Trinkwasserquellen

Ebringens Bürger wollen übers Wasser entscheiden

Andrea Gallien

Von Andrea Gallien

Sa, 12. August 2017

Ebringen

In Ebringen werden Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt mit dem Ziel, die eigenen Quellen zu sanieren.

EBRINGEN. Wer geglaubt hatte, das Thema Trinkwasserversorgung sei mit dem Ratsbeschluss vom 18. Mai vom Tisch, sieht sich getäuscht. Eine Mehrheit im Gremium hatte sich damals für eine Vollversorgung durch die Badenova aus dem Wasserwerk Hausen entschieden. Dieses Votum soll noch einmal überdacht und der Wunsch der Bürger gehört werden, meinen Wolfram Kohrs und Markus Bechtold. Sie haben ein Bürgerbegehren initiiert und sammeln hierfür derzeit Unterschriften im Ort. Ihr Ziel: Das Trinkwasser sollte vor allem aus den eigenen Quellen am Schönberg kommen.

"Sind Sie dafür, durch die Sanierung der vorhandenen Quellen die ortseigene Wasserversorgung in Ebringen zu erhalten?" Diese Frage sollte den Bürgern gestellt, und erst, wenn diese sich entschieden haben, definitiv beschlossen werden, wie Ebringen künftig mit Trinkwasser versorgt wird, meinen die Initiatoren des Bürgerbegehrens. Um ihr Anliegen durchzusetzen, müssen sie die Unterstützung von mindestens sieben Prozent aller wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger durch eine entsprechende Unterschriftenliste nachweisen.

Rund 300 Unterschriften haben sie gesammelt, sagt Wolfram Kohrs, mehr als notwendig. Spätestens drei Monate nach dem Ratsbeschluss müssen sie im Rathaus übergeben werden. Das soll am Montag geschehen. Der Gemeinderat wird dann überprüfen, ob das eingereichte Bürgerbegehren zulässig ist. Ist das der Fall, wird ein Bürgerentscheid eingeleitet. Der Rat hat auch die Möglichkeit, selbst einen Bürgerentscheid anzustreben. Wie das Gremium vorgehen wird, wird sich laut Bürgermeister Rainer Mosbach in der Ratssitzung am 12. Oktober entscheiden.

Mehr öffentliche Diskussion über Wasserversorgung

Markus Bechtold meint, ein so wichtiges Thema wie die Grundversorgung mit Trinkwasser sollte von den Bürgern und nicht nur vom Gemeinderat entschieden werden. Er und seine Mitstreiter sind der Ansicht, dass öffentlich über das Thema Wasserversorgung zu wenig diskutiert worden ist, dass die Bürger zu wenig darüber wissen, wie die Wasserversorgung im Ort funktioniert und dass die Vorteile einer Nutzung der ortseigenen Quellen bei der Entscheidung im Rat zu wenig berücksichtigt wurden.

Der Rat hatte sich für eine Vollversorgung durch das Wasser aus dem Wasserwerk Hausen ausgesprochen. Gleichzeitig sollten die neu gefassten Quellen voll funktionsfähig bleiben, was auch in fünf Jahren (dann läuft der Vertrag mit der Badenova aus) eine Entscheidung für die Versorgung durch die Quellen möglich machen würde. Als Vorteile der Entscheidung für Hausen wurden im Rat genannt: Das gesparte Geld für eine Sanierung der Quellen von rund 500 000 Euro könnte in die Sanierung des Kanalsystems und damit in eine Reduzierung des Fremdwassers investiert werden, der Wasserpreis würde weniger steigen, die Gemeinde wäre ganzjährig mit Wasser gleicher Qualität versorgt.

Die Befürworter eines Bürgerentscheids lehnen das Wasser aus Hausen nicht grundsätzlich ab, sehen die Priorität aber in der Sanierung der Quellen und der Nutzung des eigenen Wassers, im Falle von Trockenheit ergänzt durch Wasser aus Hausen. Diese Variante ist nicht neu. Sie wurde bereits bei der Bürgerversammlung im Herbst 2015 als eine Möglichkeit der Trinkwasserversorgung im Ort vorgestellt. Vorteile dieser Variante wurden aber wegen der höheren Kosten nach Ansicht von Wolfram Kohrs nicht ernsthaft genug in Erwägung gezogen.

Diese wären nach Ansicht der Initiatoren des Bürgerbegehrens: Ebringen macht sich nicht abhängig von anderen, sondern nutzt seine eigenen Ressourcen so weit wie möglich. "Es ist doch widersinnig, das eigene Wasser den Bach runterlaufen zu lassen und das fremde hinaufzupumpen", meint Markus Bechtold. Zumal im Schnitt zwei Drittel des Jahresbedarfs im Ort aus den Quellen stammt und ein Drittel zugeliefert werden müsse. Das seien die Angaben, die bei der Bürgerversammlung 2015 genannt worden sind.

Ein weiteres Argument für das Ebringer Wasser: Es sei erheblich nitratärmer (11,5 Milligramm oder weniger pro Liter) als das Hausener (23,5 Milligramm pro Liter). Diese Zahlen, so Bechtold, seien zumindest die, die bekannt seien. Versuche, an neue Zahlen zu kommen, seien bislang nicht erfolgreich gewesen. Die Initiative gehe jedoch davon aus, dass die Badenova, sollte der Nitratwert weiter steigen, auch aktiv werden müsse, und dies zu einer Erhöhung des Wasserpreises führen würde.

Nach Sanierung weniger Kalk und kein Chlor im Wasser

Dass der Wasserpreis nach einer Sanierung der Quellen (Kosten: rund 500 000 Euro) und mit der Nutzung des Ebringer Wassers erheblich höher liegen wird als derzeit, ist den Initiatoren klar. Das, erklärt Ewald Feiler, der auch Unterschriften für das Bürgerbegehren sammelt, betone er auch immer, wenn er mit Bürgern spreche. Sein Argument: "Unsere Gesundheit muss uns diesen Preis wert sein." Nach einer Sanierung wäre auch die Qualität des Ebringer Wassers im Vergleich zu früher deutlich besser. Es müsse nicht mehr gechlort werden und der Kalkanteil wäre dank einer zentralen Entkalkungsanlage deutlich geringer.

Mit ihrem Wunsch, das Votum der Bürger zu hören, stehen Krohn und Bechtold nicht alleine. In der Ratssitzung im Mai war eine mögliche Bürgerbefragung Thema gewesen. Gemeinderat Ralf Schmitt hatte damals erklärt, in einer Klausursitzung des Rates sei sogar mit dem Tag der Bundestagswahl, dem 24. September, schon ein Termin ins Auge gefasst gewesen. Bei der Abstimmung im Rat entschied sich die Mehrheit aber gegen eine Bürgerbefragung. Ralf Schmitt, Alfred Braun (beide Bürger für Ebringen) sowie Eveline Jenne und Irene Winterhalter (beide Frauenliste) waren dafür.

Der Wasserpreis liegt derzeit bei 1,60 Euro pro Kubikmeter. Zum Jahresbeginn 2018 wird er auf jeden Fall steigen – etwa auf 1,90 bis 1,95 Euro pro Kubikmeter, sagt Rainer Mosbach. Grund sind unter anderem umfangreiche Kanalsanierungen, die notwendig sind, um den hohen Anteil an Fremdwasser zu reduzieren. 2,59 Euro pro Kubikmeter war der Preis, der in der Bürgerversammlung 2015 als Preis genannt wurde, wenn das Wasser vor allem aus den Quellen kommen soll. Rainer Mosbach geht davon aus, dass mittlerweile mindestens 2,70 Euro anzusetzen wären. Das werde jetzt neu berechnet, ebenso wie die aktuellen Kosten für eine Sanierung der Quellen und die damit zusammenhängenden jährlichen Folgekosten (Personal, Unterhaltung, Reinigung), die er derzeit auf 190 000 Euro pro Jahr schätzt. All das wird dann Thema der Ratssitzung im Oktober sein.