Der Stadtbus ist narrentauglich

skk

Von skk

Mo, 12. Februar 2018

Donaueschingen

Eine ungewöhnliche "Testfahrt" in Donaueschingen / Narren drehen eine Busrunde durch die Stadt.

DONAUESCHINGHEN (jak). Kurz nach 15 Uhr: die Stadtbus-Haltestelle am Rathaus. Eine Menschentraube wartet. Ungläubige Blicke von vorbeifahrenden Autos. Was ist hier los? Die Narren wollen eine Runde mit dem Stadtbus fahren. Und dann kommt der Bus – doch er ist weiß und fährt nach Schwenningen. Sprechchöre: "Wir wollen den blauen Bus. Wir wollen den blauen Bus", fordern die Narren. So viel Begeisterung hätte Oberbürgermeister Erik Pauly, der sich unter die Narren gemischt hat, wohl immer für sein Lieblingsprojekt.

Und dann brandet Jubel auf: Busfahrer Angelus Gkirmpas traut seinen Augen nicht, als er den Stadtbus hält. Die wollen alle mit? Schnell füllen sich die Sitzplätze und auch auf dem Gang wird es immer enger. Und dann noch Alois Käfer, der ein altes Fahrrad mitgebracht hat. Wenn schon närrischer Stadtbus-Check, dann richtig. Allerdings: Das Fahrrad kann doch nicht mit, die Technik will nicht so, wie die Männer. Die Karlstraße erlebt den ersten Verkehrskollaps und der Stadtbus hat beinahe eine Viertelstunde Verspätung.

Und dann fährt der Bus an und es wird gesungen: Drafi Deutscher sang einst von Marmor, Stein und Eisen, die Narren vom Stadtbus: "Linie eins und Linie zwei sind nicht voller als Linie drei. Außer uns ist hier kein Schwein, der Fahrer fährt allein." Angelus Gkirmpas nimmt es gelassen, steuert den Friedhof und die Äußere Röte an. Haltestelle um Haltestelle wird angefahren. Die Narren machen Stimmung und der Bus hält nicht. Doch dann passiert es: In der Alemannenstraße stehen plötzlich drei Fahrgäste, die mit wollen und ungläubig den Bus anblicken. Alles rückt zusammen, die passen auch noch rein. Weiter geht es auf den Hindenburgring. Stau. Martina Wiemer fordert einen Kreisverkehr und stellt auch gleich einen Antrag. Doch mit OB und den FDP-Stadträten Niko Reith und Markus Kuttruff sind zwar auch kommunalpolitische Narren im Bus, aber für einen beschlussfähigen Gemeinderat reicht es bei Weitem nicht. Doch es liegt nicht an der Belastungsgrenze, die der Hindenburgring gerne erreicht, sondern an einem liegengebliebenen LKW im Kreisverkehr.

Was machen eigentlich die beiden anderen Stadtbusse in dieser Zeit? Die drehen ebenso ihre Runde. Am Platz am Hanselbrunnen begegnete der blaue Narrenbus erstmals einem anderen Stadtbus-Exemplar. Der Fahrer blickt erstaunt, winkt erfreut. Und fährt mit seinem leeren Bus weiter. Sicher steuert Angelus Gkirmpas die Narren über das Kopfsteinpflaster, zum Busbahnhof. Der OB steigt aus, er hat wohl genug, bekommt aber reichlich Respekt dafür, dass er mitgefahren ist.

Weiter zum Rathaus und auf die Mühlenbrücke. Und tatsächlich. Da steht jemand und will einsteigen. Es ist Ralf Fricker und fast zehn Minuten musste er auf den verspäteten Bus warten. In die Siedlung. Dort wird es kurviger. Für die Musiker ist es eine Herausforderung gleichzeitig zu spielen und das Gleichgewicht zu halten. Eine weitere Stadtbusbegegnung. Der andere Busfahrer streckt seinen Daumen nach oben und lacht. Hinab zum Bahnhof. Eigentlich ist hier Schluss. Doch niemand bewegt sich: "Wie, das war es schon? Wir könnten doch noch eine Runde fahren", sagt Alois Käfer.