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13. September 2017

Konzertformate der Zukunft

Die Donaueschinger Musiktage reagieren auf den dramatischen Wandel der Öffentlichkeit.

  1. Das Solistenensemble Kaleidoskop ist bei den Donaueschinger Musiktagen 2017 zu erleben. Foto: SWR, Adam Berry

DONAUESCHINGEN (BZ). Applaus, Stillsitzen, konzentriertes Hören, Applaus – so laufen die meisten Konzerte ab. Doch wenn sich Gesellschaft und Öffentlichkeit verändern, muss sich dann nicht auch das klassische Konzert wandeln? Bei den Donaueschinger Musiktagen werden deshalb dieses Jahr mehrfach neue Konzertformate auf die Probe gestellt. Die Donaueschinger Musiktage präsentieren vom 19. bis zum 22. Oktober 20 Uraufführungen sowie Klanginstallationen.

Regisseur Laurent Chétouane lässt nicht zu, dass sich das Publikum wohlig im Stuhl der Donauhallen zurücklehnt. Die Besucher des von ihm inszenierten Konzerts mit dem Solistenensemble Kaleidoskop müssen sich auch in unbequeme Situationen begeben, die eher an Wartehallen erinnern. Aber auch die Musiker werden aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen. Gemeinsam mit dem Publikum sind sie im Übergang, im Transit. Chétouane spielt damit auf die vielen Unorte im modernen Leben an, sei es im Pendelverkehr, als Tourist oder gar auf der Flucht. "Musik", erklärt er, "ist ortlose Kunst schlechthin."

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Ungewöhnlich und unbequem geht es auch bei Martin Schüttler zu. Der Kasseler Komponist isoliert die Musiker voneinander, die Bühne selbst ist leer. Stattdessen wird abseits des Konzertraums in einzelnen Containern gespielt, wo die Musiker allerdings auch ungewohnte Freiheiten genießen. Ein anderes Szenario: In Francesca Verunellis "Man Sitting at a Piano" sitzt tatsächlich ein Mann am Klavier, aber dieser ist Flötist, das Klavier hingegen computergesteuert.

Ein ganz besonderes Projekt hat sich Bill Dietz ausgedacht. Das Publikum selbst wird zum Akteur in der "École de la claque", seiner Schule des Klatschens. Dietz wirft einen Blick auf die Geschichte des Beifalls in Donaueschingen und fragt, warum heute aus Protest und Ablehnung keine Stühle mehr im Konzertsaal zerstört werden. Stillsitzen, Konzentration, Applaus: In Donaueschingen könnte sich dieser Dreischritt als Ritual eines vergangenen Musikzeitalters entpuppen.

Informationen im Internet: http://www.swr.de/donaueschingen

Autor: skk