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Drei Steinkauz-Junge in Mengen werden beringt

Nikola Vogt

Von Nikola Vogt

Mi, 13. Juni 2018 um 12:07 Uhr

Schallstadt

Durch die enormen Veränderungen in ihren Lebensräumen haben es Steinkäuze nicht leicht. Umso größer ist die Freude, wenn es Nachwuchs gibt – so wie jetzt in Mengen.

Viermal greift Christian Stange in die Niströhre. Dreimal kommt ein Steinkauz-Junges zum Vorschein. Beim vierten Mal bleibt seine Hand leer. Ein Tier scheint es nicht geschafft zu haben. Die restlichen drei wird er an diesem Tag beringen. Jeder Kauz ist für den Artenschutzbeauftragten wertvoll. Denn die enormen Veränderungen in seinen Lebensräumen haben in den vergangenen Jahrzehnten zu teils katastrophalen Rückgängen geführt.

2011 gab es das erste Steinkauzpaar auf der Streuobstwiese zwischen Mengen und Scherzingen, wie Leonhard Siegwolf vom Arbeitskreis Naturlehrpfad Brunnengraben berichtet. Auch in diesem Jahr sind dort nach etwa vierwöchiger Brutzeit wieder Junge geschlüpft. Vier Stück waren es, die vor etwas mehr als drei Wochen das Licht der Welt erblickten. Aus der Niströhre in dem alten Bohnapfelbaum kann Christian Stange an diesem Tag aber nur drei Jungtiere hervorholen. Leonhard Siegwolf schaut gespannt zu.

Mittlerweile kämen die Käuze abends schon aus der Röhre hinaus und warteten auf einem Ast auf ihre Eltern, die Futter brächten. "Teilweise schlagen sie dabei so nervös mit den Flügeln, dass es passieren kann, dass ein Tier herunterfällt", erklärt Christian Stange. Auch sind sie auf dem Ast leichte Beute für einen Bussard, Sperber, Wanderfalken oder eine Krähe. "Eine gefährliche Zeit", sagt Stange.

Er legt die drei Jungtiere behutsam in einen Beutel und klettert damit die Leiter an dem Apfelbaum wieder herunter. Unten angekommen holt er das erste Tier wieder heraus und legt ihm einen kleinen Ring um den Fuß. Das ist schnell geschehen – allerdings nicht ganz so schnell wie die Verdauung der kleinen Tierchen. Mit einem Schwupps landet ein dicker Klecks auf Stanges Hemd. Er lacht. "Muss in die Wäsche. Meine Frau kennt das schon", sagt er. Denn Christian Stange ist schon seit vielen Jahren im Auftrag des Regierungspräsidium in Sachen Jungtierberingung unterwegs. Er vermutet, dass die Jungen momentan viele Regenwürmer zur Fressen bekommen. Das könne für Durchfall sorgen.

Die Ringe verteilt er für die Vogelschutzwarte Radolfzell. So sind die Tiere identifizierbar. Heute gebe es wieder knapp 90 Steinkauzpaare in Südbaden. "Es ist ein großer Kampf, die Art zu erhalten", berichtet Stange. Die Hauptursache für den Rückgang des Steinkauzes ist der Verlust an geeignetem Lebensraum.

Was er brauche, so Stange, seien Hochstämme. Bis in die 1960er Jahre habe es mehrere Tausend Paare in Baden-Württemberg gegeben. Die Umstellung auf Spalierobst und Niederstämme sei dann jedoch von Nachteil für den Kauz gewesen. Gleiches gilt für den Verlust oder Rückgang extensiv genutzter Mähwiesen und Wieden.

Um das auszugleichen, wurden vielerorts Hilfsprogramme entwickelt. Sie sehen den Erhalt und die Förderung einer offenen, grünlandreichen Landschaft mit alten Obstwiesen und Kopfweiden vor. Da dies aber oft nicht ausreicht, werden künstliche Niströhren als Ersatz in den verbliebenen Obstwiesen angebracht. So auch in Mengen. Auf der kleinen Fläche sorgt zudem eine Ziegenherde dafür, dass das Gras kurz gehalten wird. "Nur dann kommen die Käuze an Mäuse und Würmer", erklärt Stange.

Er bedankt sich dafür, dass es auch hier in Mengen Engagierte gibt, die sich um den Schutz der Steinkäuze kümmern. Einer von ihnen ist Leonhard Siegwolf. Ihm ist die Freude über die drei Jungtiere ins Gesicht geschrieben. Geht alles gut, können die Tiere zehn bis zwölf Jahre alt werden.