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02. Februar 2010
Seltenes Geschenk einer langen Friedensphase
Seniorenwerk Ebringen hatte zur besonderen Feier eingeladen
EBRINGEN (fry). 65 Jahre Frieden – gab es das überhaupt schon mal? "Noch nie", sagt Edmund Weeger, Archivar der Gemeinden Hartheim, Pfaffenweiler und Ebringen. Den Beweis trat er mit einem Vortrag an, den er im Rahmen einer Feierstunde hielt, zu der das Seniorenwerk Ebringen in den Kindergarten eingeladen hatte. Die Idee, die ungewöhnlich lange Friedenszeit von 65 Jahren zu feiern, hatte Jürgen Budde, Mitglied des Seniorenwerks Ebringen und seines Organisationsteams. Er begrüßte die festlich gestimmte Runde, rund zwei Drittel der Seniorenwerks-Mitglieder und die Kinder des Kindergartens Don Bosco mit ihren Erzieherinnen. Denn das war das Hauptanliegen: dem Nachwuchs bewusst zu machen, was für ein seltenes Geschenk eine solch lange Friedensphase bedeutet.
Zur Erinnerung an diese Tatsache und den festlichen Nachmittag bekamen die Kinder zwei Reben, denen zumindest die Kleinsten ein paar Jahre lang beim Wachsen zugucken können: eine "Palatina", die weiße, und eine "Galant", die blaue Trauben hervorbringen wird, wenn sie an einer geschützten Stelle des Kindergartengeländes gut gedeihen. Ausgesucht hatte sie Bürgermeisterstellvertreter Bernhard Goldschmidt, der die Gewächse zusammen mit Walter Mühlenkamp, Vorsitzender des Seniorenwerks, überreichte. Bis zum Einpflanzen im Frühjahr nahm sie Kindergartenleiterin Judith Danner-Schwarz in ihre Obhut, die sich zusammen mit ihren Kolleginnen Tina Winterhalter und Sunhild Peters sehr über das Geschenk freute. Zuvor waren die Reben durch Pfarrer Alois Schuler gesegnet worden. Auch die Kinder hatten ein Geschenk mitgebracht: kleine lustige Liedchen, die sie einstudiert hatten und nun vortrugen. Die an den Tischen versammelte Seniorenrunde, darunter viele Großeltern, verfolgten diesen generationenverbindenden Auftritt mit großer Freude.
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Wie kriegerisch es in den vergangenen Jahrhunderten in Deutschland zuging, machte Edmund Weeger am Beispiel Ebringens und seiner näheren Umgebung deutlich. Beginnend mit den Bauernkriegen im 16. Jahrhundert, belegte er durch Dokumente und Abbildungen, dass immer wieder Heere durch den Breisgau zogen, Felder verwüsteten, die Bevölkerung ausraubten und Festungen schleiften. Allein der Kampf der verschiedenen Machtblöcke um Freiburg hatte die wiederholte Verwüstung von Feldern und Ortschaften zur Folge. Das reiche Kartenmaterial, das Weeger mitgebracht hatte, zeigte den Schönberg mit Schneckental und Hexental als durchgehend strategisch genutztes Gelände. "Das war eine Katastrophe für die Landbevölkerung, die sich über Jahrhunderte hinzog", fasste Weeger die damalige Situation zusammen.
Und damit nicht genug ging es im 18. Jahrhundert mit den Erbfolgekriegen, im 19. Jahrhundert mit dem deutsch-französischen Krieg und dann mit den größten Katastrophen der Neuzeit, dem 1. und dem 2. Weltkrieg, weiter. "In keiner Epoche war der Bevölkerung eine Friedenszeit gegönnt, die sich über einen längeren Zeitraum als 20 Jahre hinzog", stellte der Archivar fest. In diesem Licht besehen, grenze die lange Friedensphase von 65 Jahren seit dem Ende des 2. Weltkriegs an ein Wunder, ebenso wie der friedlich verlaufene Fall der Berliner Mauer vor 20 Jahren. Naturschutzgebiete gebe es heute da, wo sich früher streng abgesperrtes Militärgelände erstreckte, etwa auf dem Schönberg.
Gar nicht dankbar genug könne man sein, ergänzte Jürgen Budde, dass sich die einstige deutsch-französische "Erbfeindschaft" in ein freundschaftliches Miteinander verwandelt hat und zumindest für Europa die Hoffnung bestehe, dass die schlimmen Folgen von Machthunger und Herrschaftsstreben der Vergangenheit angehören.
Autor: fry
