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27. Juni 2012

"Du lernst, das Wasser zu lesen, und verinnerlichst das"

Ein Besuch bei den Slalomkanuten des Vereins Elzwelle Waldkirch – einer Nachwuchsschmiede, die sich zu einer der besten in Deutschland entwickelt hat.

  1. Fabian Schweikert Foto: privat

WALDKIRCH. An guten Tagen sieht man von hier unten im Tal aus den Kandelgipfel, gerade so eben. Er ragt noch über die Wipfel der Bäume, die wild wachsen am Ufer der Elz. Am linken Ufer des kleinen Schwarzwaldflusses beginnt der Gütermann’sche Golfplatz. Man könnte auch sagen, dass er dort endet, für die Golfer eben, aber für diejenigen, die auf dem Wasser der Elz selbst ihren Sport treiben, beginnt er eigentlich eher. Für die Fußballer, Schwimmer und Golfer auf dem Sportgelände zwischen Gutach und Waldkirch stellt die Elz das Trennende dar, die einen siedeln links, die anderen rechts von ihr. Aber auf dem Wasser selbst, da gibt es eben auch noch jemanden. Da sind die Slalomkanuten des Vereins Elzwelle Waldkirch zuhause.

Es ist kein großer Verein, knapp 200 Mitglieder, er ist auch nicht allzu sehr gewachsen im vergangenen Jahrzehnt, aber was sich entwickelt hat während dieser Zeit, ist die Qualität der Arbeit. Der Verein hat sich zu einer kleinen, aber in Fachkreisen viel beachteten Kaderschmiede für Leistungssportler entwickelt. Für Fabian Schweikert zum Beispiel, einen 19-Jährigen, der gerade sein Abitur gemacht hat und nun konsequent einen Weg einschlägt, der ihn eines Tages zu den Olympischen Spielen bringen könnte. London in diesem Sommer ist noch zu früh für ihn, aber Rio de Janeiro im Jahr 2016 – das soll ein Orientierungspunkt sein in seinem Leben. Bis nach Brasilien ist es natürlich ein weiter Weg. In Schweikerts Fall führt er zunächst einmal sogar noch weiter weg, er führt nach Osten, nach Augsburg ins Bundesleistungszentrum für Kanuslalom und Wildwasser. Als Sportsoldat der Bundeswehr will er dort antreten.

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Auf der Elz hat er gelernt, was dort zu lernen war, der Fluss kann ihm vielleicht nichts mehr beibringen. Aber viele junge Talente folgen ihm in Waldkirch nach. Die Entwicklung der Elzwelle zur kleinen Kaderschmiede verbindet sich eng mit dem Namen von Fabians Vater Frank Schweikert, 51. Er ist Vereinsvorsitzender und Landestrainer in Personalunion, beides ehrenamtlich. Vater Schweikert entwickelte Elzwelle Waldkirch zusammen mit einigen Idealisten zum einzigen Landesleistungsstützpunkt für Kanuslalom in Baden-Württemberg. "Wir haben zehn Jahre lang Aufbauarbeit betrieben", sagt er. Ein gutes Dutzend Medaillen gewannen die Waldkircher mittlerweile bei deutschen Meisterschaften und erzielen nun auch Erfolge bei Europa- und Weltmeisterschaften im Bereich der Junioren. 15 000 aktive Kanusportler gibt es mittlerweile in Baden-Württemberg, 180 000 in ganz Deutschland – weshalb Frank Schweikert es nicht gern hört, wenn sein Sport zum Randsport abqualifiziert wird.

Dabei ist es unendlich schwierig, sich einen Bundeskaderplatz in einer der beiden olympischen Disziplinen, Kanuslalom und Kanurennsport, zu erkämpfen. Nur einen einzigen deutschen Startplatz gibt es in Fabian Schweikerts Bootsklasse, dem Kajak der Männer. Er trainiert dafür 15 Stunden in der Woche und hat schon 40 bis 50 verschiedene Rennstrecken in der Welt befahren. Zum ersten Mal saß er in einem Boot, als er vier Jahre alt war. "Seit ich sechs bin, trainiere ich regelmäßig", sagt er. Es ist eine wahre Freude, dazu an einem sonnigen Junitag ins Kanu zu steigen, es kann aber auch eine Tortur sein – im Winter, bei zehn Grad minus, wenn der Fluss unten am Wehr zufriert und auch sonst alles, was mit Wasser in Berührung kommt, schnell zu Eis erstarrt.

"Kanuslalom ist vielseitig", sagt Schweikert. "Du brauchst Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Technik und Mut." Dem 19-Jährigen wird es nie langweilig im Boot: "Das Wasser verändert sich ständig, die Bedingungen wechseln." Auf den beiden Trainingsstrecken der Elz geht es dabei noch gemütlich zu, in den Wettkämpfen sieht es anders aus. "Da fahren wir in schwierigstem Wildwasser." Der Nervenkitzel ließe sich mit dem beim Skispringen vergleichen, sagt er. 300 Meter lang ist eine Wettkampfstrecke, 90 bis 100 Paddelschläge braucht er, um die 18 bis 25 Tore zu fahren – sechs davon sind Aufwärtstore, die gegen die Strömung zu meistern sind.

Bevor der Slalomkanute ins Boot steigt, läuft er die Strecke am Ufer ab und analysiert sie Meter für Meter. Wo ist die Strömung am stärksten, wo das Kehrwasser? Mit dem Boot darf er die Strecke erst im Wettkampf befahren, über Sieg und Niederlage entscheidet auch das genaue Studium der Verhältnisse. "Du musst dir jeden einzelnen Paddelschlag schon im Voraus vorstellen können", sagt er. "Du lernst, das Wasser zu lesen, und verinnerlichst das."

Autor: Andreas Strepenick


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