Dreifaltigkeit plus 55 Engel

Christine Adam

Von Christine Adam

Mo, 16. Juli 2018

Klassik

A cappella: Die ESG-Kantorei in der Freiburger Christuskirche.

Ein uraltes Segenslied aus dem Ländle. Niedergeschrieben wurde der Weingartner Reisesegen im Konstanz des 13. Jahrhunderts. Der Münchner Chormusik-Könner Wolfram Buchenberg transferiert in seiner sechsstimmigen Vertonung "Von 55 Engeln behütet" die Magie dieser elementaren Poesie in die Tonsprache unserer Zeit. Archaisch hebt sie mit der leeren Quinte an. Zum Abschluss eines heißen Sommerabends in der Freiburger Christuskirche gab die Evangelische Studentenkantorei ihrem Publikum die guten Wünsche mit. Am Vortag war das A-cappella-Programm in Denzlingen zu hören. Ein leuchtender Chorsopran, der profunde Bass verströmte Zuversicht.

Überhaupt würde man gerne die tüchtige Herrenriege des Ensembles mal mit einem Werk für Männerstimmen hören. Bei Johann Sebastian Bachs doppelchöriger Motette "Der Geist hilft unser Schwachheit auf" BWV 226 war Chorleiter Florian Cramer ein souveräner Kapitän, der das Schiff, das sich Kantorei nennt, durch das Meer der Fuge steuerte. Schwingend die Koloraturen zu Beginn des Werks, der Heilige Geist war hier ein frischer Wind. Jung, fast swingend kam der Barock auch bei der Psalm-Adaption von Heinrich Schütz "Herr, unser Herrscher" (SWV 27) daher, wenn von Kindern und Säuglingen die Rede ist. Venezianische Mehrchörigkeit, von Schütz ins sächsische Dresden umgehoben.

Die Trinität, die Heilige Dreifaltigkeit also, war Thema des Konzerts. Bei Felix Mendelssohn Bartholdys "Ehre sei Gott in der Höhe" wurde mit dem geheimnisvollen "Sohn des Vaters" dem Paradoxon der Lehre von den drei Seinsweisen Gottes Rechnung getragen. Ehre sei Gott – in der Liturgie kulminiert das Gotteslob im Gloria. Das klug konzipierte Programm des Konzerts folgte dem Ablauf der lutherischen Messe. Die ersten Verse des Johannes-Evangeliums waren in der Lesart des von Martin Luther überaus geschätzten Josquin Desprez zu hören. Hell, klar der Chorklang, wo es ums Licht, sanft, wenn es um die aus Gott geborenen Kinder Gottes ging. Bach kam als Prediger zum Zuge.

Mit dem Danklied (das Chorlied "Auferstehn", Vortragsanweisung: "Sehr getragen") bewies der 1928 geborene Heinrich Poos, dass evangelische Kirchenmusik in der Nachfolge Ernst Peppings durchaus sinnlich sein kann. Die Studentenkantorei zeigte sich als leistungsstarker Chor. Da hat es nur den Wert einer Fußnote, dass die Soprangruppe nicht immer ganz homogen klang.