Kunst mit Kollegen schaffen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mo, 01. Juli 2013

Donaueschingen

Thomas Putze überrascht als Dosenzertreter bei der Jahresausstellung des Künstlerbundes im Museum Biedermann.

DONAUESCHINGEN (hofi/BZ). Die Eröffnung der Jahresausstellung "Dialog – Trialog #1" des Künstlerbundes Baden-Württemberg erlebte am Sonntagvormittag einen Besucheransturm im Museum Biedermann. Bereits zu Beginn drängten 350 Kunstinteressierte in den Spiegelsaal, der die Besucher nicht mehr fassen konnte.

Vier Jahre nach seiner Eröffnung konzentriert sich das Kunstmuseum Biedermann auf Künstler aus dem Südwesten. In den kommenden acht Monaten stehen Arbeiten des Künstlerbundes Baden-Württemberg im Zentrum. Gezeigt werden Werke von zeitgenössischen Künstlern, die alle einen Bezug zum Südwesten haben. Zu sehen sind Gemälde, Zeichnungen, druckgrafische Arbeiten, Skulpturen, Installationen und Performances. Viele davon sind speziell für die Donaueschinger Ausstellungsräume gefertigt worden.

Zuvor haben sich 21 Mitglieder des Künstlerbundes mit je einem Nichtmitglied intensiv auseinandergesetzt. Dieser künstlerische Dialog wird von November zu einem Trialog erweitert, wenn sich ein weiteres Nichtmitglied zur Ausstellung gesellt. Das Ergebnis des Dialogs ist kein Sammelsurium, sondern eine ebenso stimmige wie spannende Ausstellung. Die Besucher der Vernissage – im Laufe des Nachmittags wurden es gut 500 – erlebten eine vielfältige Darstellung verschiedener künstlerischer Positionen. Basis der zum Teil außergewöhnlichen Dialoge sind Materialien, Formen oder künstlerische Vorgehensweisen, das geschaffene Werk füllt zum Teil ganze Räume.

Groß ist das Angebot an Themen, dem sich die Künstler in den Dialogen stellen, wie "zwei plastische Situationen zum Thema Gier", "Raumreisen" oder das "Spammuseum – Chatbook" aus der Welt des World Wide Web. Zudem können die Besucher einen echten "Putze dosiert" erleben – so der Titel der Sonderausstellung im Leseraum und Technischen Museum. Dort präsentiert Thomas Putze seine recht grazilen und faszinierenden Dosenfiguren (Pinguine, Tänzer oder Maler) aus einer Kombination aus Holz und Getränkedosen, alles Resultate seiner besonderen Art der Resteverwertung, in der der leidenschaftliche "Jäger und Sammler" aus zerstörten Dingen wieder Neues und Schönes entstehen lässt. Seine umjubelte Performance zu Beginn der Ausstellung lässt etwas von diesem Prozess sichtbar werden, wenn er Dosen zerstört und damit einen Teil seines Schaffensprozesses darstellt.

Auch sonst gab es bei der Eröffnung viel Action: Wie beim "Schleudertrauma", wo Holzfiguren von Thomas Putze mit Hilfe eines Katapults an die Museumswand geschleudert werden konnten. Daraus entstehen wieder neue Arbeiten.

Der Bildhauer und Installationskünstler Voré gestaltete Fundamente aus Sandstein, Simon Pfeffel schuf die darüberstehende pyramidenförmige Strahlenkonstruktion. Bei der Dauerperformance am Eröffnungstag bewies Pfeffel zudem viel Kondition, als er unter der Installation "Pfingstmontag 2" ein Taschentuch so hoch blies, wie er nur konnte.

Neben den spannenden Dialogen bleiben den Besuchern Raum zur eigenen Reflexion, zum individuellen Eindrücke Sammeln. Professor Werner Pokorny, Vorsitzender des Künstlerbundes und diesjähriger Preisträger des Ludwig-Thoma-Preises, freute sich über die Zusammenarbeit mit dem Museum Biedermann.