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14. Februar 2010 18:35 Uhr

Ebringer Narren denken an die Zukunft

Im Weindorf werden bald Orangen blühen

Die Narren hielten am Narrenabend in Ebringen nicht nur kritische Rückschau, sondern malten sich auch aus, wie ihr Weindorf in ein paar Jahren aussehen könnte.

  1. Die Schlosshexen sorgten mit aufwändigem Bühnenbild und einer spannenden Seeräubergeschichte für ein furioses Finale. Foto: silvia faller

  2. Bernhard Goldschmidt (links) und Wolfgang Mayer brachten das Publikum als Duo Kataschtrophe zum Lachen. Foto: Silvia Faller

  3. Die Klämle Driebel führte beim Narrenabend vor, wie es in Ebringen im Jahr 2018 sein wird. Foto: Silvia Faller

  4. Die Klämle Driebel führte beim Narrenabend vor, wie es in Ebringen im Jahr 2018 sein wird. Foto: Silvia Faller

  5. Die Klämle Driebel führte beim Narrenabend vor, wie es in Ebringen im Jahr 2018 sein wird. Foto: Silvia Faller

EBRINGEN. Martha Felder ist die Ebringer Närrin des Jahres 2010, einige Exemplare der Gässlefetzer waren von den Schlosshexen unterjocht, Schreinermeister Ewald Feiler war zum Seeräuberkapitän "Sepp, loss mi go" avanciert, die Freiwillige Feuerwehr hat eine Ballettabteilung eingerichtet und Ebringen wird von touristischen Heerscharen aus Fernost heimgesucht, und das nicht nur wegen dem Kirschblütenfest bei der Berghauser Kapelle.

Das waren die wichtigsten Neuigkeiten vom Ebringer Narrenabend am Fasnachtssamstag. Moderiert von Susanne und Uwe Schwarz und musikalisch begleitet von einer Abordnung des Musikvereins, absolvierten unzählige Akteure aus den Vereinen und den Fasnachtsgruppen auf der Bühne der Schönberghalle wieder einmal ein vielseitiges Programm.

Glanzpunkte waren von Meike Schüler choreographierte Tanznummern, aufwändige Bühneninszenierungen der Klämle Driebel und der Schlosshexen sowie der kurze, aber überaus lustige Auftritt der Ebringer Feuerwehrmänner in Ballettröckchen aus Tüll. Bemerkenswert war auch die aufwändige Dekoration der Schönberghalle. An der rückwärtigen Wand beeindruckte eine digitale Projektion der Ebringer Fastnachtsfiguren und von der Decke schwebten auf einem Trapez kopfüber in den Kniekehlen hängend eine Hexe und über ihr sitzend ein Gässlifätzer-Guggemusikant.

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Los ging es mit dem Duo Kataschtrofo. Das waren Gemeinderat und Malteservorstand Bernhard Goldschmidt und sein Schwager Wolfgang Maier. Die beiden unternahmen eine Reise durch die Bundespolitik, persiflierten gekonnt den neuen EU-Kommissar Günter Oettinger als gebrochen Englisch sprechenden "Energizer und Black Bull aus dem Schwobeland" und beeindruckten mit einer Interpretation des Lied "Wahnsinn" von Wolfgang Petry. Goldschmidts späterer Soloauftritt kam hingegen fast ohne Pointen daher. Möglicherweise hatte das Publikum die Stellen, an denen es lachen sollte, aber auch nicht erkannt, wie der Büttenreder selbst von der Bühne herab vermutete.

Richtig komisch zu sein ist halt eine schwierige Sache

Überhaupt war das mit dem Lachen beim Narrenabend 2010 so eine Sache. Man hätte sich etwas mehr Gelegenheiten dafür davon gewünscht, was jedoch nicht heißen soll, dass das Programm schlecht war. Richtig komisch zu sein ist halt eine schwierige Sache. Neben dem Duo Kataschtrofo und den Feuerwehrmännern hatten das am Samstag Abend der Reaktion des Publikums nach zu schließen die Klämmle Driebel geschafft. Sie spießten die Kommunalpolitik und das Dorfgeschehen auf, mit witzigen Texten, einem aufwändig gestalteten Bühnenbild und klasse Kostümen.

Diese Narren, die sich sonst durch ein blau-grün-gelbes Fläcklehäs und eine freundlich lächelnde Holzmaske auszeichnen, hatten sich mit der Zeitmaschine ins Jahr 2018 verfrachtet und siehe da: das 2009 angegangene Tourismuskonzept hat gegriffen. Das hübsche Weindorf Ebringen sieht sich überschwemmt von Gästen, in erster Linie aus Japan und China, die Berghauser Kapelle ist auf Jahre hinaus als Hochzeitszeremonienort ausgebucht und beim Schloss steht ein vierstöckiger Parkingtower. Auch sonst hat sich viel getan: in der katholischen St. Galluskirche predigt eine Pfarrerin, das Kindergartengelände ist, der Klimaerwärmung sei Dank, in ein Zitronen- und Orangenhain umgestaltet und einkaufen können die Ebringer dann tatsächlich nur noch auf einem Wochenmarkt.

Kaum weniger aufwändig war die Aufführung der Schlosshexen, die als Seeräuber mit ihrem Schiff "Schwarze Perle" aufgebrochen waren, den wertvollen Rotwein, das "rote Gold" aus dem Schlosskeller zu rauben, wobei Ewald Feiler als Kapitän brillierte und die jungen Frauen und Männer der Hexenzunft mit einer hinreißenden Tanznummer ein furioses Finale bewirkten.

Autor: Silvia Faller