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27. Juli 2012

EZB

Draghi macht alle glücklich

EZB-Chef deutet an, dass die Zentralbank den Krisenstaaten bald zu Hilfe eilen könnte.

LONDON/BERLIN (dpa/dapd/AFP). Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi hat die Hoffnung auf ein weiteres Eingreifen der Währungshüter in der Euro-Krise genährt und damit an den Finanzmärken für steigende Kurse gesorgt.

Der zuletzt unter Druck geratene Eurokurs schnellte in die Höhe. Auch die Börsen schossen nach oben. Der deutsche Leitindex Dax legte zeitweise um drei Prozent zu. Auch die Anleihemärkte der Euro-Krisenländer Spanien und Italien, die zuletzt ein bedrohliches Rendite-Niveau erreicht hatten, entspannten sich. Der Kurs des Euro stieg um rund 1,5 Cent – über die Marke von 1,23 US-Dollar.

Der EZB-Chef bekräftigte am Donnerstag in London: "Die EZB wird im Rahmen ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten." Wörtlich fügte er hinzu: "Und glauben Sie mir – es wird ausreichen." Wichtiger noch als die demonstrative Entschlossenheit werteten Händler Aussagen des EZB-Präsidenten, die auf eine Wiederaufnahme des seit März ruhenden Anleihekaufprogramms der EZB hindeuten könnten.

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Viele Beobachter sehen im massiven Kauf von Anleihen durch die Notenbank kurzfristig den einzigen Weg, die hohen Zinsen zu drücken, die Länder wie Spanien oder Italien derzeit am Markt für frisches Kapital bezahlen müssen. Fraglich ist aber, wie dauerhaft die Renditen damit gesenkt werden können. Ein Kritikpunkt ist, dass mit einem solchen Eingriff der EZB der Reformdruck in den Krisenländern sinken könnte. Ohnehin sind Anleihenkäufe durch die Notenbank wegen der Nähe zur unerlaubten Staatsfinanzierung durch die Notenpresse umstritten. Das Programm ruht seit Monaten.

Am stärksten profitierten Spanien und Italien, also die Krisenherd, auf die die mutmaßlichen Eingriffe der EZB zielen würden: Im längeren und richtungsweisenden Laufzeitbereich von zehn Jahren sank die Rendite für spanische Staatsanleihen erstmals seit einer Woche wieder unter die kritische Marke von sieben Prozent.

Irland hat mit dem ersten Verkauf langfristiger Staatsanleihen seit fast zwei Jahren am Donnerstag mehr als 5,2 Milliarden Euro eingenommen. Der überraschende Verkauf der Anleihen wurde von Beobachtern als wichtiger Test für die Stimmung gegenüber Irland gesehen, das 2010 unter den Euro-Rettungsschirm geflüchtet war.

Die Griechen haben wegen der Krise auch im Juni Milliardenbeträge von ihren Sparkonten abgezogen. Die Einlagen bei den Banken des Landes verringerten sich um fast sieben Milliarden Euro, wie aus am Donnerstag in Frankfurt veröffentlichten Daten der EZB hervorgeht.

Autor: afp


1 Kommentar

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Peter Matulla

Registriert seit: 18.09.2010

Kommentare: 540

27. Juli 2012 - 10:34 Uhr

Schon wieder sollen Deutschland Risiken aufgebürdet werden, ohne dass die Betroffenen etwas dagegen tun. Die Rettungspolitik ist eben alternativlos. Das ist erst dann zu Ende, wenn Deutschland aus dem Euro aussteigen würde.

Frau Merkel sagt: "Scheitert der Euro, dann scheitert Europa". Glaubhaft vermitteln kann sie dies nicht. Der Slogan „Bleibt der Euro, scheitert Europa!“ kommt den Tatsachen weitaus näher.

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