B31

DRK erstattet Anzeige gegen Fahrer, der Rettungswagen behindert hat

Sophia Hesser

Von Sophia Hesser

Mi, 23. Januar 2019 um 19:16 Uhr

Buchenbach

Ein Transporter versperrte einem Rettungswagen mit einem Kind an Bord auf der B31 wiederholt den Weg. Die Polizei hat den Halter ermittelt. Jetzt hat das DRK Anzeige wegen Nötigung erstattet.

Was ist passiert?

Ein Kind musste vom Krankenhaus in Titisee-Neustadt in die Uniklinik nach Freiburg gebracht werden. Ein Notfall. Der Rettungswagen des DRK-Kreisverbands Freiburg war mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs. An Bord waren laut DRK neben dem jungen Patienten ein Rettungssanitäter, der den Wagen auch fuhr, ein Notfallsanitäter und ein Babynotarzt, der gebraucht wird, wenn ein Brutkasten transportiert wird.

Zwischen Falkensteig und Himmelreich im Dreisamtal hinderte gegen 13.25 Uhr ein Sprinter den Rettungswagen am Überholen, so meldete es die Polizei am Freitagabend. Der Rettungswagenfahrer wollte auf der einspurigen Strecke die durchgezogene Linie nach links überfahren, erklärt der DRK-Rettungsdienstleiter in Freiburg, Ralf Götz. Doch der Sprinter zog nach links und versperrte den Weg. Das passierte mehrmals.

Selbst als die B31 zweispurig wurde, agierte der Fahrer laut DRK so. "Erst kurz vor dem Tunnel in Freiburg – also nach einigen Kilometern – konnte der Rettungswagen schließlich überholen", erklärt Götz.

War das gefährlich?

Der Einsatz des Rettungswagens war sehr dringend, deshalb sei er auch mit Sondersignal unterwegs gewesen, was ihm erlaubte "im Rahmen der Verkehrssicherheit die Verkehrsrechte auszusetzen", erklärt Götz. Doch der Rettungswagen konnte durch die Aktion nicht so schnell, wie er wollte, zur Uniklinik kommen. Außerdem musste er ständig abbremsen.

"Man geht davon aus, dass Autos rechts bleiben, wenn ein Rettungswagen von hinten naht", sagt Götz. Man erschrecke als Fahrer, wenn plötzlich nach links gezogen werde. Das sei gefährlich. Zumal es meist auch Gegenverkehr gebe. Wegen des Sprinters musste der Rettungswagen seine Überholversuche laut DRK ständig abbrechen und wieder auf die rechte Spur ziehen.

Für das DRK sei klar, dass die Aktion nicht nur eine Behinderung war, sondern Nötigung. Deshalb habe man die Polizei informiert. Außerdem hat das DRK Anzeige gegen den Fahrer erstattet. "Wir hoffen, dass er eine Strafe bekommt und so einen Blödsinn nicht mehr macht", sagt Götz. Jeder könne mal auf einen Rettungswagen angewiesen sein und hoffe dann auf schnelle Hilfe.

Was erwartet den Fahrer?

Die Polizei meldete den Vorfall am Freitagabend und rief auch Zeugen dazu auf, sich zu melden. Gesucht wurde ein blauer Mercedes-Kastenwagen. Das Kennzeichen hatte die Polizei da schon. "Der Fahrer des Rettungswagens hat das Kennzeichen beim Notruf durchgegeben", sagt Polizeisprecher Jerry Clark am Mittwoch. Wer der Halter ist, wisse man bereits. Details zum Vorfall wolle man nicht bekanntgeben, bevor der Fahrzeughalter vernommen wurde. Dann sollen Fragen geklärt werden. War er der Fahrer? Hat er vorsätzlich gehandelt?

Bisher besteht laut Clark der Verdacht der Nötigung. Die Strafe in solchen Fällen könne eine Geldstrafe sein oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Doch so weit sei es noch nicht: Erstmal müsse man herausfinden, was sich wirklich zugetragen habe. Und am Ende entscheide dann die Justiz, sagt Clark.

Wie verhält man sich?

"Zum Glück erleben wir so etwas nicht so häufig", sagt Ralf Götz. Behinderungen bei einer Einsatzfahrt gebe es häufiger, doch keine absichtlichen. Es komme vor, dass das Martinshorn nicht gehört werde, etwa weil das Radio zu laut sei. Manche schauten nicht in den Rückspiegel, oder jemand wisse nicht, wohin er ausweichen soll – etwa an einer Kreuzung. "Manchmal kann man auch nicht richtig einschätzen, woher das Martinshorn kommt." Verhaltensregeln für Verkehrsteilnehmer zu geben, sei schwer, da jede Situation oder jede Verkehrslage anders aussehe.

Doch ein paar Punkte könne man befolgen: Wenn ein Fahrzeug mit Sondersignal kommt, langsamer fahren und versuchen, rechts ranzufahren. Wenn nötig, eine Rettungsgasse bilden, wie etwa auf der Autobahn. An einer Kreuzung versuchen Rettungsfahrzeuge meist, links zu überholen. Wenn das nicht möglich ist, dürften Autos ausnahmsweise vorsichtig in die Kreuzung fahren, sagt Götz. Wenn dann ein Strafzettel komme, könne man die Situation ja begründen.

Auch die Polizei stellt klar: Wenn Martinshorn und Blaulicht eingesetzt werden, hat man Platz zu schaffen, "solange man sich und andere dabei nicht gefährdet", sagt Clark – auch bei einer roten Ampel. Man solle einfach das tun, was man verantworten könne.

Auch wenn der Fall auf der B 31 die Ausnahme für das DRK darstellt – Ärger gibt es wegen Einsätzen häufiger. Dann nämlich, wenn das DRK anderen den Weg versperrt. "Bei häuslichen Notfällen etwa müssen wir uns irgendwo hinstellen, da behindern wir andere und stoßen häufig auf Unverständnis", berichtet Götz. Die Aufforderung wegzufahren, stößt dann aber auf taube Ohren bei den Rettern – "wir wollen einfach nur so schnell wie möglich der erkrankten Person helfen, und dann sind wir auch schon weg".

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