Verkauf nicht ausgeschlossen

EBM-Papst will Autosparte sanieren

Jörg Buteweg, Bernd Kramer

Von Jörg Buteweg & Bernd Kramer

Fr, 16. März 2018 um 19:37 Uhr

Wirtschaft

Der Motoren- und Ventilatorenhersteller EBM-Papst steckt mit seinem Bereich Automobilzulieferung in einer Krise. Das Werk in Herbolzheim ist betroffen.

Der Bereich, dessen Zentrum in Herbolzheim angesiedelt ist und dort rund 500 Mitarbeiter beschäftigt, schreibt trotz guter Auftragslage rote Zahlen. Ein Verkauf ist nicht ausgeschlossen. Die Mitarbeiter sollen auf Lohn verzichten, um den Bereich zu sanieren.

In der Analyse sind Ralf Obergföll, der Betriebsratsvorsitzende des EBM-Papst-Werks Herbolzheim, und Johannes Pfeffer, der Sprecher der Geschäftsleitung von EBM-Papst St. Georgen, einig: "Es läuft zwar gut, aber es bleibt nichts hängen", fasst Obergföll die Situation zusammen. Pfeffer sagt: "Unser Problem ist nicht der Umsatz, wir haben ein Ergebnisproblem in Verbindung mit der sehr, sehr hohen Investitionstätigkeit." Der Bereich Automobilzulieferung des Unternehmens schreibt rote Zahlen.

"Es gibt die klare Aufforderung, das Geschäft sehr schnell zu verbessern" Johannes Pfeffer, Sprecher der Geschäftsleitung von EBM-Papst St. Georgen
Dem will der Vorsitzende der Geschäftsführung der EBM-Papst-Gruppe, Stefan Brandl, nicht länger zusehen. Dessen Auftrag an die Geschäftsführung in St. Georgen ist eindeutig: "Alle Alternativen müssen geprüft werden, auch eine Trennung vom Autogeschäft", sagt Pfeffer. Er gibt aber zu verstehen, dass er einen Verkauf vermeiden will: "Wir möchten einen Weg finden, aus eigener Kraft aus der Krise herauszukommen." Pfeffer sagt aber auch: "Es gibt die klare Aufforderung, das Geschäft sehr schnell zu verbessern."

Kostensenkung heißt nun die Devise. So haben Gespräche mit der Industriegewerkschaft Metall und dem Arbeitgeberverband Südwestmetall begonnen. EBM-Papst will einen Lohnverzicht der Mitarbeiter erreichen. Betriebsratschef Ralf Obergföll ist davon natürlich wenig begeistert. "Wenn das nur dazu dient, die Braut schön zu machen, ehe man sie verkauft, dann werden die Gewerkschaftsmitglieder da kaum mitmachen." Die müssen nämlich gefragt werden, ehe die Gewerkschaft als Tarifpartei ihre Unterschrift unter einen Vertrag setzt, der Lohnverzicht mit sich bringt.

Im Juni gab es noch ehrgeizige Pläne

Ein solcher Tarifvertrag ist nicht ungewöhnlich. In den frühen 2000er-Jahren wurde das im Herbolzheimer Werk praktiziert. In der Regel vereinbare man eine längere Arbeitszeit oder einen Verzicht auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, sagt der Freiburger Südwestmetall-Geschäftsführer Stephan Wilcken. Im Gegenzug bekämen die Mitarbeiter eine Arbeitsplatzgarantie für die Laufzeit des Vertrags. Die liegt meist zwischen zwei und fünf Jahren. Das grundlegende Problem, dass die Kosten zu hoch sind, sieht aber auch Obergföll. Er macht dafür nicht zuletzt Managementfehler verantwortlich. "Man hat die Herausforderungen verkannt, die mit dem Einstieg in das Autogeschäft verbunden sind. Da werden ganz andere Anforderungen an die Qualität gestellt." Es sei eben ein Unterschied, ob einer von vielen Lüftern in einem Raum mit Computerservern versage oder ob der einzige Lüfter oder Elektromotor in einem Autobauteil den Geist aufgebe.

Geschäftsführer Pfeffer betont, dass der gewünschte Lohnverzicht der Mitarbeiter – und damit meint er nicht nur die 500 Beschäftigten im Werk Herbolzheim, sondern alle 1800 Mitarbeiter der EBM-Papst St. Georgen mit den Standorten Herbolzheim, St. Georgen und Lauf – nur ein Baustein im Sanierungsprogramm sei: "Wir drehen jeden Stein um."

"Die Autoindustrie brummt, unsere Produkte sind gefragt" Johannes Pfeffer, Sprecher der Geschäftsleitung von EBM-Papst St. Georgen
Man prüfe die Einkaufskonditionen, frage sich, ob Teile der geplanten Investitionen nicht verschoben werden könnten, verhandle mit den Kunden in der Automobilindustrie. Gleichzeitig laufe aber die Produktion auf hohen Touren weiter. Da werde wie geplant investiert, denn die Aufträge sind da. "Die Autoindustrie brummt, unsere Produkte sind gefragt", sagt Pfeffer.

Bei der Bilanzpressekonferenz im Juni 2017 hatte der damals neue EBM-Papst-Chef Stefan Brandl noch angekündigt, den Autotechnikumsatz in fünf Jahren von 150 Millionen Euro auf 300 Millionen verdoppeln zu wollen. Investitionen im Volumen zwischen sieben und zehn Millionen Euro sollten in den kommenden zwei Jahren in das Herbolzheimer Werk fließen. Brandl sagte damals, dass der Verbrennungsmotor noch eine ganze Weile gebraucht werde.

EBM-Papst hatte das Herbolzheimer Werk vor wenigen Jahren auf neue Füße gestellt. Statt weiter auf die unter Kostendruck stehende Lüfterherstellung zu setzen, sollte das südbadische Werk zu einem Zentrum für Hightech-Lösungen für die Autoindustrie werden, die Schadstoffe reduzieren und den Verbrauch verringern. Mit dem Umbau ging auch der Abbau von 115 Arbeitsplätzen einher. Angesichts der guten Auftragslage wurden später aber wieder neue Mitarbeiter in Herbolzheim eingestellt.