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19. August 2012 12:29 Uhr

Diskussion

Druck für Stopp von Biosprit E10 wächst

Keine Zukunft mehr für E10? Umweltverbände und Verbraucherschützer unterstützen Entwicklungsminister Niebel bei seinem Vorstoß für eine Abschaffung des Biosprits. Tank oder Teller lautet die Frage.

  1. E10: Der Absatz klettert seit Monaten – der Protest steigt ebenfalls. Foto: dpa

Der Druck für einen Verkaufsstopp des Biosprits E10 wird wegen Rekordständen bei Getreidepreisen immer größer. Nach Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) fordern jetzt auch die Grünen, Greenpeace und Verbraucherorganisationen ein Umdenken bei der bisherigen Bioenergie-Strategie in Deutschland. "Generell ist Biosprit ein Irrweg, sowohl in Deutschland als auch in den USA, wo bereits rund 40 Prozent der Maisernte für die Ethanolproduktion verwendet werden", sagte der Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Foodwatch, Thilo Bode.

Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter sagte mit Blick auf ein E10-Aus: "Angesichts der weltweiten Getreideknappheit macht so ein Schritt Sinn". Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist für einen Stopp des Sprits mit zehn Prozent Ethanol. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) lässt bisher aber nicht erkennen, dass er eine Abkehr plant.

Foodwatch-Geschäftsführer Bode forderte ein Aus für Bioenergie-Subventionen. "Das würde ja alles gar nicht vonstattengehen, wenn der Steuerzahler nicht zur Kasse gebeten würde, um diese Aktivitäten zu subventionieren." Das Ganze sei "eine Subvention für die Agrarlobby und eine Beruhigungspille für die Autolobby". In Deutschland komme als Problem der massive Maisanbau für tausende Biogasanlagen hinzu. Auch der angebliche Klimaschutznutzen sei inzwischen klar widerlegt.

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Die 2011 erfolgte Einführung von E10 geht auf EU-Vorgaben zurück. Die Regierung will durch die Beimischung von Etahanol aus Getreide, Raps und Rüben die Biokraftstoffquote von derzeit 6,25 Prozent erfüllen. Altmaier ging in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" nicht näher auf die E10-Forderungen ein, betonte aber, dass Bioenergie, besonders Biomasse, für die Strom- und Wärmegewinnung in Biogasanlagen, sinnvoll sei. Diese sei "ein sehr vielseitiger und zuverlässiger erneuerbarer Energieträger", der eine wichtige Rolle für die künftige Energieversorgung spielen werde.

"E10 hat nie funktioniert" Otmar Lell, Verbraucherzentrale

FDP-Generalsekretär Patrick Döring äußerte sich wie zuvor Minister Niebel kritisch zum massiven Anbau von Energiepflanzen. "Dass wir wertvolles Ackerland mit Pflanzen bebauen, aus denen Biosprit und Biogas hergestellt werden, ist weder sinnvoll noch nachhaltig", sagte er der FAS. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast kritisierte, dass "mit öffentlichen Geldern Monokultur und Raubbau gefördert werden". Alle staatlichen Anreize für den Maisanbau seien abzuschaffen. Der Anbau von Lebensmitteln müsse Vorrang vor der Energiegewinnung haben.

Greenpeace verweist darauf, dass in Deutschland jährlich aus etwa 1,5 Millionen Tonnen Getreide Ethanol hergestellt werde. Zusätzlich importiere Deutschland rund die Hälfte des eingesetzten Ethanols aus dem Ausland: "Insofern entlastet tatsächlich ein E10-Verbot den Getreidemarkt", sagte Hofstetter. Die weltweiten Vorräte an Getreide seien auf 100 Millionen Tonnen geschmolzen. Weltweit aber würden 150 Millionen Tonnen Getreide jährlich zu Ethanol verarbeitet. Ohne die Ethanol-Erzeugung wären die Lager gut gefüllt, sagte Hofstetter. Bäckereien gehen auch für Deutschland von steigenden Preisen aus.

Auch die Bundesverband sieht E10 als gescheitert an. "E10 hat nie funktioniert", sagte Verkehrsreferent Otmar Lell der dpa. Sinnvoller sei es, die CO2-Grenzwerte für Autos zu verschärfen. Mittelfristig führe kein Weg an Elektroautos vorbei.

Das katholische Hilfswerk Misereor erklärte: "Biosprit muss abgeschafft werden, denn er verschärft den Hunger in der Welt." In der "Bild am Sonntag" betonte Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel: "Zum Einen steigen die Preise für Grundnahrungsmittel, wenn wir Mais, Weizen oder Rohrzucker in den Tank kippen. Werden die Lebensmittel zu teuer, hungern Menschen in Kenia oder El Salvador. Zum Anderen werden Bauern in Afrika und Asien von ihrem Land vertrieben, um Platz für neue Biospritplantagen zu schaffen."

Als Alternative zum Biosprit fordert Greenpeace strengere CO2-Grenzwerte und sparsamere Autos. Gerade deutsche Autobauer setzten immer noch auf viel zu schwere, übermotorisierte Modelle. Daher müsse die EU schärfere Grenzwerte für den Flottenverbrauch vorschreiben. Außerdem müsse ein Tempolimit her.

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Autor: dpa


10 Kommentare

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Michael Kirschner  

Michael Kirschner

Registriert seit: 15.11.2011

Kommentare: 366

19. August 2012 - 13:26 Uhr

Es hiess einmal Brot statt Böller, heute heisst es Sprit statt Brot.

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Florian Engels

Registriert seit: 22.12.2009

Kommentare: 286

19. August 2012 - 13:53 Uhr

Warum subventioniert man nicht den Umbau von Benzinern auf LPG-Autogas?Propan/Butan ist ein "Abfallprodukt" der Erdölförderung aber viel zu wertvoll um abgefackelt zu werden.Hier steckt noch potential drin.Ausserdem verbrennt es sauberer als Benzin.

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Martin Nägele

Registriert seit: 14.05.2011

Kommentare: 43

19. August 2012 - 14:19 Uhr

Herr Engels,
seit ich in diversen reisserischen Nachrichtensendungen Beiträge gesehen habe, die zeigen, wie Besitzer von Gasautos wegen kleiner Defekte mit katastrophalen Konsequenzen in den Intensivstationen von Spezialkliniken für Brandopfer gelandet sind, machte ich mir schon mehr Gedanken über diese Technik als vorher. Und ich rede nicht über schwere Unfälle, sondern Fälle, wo ein Benziner bei ähnlichem Defekt ohne Folgen für die Insassen halt abgefackelt wäre.
Seit so ein Fall hier im Umkreis von ca. 3 km vorkam und das einfach während der Fahrt und nicht beim Tanken, o.ä., ist das Thema für mich durch.
Noch so ein paar Ereignisse und der Gasantriebs-Hype wird zu Ende sein.
Zum Thema an sich; die Kontroverse 'Tank gegen Teller' habe ich schon ganz zu Anfang des Themas E10 vertreten und mir kam deswegen diese Plörre nicht ins Auto. Obwohl es es sogar vertragen hätte. Aber alle redeten nur von der technischen Verträglichkeit. Seltsam, dass gerade jetzt das Thema bezüglich der globalen Folgen in Sachen Hunger an die grosse Glocke gehängt werden darf.

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Gelöschter Nutzer #804452

Registriert seit: 14.03.2011

Kommentare: 866

19. August 2012 - 14:59 Uhr

@ Herr Nägele
>>"die Kontroverse 'Tank gegen Teller' habe ich schon ganz zu Anfang des Themas E10 vertreten und mir kam deswegen diese Plörre nicht ins Auto. Obwohl es es sogar vertragen hätte."

Genau so gings mir auch.
Eine Pettition gegen E10 wurde damals von der zuständigen Stelle noch verworfen.

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Franz Holst

Registriert seit: 01.04.2011

Kommentare: 156

19. August 2012 - 15:21 Uhr

ich versuche auch Produkte von Firmen zu meiden, die an der Verspritung und Zwangsbeimischung Geld verdienen. z. B. Südzucker als großer Ethanolproduzent aus Zuckerrüben und Badenova als Hersteller von Methangas aus Mais.

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Florian Engels

Registriert seit: 22.12.2009

Kommentare: 286

19. August 2012 - 15:47 Uhr

Weil in letzter Zeit zufällig zwei unglücksfälle mit Verpuffungen bei Gasautos aufgetreten sind, deren genaue Ursache noch nicht mal geklärt ist, heisst das noch lange nicht, dass diese Technik unsicher ist.Mittlerweile fahren zehntausende Autos in Deutschland sicher mit LPG-Gas, und in Italien und Holland ist die Technik sowieso seit 30 Jahren fest etabliert.Autogas ist eine sichere Technologie.

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Heinrich Georg Hefter

Registriert seit: 25.02.2010

Kommentare: 160

19. August 2012 - 15:51 Uhr

"...um die Erfordernisse der Energiewende zu erfüllen."

„Biomasse ist ein sehr vielseitiger und zuverlässiger Energieträger, der im Rahmen der Energiewende eine wichtige Rolle für die zukünftige Energieversorgung unseres Landes spielt“, sagte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) der F.A.S. Er plant einen Ausbau des Anteils der Bioenergie von derzeit acht auf 23 Prozent im Jahr 2050.

Nach jüngsten Zahlen der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe ist die Anbaufläche für Energiemais in diesem Jahr um mehr als zehn Prozent auf 800 000 Hektar gestiegen. Insgesamt werden auf 2,5 Millionen Hektar Ackerland in Deutschland nachwachsende Rohstoffe angebaut. Nach einem Szenario der Agentur wird sich diese Fläche bis 2050 auf vier Millionen Hektar vergrößern, um die Erfordernisse der Energiewende zu erfüllen.

Doch der Traum vom nachwachsenden Strom verwandelt Deutschland in eine Monokultur. In Teilen Niedersachsens, am Bodensee und in der Rheinebene südlich von Freiburg wuchs im vergangenen Jahr auf mehr als 70 Prozent der Ackerfläche Mais. In Niedersachsen steht auf mehr als der Hälfte aller Äcker Mais. In ganz Deutschland ist es mehr als ein Fünftel.

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Udo Dreier

Registriert seit: 25.05.2010

Kommentare: 106

19. August 2012 - 17:09 Uhr

Hoffentlich bleibt es beim E 10. Da spare ich ca. 4 ct. pro Liter gegenüber E 5. Da kommt was zusammen und mein Auto läuft optimal.
Im übrigen sollen doch nur 10-15 % der Autofahrer diesen Sprit tanken. Also letztendlich Peanuts.

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Verena Müller

Registriert seit: 22.06.2011

Kommentare: 55

19. August 2012 - 22:20 Uhr

Hier auch " Anti E-10"!! Alles, was einem die Regierung für "gut" verkaufen möchte, sollte man selbst überdenken.... vor allem, wenn sie einen noch Geld sparen lassen... das machen se nur, wenn etwas nicht ganz koscher ist.. für alles andere wird man grundsätzlich direkt zur Kasse gebeten!!

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Martin Burster

Registriert seit: 31.01.2010

Kommentare: 1354

20. August 2012 - 12:14 Uhr

In Teilen Niedersachsens, am Bodensee und in der Rheinebene südlich von Freiburg wuchs im vergangenen Jahr auf mehr als 70 Prozent der Ackerfläche Mais.

Auch wenn die grundsätzliche Kritik richtig ist, sollte man nicht den Fehler machen, alles auf die Energiegewinnung aus Biomasse zu schieben. Trotz des starken Flächenwachstums des Energiemaises kann zumindest bei uns noch nicht die Rede davon sein, dass dies sich bisher negativ auf die Nahrungsmittelversorgung ausgewirkt hätte:
Flächenbedarf für Bioenergie
Etwa 1,96 Mio. Hektar werden in Deutschland mit Energiepflanzen angebaut. Das entspricht knapp 17 Prozent der gesamten Ackerfläche von knapp zwölf Millionen Hektar. In Deutschland wurden 2011 auf 800.000 Hektar Pflanzen für Biogas angebaut, hauptsächlich Mais. Das sind insgesamt 6,6 Prozent der gesamten Ackerfläche. Etwa 910.000 Hektar entfallen auf Raps zur Produktion von Biodiesel und 250.000 Hektar auf den Anbau von Rohstoffen zur Produktion von Bioethanol.
http://www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Landwirtschaft/Bioenergie-NachwachsendeRohstoffe/Bioenergie/Bioenergie.html

Die Maiswüste südlich von Freiburg hat nun gar nichts mit der Bioenergiegewinnung zu tun. Die landwirtschaftlichen Erträge von Mais sind hier aufgrund der Böden und des Klimas so gut, dass neben Mais nur noch wenige andere Sonderkulturen ökonomisch Sinn machen. Wenn dann noch Saatmais angebaut wird, ist der Ertrag so hoch, dass damit keine andere Flächennutzung konkurrieren kann. Intensive Landwirtschaft ist nicht nur dann zerstörerisch, wenn Pflanzen für die Energiegewinnung angebaut werden.

Ich hoffe, dass die Bundesregierung die Förderung der Biomassenutzung so ändert, dass nur noch Abfallprodukte oder nicht intensiv gewonnene Rohstoffe vergütet werden. Wildblumenwiesen erbringen fast den gleichen Ertrag wie ein Maisfeld bei Berücksichtigung der Aufwendungen für den intensive Anbau. Damit könnte umweltfreundlich Energie erzeugt werden und Biomasse könnte weiterhin als ein Baustein der Energiewende funktionieren.

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