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08. Februar 2010
Ein Stück Ebringen im Wert von 2500 Gulden
FRAUEN, DIE GESCHICHTE SCHRIEBEN: Benignosa von Ratsamhausen, die im 15. Jahrhundert die Ortsherrschaft beanspruchte
EBRINGEN. Der Anlass war ein Vortrag über "Frauen, die Geschichte schrieben". Bis dahin, gibt Gemeindearchivar Edmund Weeger zu, habe er bei seinen Forschungen auf diesen Aspekt kaum geachtet. Seither aber halte er die Augen danach offen. Gefunden hat Weeger interessante Frauengeschichten, die die BZ in einer losen Serie, ebenfalls mit dem Titel "Frauen, die Geschichte schrieben" vorstellt. Heute geht es um Benignosa von Ratsamhausen.
Ihre Geschichte spielt im spätmittelalterlichen Ebringen, als noch der Feudalismus herrschte. Es gab Ortsherren und Leibeigene, Lehnsherren und Vasallen. Ebringen gehörte damals zu den Besitzungen des Klosters St. Gallen, welches die Herrschaft über den Ort als Lehen an adlige Familien vergab. 1349 bekam die Familie von Hornberg die Ortsherrschaft über Ebringen zugesprochen. Keine 80 Jahre später hatte sich der damalige Ortsherr Konrad von Hornberg aber so hoch verschuldet, dass er die Schuld nur tilgen konnte, indem er reich heiratete. Seine Ehe mit Benignosa von Ratsamhausen wurde 1428 geschlossen.
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Die Braut stammte aus einer wohlhabenden, einflussreichen Adelsfamilie. Bei der Hochzeit bekam sie von ihrem Mann als Heiratsgut sozusagen ein Stück von Ebringen, im Wert von 2500 Gulden. Diese Vereinbarung verschaffte Benignosa einen Anspruch auf die Ortsherrschaft, so dass sie ihrem Mann in dieser Hinsicht fortan gleich gestellt war.
"Das ist ungeheuerlich", betont Weeger und verweist auf ein Schreiben, in dem der St. Galler Abt der jungen Ehefrau den Anspruch auf das Lehen Ebringen zusichert. Benignosas herausragende Stellung wird auch dadurch deutlich, dass sie ein gemeinsames Siegel mit ihrem Mann hatte. Das Siegel zeigt die Familienwappen derer von Ratsamhausen und derer von Hornberg nebeneinander. Weeger hat es auf einer Urkunde von 1439 im Generallandesarchiv in Karlsruhe entdeckt. "Das ist das einzige Mal, dass ich so ein Siegel gefunden habe", betont der Archivar. Normalerweise zeigen Siegel aus der damaligen Zeit nur das Wappen des Mannes.
Benignosas Mann Konrad starb 1457 oder 1458. Die Witwe muss danach wieder geheiratet haben, jedenfalls erschien am 11. Dezember 1458 ein gewisser Hans von Embs im Kloster St. Gallen und erbat im Namen seiner Ehefrau "Benignoß von Ratsamhusen", wie es in einer alten Urkunde heißt, die Erteilung des Lehens. Als Frau hatte Benignosa damals zwar Anspruch auf die Ortsherrschaft, sie konnte sie aber nicht alleine ausüben. "Die Lehensfähigkeit war immer an einen Mann gebunden", erläutert Weeger. Deshalb musste Hans von Embs in St. Gallen vorsprechen. Der Abt willigte ein – er erkannte Benignosas Anspruch auf Ebringen also an. Hans von Embs wurde neuer Ortsherr. Irgendwann vor 1470 starb Benignosa dann. Wann genau, ist nicht bekannt. Todesdaten von Frauen seien in den alten Quellen äußerst selten zu finden, bedauert Weeger. 1470 aber heiratete Hans von Embs seine zweite Frau, Helena von Klingenberg. Zu diesem Zeitpunkt muss Benignosa schon tot gewesen sein. Auch Helena von Klingenberg hat Geschichte geschrieben. Welche, zeigt die nächste Folge der Serie "Frauen, die Geschichte schrieben".
Autor: Barbara Schmidt
