontrollieren – zu tun gab es immer etwas.
Das Prinzip der Anlage basiert auf einem geschlossenen Kreislauf zwischen zwei Becken. Becken Nummer eins, das Fischbecken, fasst einen Kubikmeter Wasser, in dem 50 Buntbarsche schwimmen. Becken Nummer zwei, das Pflanzenbecken, ist mit 600 Litern Blähton gefüllt. Darauf wachsen unter anderem Tomaten, Basilikum und Kohlrabi. Eine Pumpe saugt das durch Fischausscheidungen verunreinigte Wasser aus dem Fischbecken ins Pflanzenbecken. Spezielle Bakterien, die sich auf dem Blähton ansiedeln, verwandeln das giftige Nitrit im Wasser in Nitrat, das den Pflanzen wiederum als Nährstoff dient. Während Tomaten und Basilikum gedeihen, fließt das gereinigte Wasser zurück ins Fischbecken. Damit es den Buntbarschen nicht zu kalt wird, hat Linus Kaminski Anfang Oktober die Temperatur im Gewächshaus mit einem Holzofen nach oben getrieben. Im November war es aber endgültig zu kalt für die Fische. Zum Überwintern hat der Schüler sie in ein Aquarium ins Haus der Kaminskis umgesiedelt. Bei allem Aufwand ist Linus Kaminski nach wie vor fasziniert von seiner Anlage: "Ich finde es schön, zu sehen, wie die Fische und Pflanzen wachsen." Das wird in diesem Jahr noch schneller gehen. Denn als "Übermorgenmacher" hat er einen Wunsch im Wert von 1000 Euro frei, und dieses Geld will er in eine Solaranlage stecken, die den Kreislauf konstant warmhält.
Ob die Auszeichnung den Grundstein für eine Forscherkarriere legt, ist sich Linus Kaminski noch nicht ganz sicher. Nur soviel: Den Studiengang Aquakulturen findet er nicht vollkommen reizlos.
Autor: bz
