Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

09. Februar 2012

Ein Bürgermeister mit Leidenschaft und Sachverstand

Trauer in Ebringen: Der langjährige Rathauschef und Ehrenbürger Eugen Schüler ist im Alter von 89 Jahren gestorben.

  1. Eugen Schüler, Ehrenbürger Ebringens und langjähriger Bürgermeister, ist mit 89 Jahren verstorben. Das Bild stammt von 2011. Foto: silvia faller

EBRINGEN. Eugen Schüler ist tot. Der frühere Bürgermeister der Gemeinde verstarb am vergangenen Freitag im Alter von 89 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls. Am Samstag (10.30 Uhr) gedenken die Angehörigen sowie die Gemeinde und ihre Bürgerinnen und Bürger dem Verstorbenen beim Seelenamt in der katholischen Pfarrkirche St. Gallus.

Eugen Schülers Leben ist eng mit Ebringen verbunden. Hier wurde er am 5. September 1922 als Sohn einer Landwirtsfamilie geboren. Hier hat er auch selbst eine Familie gegründet und von 1963 an 37 Jahre lang als Bürgermeister gewirkt. In dieser Zeit ist Ebringen enorm gewachsen und wurde die Infrastruktur des Dorfs komplett modernisiert. In Schülers Amtszeit fällt auch ein ganz spezielles Kapitel der Dorfgeschichte: Am 6. Februar 1976 konnte er seinen Mitbürgern verkünden, dass die Gemeinde selbstständig bleibt. Fast ein Jahr lang gehörte der Ort der Einheitsgemeinde Schallstadt-Wolfenweiler an. In dieser Zeit leitete Eugen Schüler als Amtsverweser das Geschehen im Ebringer Rathaus. Denn er war zuletzt 1971 zum Bürgermeister gewählt worden und es hatte noch keine Neuwahlen gegeben, weil Ebringen gegen die Gemeindereform geklagt hatte, genau genommen gegen den Paragrafen 146 im Gesetzesblatt zur Gemeindereform vom 2. August 1974, der lautete: "Aus den Gemeinden Ebringen und Schallstadt-Wolfenweiler wird die neue Gemeinde Schallstadt-Wolfenweiler gebildet." Das Gesetz war der Abschluss der 1968 eingeleiteten landesweiten Gebietsreform.

Werbung


Eigentlich war die Mehrheit der Ebringer damals gar nicht gegen die Verschmelzung mit Schallstadt-Wolfenweiler, worin auch Mengen und Pfaffenweiler einbezogen gewesen waren. Auch Eugen Schüler war eher dafür als für die Möglichkeit ein Stadtteil Freiburgs zu werden. Nachdem sich Pfaffenweiler aber wieder aus dem Verbund gelöst hatte, sahen er und die Gemeinderäte die Chance die Selbstständigkeit zurückzuerlangen, weil es keine zweite Bürgerbefragung mehr gegeben hatte. Tatsächlich sahen die Richter des Staatsgerichtshofs in Stuttgart das Anhörungsgebot verletzt. Das Ausklammern von Pfaffenweiler habe die Planung erheblich verändert, begründeten sie ihre Entscheidung. Nach dem Urteil kam Eugen Schüler jedenfalls wieder als Ebringens Bürgermeister aus Stuttgart zurück.

Und er hat dieses Amt mit Leidenschaft, Hingabe und viel Sachverstand ausgefüllt, erzählt sein langjähriger Weggefährte und Mitarbeiter Gerhard Schmidl, der vor wenigen Wochen als Hauptamtsleiter der Gemeinde verabschiedet wurde. Bei dieser Feier hatte Eugen Schüler noch teilgenommen.

Abgesehen von der baulichen und technischen Ortsentwicklung hat Eugen Schüler sich sehr für die Aufarbeitung der Ortsgeschichte engagiert. Er hat die Renovierungen der Berghauser Kapelle und der Pfarrkirche St. Gallus und St. Otmar unterstützt. Und er regte an, einen Archivar zu beschäftigen, was die Gemeinde Ebringen mit Edmund Weeger 1986 dann auch getan hat. Weeger schätzte Eugen Schüler als Zeitzeugen mit einem schier unerschöpflichen Gedächtnis und als "eine Seele von Mensch". "Er engagierte sich unermüdlich und ruhte dabei in sich. Er war tief gläubig und vertraute immer auf eine gute Entwicklung", würdigt er ihn.

Dabei war Eugen Schülers Laufbahn als Bürgermeister gar nicht absehbar. Einst hatte er eine Ausbildung zum technischen Zeichner absolviert. Nach seiner Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg – er war Marinesoldat – war er bei den Freiburger Verkehrsbetrieben beschäftigt. 1963 wählten ihn die Ebringer zum ersten Mal und danach noch drei weitere Male. Sein Nachfolger Hansjörg Thomas ernannte ihn 1992 zum Ehrenbürger. Eugen Schüler war Träger des Bundesverdienstkreuzes und der Staufer Medaille des Landes sowie der Ehrennadel in Gold der Feuerwehr. Er hinterlässt eine Tochter.

Autor: Silvia Faller