Anna Herth aus Ebringen wird 90 Jahre alt

Sarah Nötlner

Von Sarah Nötlner

Fr, 03. August 2018

Ebringen

Seit der Geburt im Ort zu Hause.

EBRINGEN. Heute vor 90 Jahren wurde Anna Balbina Herth in Ebringen geboren. Ihr ganzes Leben hat sie im Ort verbracht, hier fühlt sie sich nach wie vor sehr wohl. Besonders freut sie, dass sie noch immer mit ihrem Mann zusammen sein kann.

Nach der Schule wollte die 1928 Geborene eine Ausbildung machen und Köchin werden, doch da ihr Vater früh verstorben war, blieb sie zu Hause bei ihrer Mutter und den jüngeren Geschwistern, half in der Landwirtschaft, in den Reben und versorgte die Familie mit. Etwas später ging sie in den Haushalt des Medizinalrates Schott, dort war sie bald allein für die Küche zuständig, erinnert sich Herth. Die Frau des Hauses hatte ihr gesagt: "Vier Wochen helfe ich dir in der Küche noch mit, dann muss es allein gehen." Herth sagt verschmitzt: "Und es ging. Der Arzt rief immer um 12 Uhr mit dem Telefon an und fragte: Ist das Essen fertig? Ich sagte ja, und zehn Minuten später saß er bei Tisch." Heute kommt zwar dreimal die Woche das Essen auf Rädern, aber an den anderen Tagen kocht Anna Herth noch selbst: "Das Essen auf Rädern ist zwar okay, aber das Selbstgekochte schmeckt mir schon besser."

Ihren Mann Justin heiratete Herth 1952. Mit ihm ist sie seither "ohne eine Krise, ohne einen Streit" zusammen. Wie das möglich sei, können die beiden nicht erklären, miteinander reden und eine klare Aufgabenteilung scheinen dazu beigetragen zu haben. Anna Herth kümmerte sich um Haushalt und Kinder, lange Zeit um die Reben und die Mutter, Justin arbeitete außer Haus. In der Anfangszeit ihrer Beziehung mussten sich beide gegen Widerstände durchsetzen. Anna Herth erzählt, ihre Mutter habe immer gesagt, sie solle mit dem Justin "Schluss machen, der sei doch nichts für sie, der sei krank". Justin Herth hatte der Krieg zugesetzt, er kam mit einer Lungenkrankheit aus der Gefangenschaft. Doch als beide verheiratet waren, war auch die Mutter einverstanden. Anna Herth sagt: "Da habe ich meinen Kopf durchgesetzt", ihr Mann ergänzt: "Ich war zwar damals krank, aber nun bin ich doch schon 93 geworden." Das Paar bekam drei Söhne. Bei der zweiten Entbindung gab’s eine Überraschung, erinnert sich Anna Herth. Die Hebamme tastete den Bauch ab, "der irgendwie ganz schief war", und fragte: "Nehmen sie auch zwei?" Anna war perplex, aber sagte natürlich ja. Mit Zwillingen hatte sie nicht gerechnet. Inzwischen hat sie sieben Enkel und acht Urenkel.