"Dramaturgisch schlüssig"

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Di, 15. Mai 2018

Klassik

BZ-INTERVIEW: Dirigentin Oksana Lyniv debütiert in Freiburg.

Den ukrainischen Komponisten Yevhen Stankowytsch (Jahrgang 1942) und seinen norwegischen Kollegen Arild Plau kennt man hierzulande kaum. Die aus der Ukraine stammende Musikchefin der Grazer Oper Oksana Lyniv (40) debütiert mit dem ungewöhnlichen Programm am heutigen Dienstag beim Philharmonischen Orchester Freiburg. Gegenüber Alexander Dick erklärt sie die Hintergründe.

BZ: Frau Lyniv, die Komponisten Yevhen Stankowytsch und Arild Plau kennt man hierzulande so gut wie nicht. Was erwartet den neugierigen Konzertbesucher?
Lyniv: Ein spannender symphonischer Abend mit drei zwar unterschiedlichen Werken – aber doch dramaturgisch schlüssig aufgebaut. Die Symphonie von Stankowytsch versetzt uns vom ersten Takt an in die Anspannung von Krieg, Zerstörung, und Kampf. Das Tuba-Konzert leitet auf eine nostalgische Weise weiter über zu Sibelius’ dritter Sinfonie, die das Leben preist.
BZ: War die ungewöhnliche Kombination des Programmes Ihr Wunsch?
Lyniv: Teilweise ja. Ich habe für das Programm einige Stücke vorgeschlagen, und ich habe mich sehr gefreut, dass Stankowytschs zweite Sinfonie Interesse hervorrief. Die anderen beiden Werke waren Wunsch aus Freiburg.
BZ: Sie kommen aus der Ukraine, waren zuletzt in Odessa erste Kapellmeisterin. Wie sind die Arbeitsbedingungen für Musiker derzeit in Ihrer Heimat?
Lyniv:Teilweise sehr schwierig. Nur die Opernhäuser und Orchester, die den Titel "National" tragen, sind mehr oder weniger besser bezahlt. Alle anderen haben mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Trotzdem ist es mir sehr wichtig, in meiner Heimat auch präsent zu sein. Deswegen habe ich das neue Klassik-Festival LvivMozArt gegründet sowie auch ein Ukrainisches Jugendsinfonieorchester.
BZ: Welche Erfahrungen haben Sie bei den Proben mit dem Freiburger Philharmonischen Orchester gemacht?
Lyniv: Ich bin zum ersten Mal in Freiburg und ich freue mich sehr, hier zu sein, da Freiburg und mein ukrainischer Wirkungsort Lemberg Partnerstädte sind. Ich habe von Freiburg sehr viel gehört, besonders viel über seine hervorragende Orchester und Chöre. Deswegen freue ich mich sehr, dass in unserem Programm eine europäische Premiere des ukrainischen Werks erklingt: Es ist für mich etwas Besonderes, dieses Konzert mit so spannenden Werken zu dirigieren.

Philharmonisches Konzert, Dienstag, 15. Mai, 20 Uhr, Konzerthaus, Freiburg.