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03. Mai 2012

Die Polizei sucht Aufnahmen von den Neonazis

Stadt zeichnet Organisatorin der Mahnwache aus.

  1. Solche Masken haben die Neonazis getragen, die Donaueschingen aufschreckten. Foto: DPA

DONAUESCHINGEN (BZ). Die Polizei ermittelt gegen die 50 bis 100 vermummten Fackelträger von Donaueschingen wegen Verstößen gegen das Versammlungsrecht. Der Aufmarsch war nach den derzeitigen Erkenntnissen eine Aktion der rechtsextremistischen Gruppierung "Die Unsterblichen", die junge Menschen rekrutieren will.

Die Polizei sucht Zeugen, die gehört haben, was die Vermummten in der Nacht zum 1. Mai gerufen haben. Auch mit Handy oder Kamera gemachte Ton- oder Filmaufnahmen seien für die Ermittlungen hilfreich, teilte die Polizeidirektion Villingen-Schwenningen am Mittwoch mit. Gesucht werden zudem Hinweise zu den benutzten Fahrzeugen und Kfz-Kennzeichen.

Wie berichtet, gingen am 30. April kurz vor Mitternacht bei der Polizei mehrere Hinweise ein, dass in der Donaueschinger Karlstraße ein Aufmarsch von Rechtsradikalen stattfinde. Zum Start der Aktion brannten die Teilnehmer, die sich mit weißen "Totenmasken" vermummt hatten, ein Feuerwerk ab. Nach Darstellung der Polizei waren bereits nach wenigen Minuten die ersten Streifenwagen vor Ort. Die Maskierten hätten die Flucht ergriffen und ihre Fackeln und Masken weggeworfen, heißt es im Polizeibericht. Ob ein Kebab-Imbiss gezielt mit einer Fackel beworfen oder zufällig getroffen wurde, sollen die Ermittlungen klären. Die Polizei nahm acht Personen vorläufig fest, die aus der Schweiz und Nordbaden stammen. Sie sind inzwischen alle wieder auf freiem Fuß.

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Warum sie sich Donaueschingen als Ziel ausgesucht hatten und was sie mit ihrem Auftritt bezwecken wollten, dazu schweigen sie – so wie es ihnen auf der Internetseite der Gruppe geraten wird.

Neben einigen Masken konnte die Polizei Propagandamaterial der rechten Szene sicherstellen. Die Polizei geht davon aus, davon aus, dass es sich um eine geplante Aktion gehandelt hat. Nach Einschätzung von Experten nutzen die "Unsterblichen" die neuen Medien, um sich zu verabreden. Meist würden die Aktionen gefilmt und später ins Internet gestellt. Im Netz stilisiert sich die Gruppe selbst als Widerstandsbewegung gegen das "Schandwerk der Demokraten".

Die Stadt Donaueschingen reagierte prompt auf das couragierte Auftreten von Maike Hovingh (22) , die am 1. Mai eine Mahnwache organisiert hatte. Die angehende Hebamme wird von Oberbürgermeister Thorsten Frei am 12. Mai, ausgezeichnet. "Dieses Verhalten ist absolut auszeichnungswürdig. Frau Hovingh setzte ein klares Zeichen gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit," sagte Frei. Am 15. Mai wollen die Fraktionen und OB Frei auf Initiative der Grünen gemeinsam eine Resolution gegen Fremdenfeindlichkeit und für Toleranz in den Gemeinderat einbringen. Damit will die Stadt deutlich machen, dass in Donaueschingen kein Platz für Intoleranz und Ausländerfeindlichkeit ist.

Autor: Seite 8