Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

20. März 2017 16:49 Uhr

Wilhelm Nobis war 34 Jahre lang Ebringens Wetterfrosch

"Wetterwilli" geht in den Ruhestand: Seit 34 Jahren hat Wilhelm Nobis das Ebringer Wetter aufgezeichnet. Für die BZ blickt er zurück – und erklärt, wie er den Deutschen Wetterdienst korrigiert hat.

  1. Der Wetterfrosch geht in Ruhestand (Symbolbild). Foto: Thomas Warnack

  2. Wilhelm Nobis ist Ebringens „Wetterwilli“. Foto: Jonas Hirt

Es war während der Ölkrise 1973. Ein Freund von Wilhelm Nobis wollte damals sein Haus dämmen. Auch Nobis machte sich darüber Gedanken, wollte aber zuerst wissen, wie sich sein Ölverbrauch zu den Jahres- und Wintermitteltemperaturen verhält. Also begann er, die Temperaturen aufzuschreiben: "Ich wollte herausfinden, ob sich die Isolierung lohnt", erklärt Nobis. Dann expandierte der Hobby-Meterologe: Sein Sohn befasste sich für ein Schulprojekt mit Niederschlägen – so begann Nobis damit, diese ebenfalls zu dokumentieren. "Ich habe einfach immer weitergemacht", sagt er heute. Das war 1983.

In den 34 Jahren änderte sich einiges. Ein Wetterhäuschen mit geeichten Thermometern, die bis auf ein Zehntelgrad genau sind – das steht nicht mehr im Garten von Nobis. Eine Funkwetterstation sendet mittlerweile alle fünf Minuten verschiedene Daten nach Österreich auf ein automatisches Wetterkartensystem. Die Daten, Temperaturen, Niederschläge und weiteren Informationen sind so umfangreich, dass Ebringen eine eigene Klimatabelle hat: "Welcher Ort in dieser Größe kann das schon von sich behaupten?", fragt Nobis. Seit 2003 hat er seine eigene Internetseite, die Kinder schenkten sie ihm zum Geburtstag.

Werbung


Nobis vermisst Genauigkeit beim Deutschen Wetterdienst

Diese Webseite wird Thomas Dellert, ebenfalls aus Ebringen, übernehmen. Nobis ist froh, dass seine Arbeit fortgeführt wird: "Es wäre jammerschade, wenn die Daten verloren gingen", meint er. Bei der Übergabe kommt es Nobis auf Genauigkeit an: Eineinhalb Jahre werde er zusammen mit seinem Nachfolger gemeinsam messen und die Werte vergleichen.

Die Genauigkeit ist es auch, die Wilhelm Nobis beim Deutschen Wetterdienst vermisst. In den Jahren 1961 bis 1990 wurden Werte in der Freiburger Innenstadt für eine Referenzperiode gemessen. Sie werden für aktuelle Vergleichsmessungen benutzt: Will man die aktuelle monatliche Zahl der Sonnenstunden in Freiburg mit einem langfristigen Mittelwert vergleichen, so wird die Zeit von 1961 bis 1990 herangezogen. 2006 allerdings zog die Wetterstation des DWD in Freiburg von der Stefan-Meier-Straße an den Flugplatz um. Laut Nobis habe der DWD die Mittelwerte der Stefan-Meier-Straße auf den Flugplatz umberechnet. Dabei habe der Wetterdienst Fehler gemacht. "Freiburg hatte 100 Sonnenstunden weniger im Jahr", berichtet Nobis. Die Folge: Freiburg rutschte von der sonnigsten Großstadt Deutschlands zur zehntsonnigsten. Dagegen habe Nobis beim DWD Einspruch erhoben. "Die Sonnenscheindauer haben sie sofort korrigiert", sagt Nobis mit gewissem Stolz.

Auch bei den Monats- und Jahresmitteltemperaturen und den Niederschlägen konnte er falsche Berechnungen feststellen. "Der Einwand ist berechtigt", sagt Hanns Ulrich Kümmerle, Mitarbeiter des DWD in Freiburg. "Die Vergleichbarkeit ist nicht gewährt", sagt er über die beiden Stationen. Man werde aber in der Stefan-Meier-Straße eine Station errichten, dann seien die Werte mit der alten Station vergleichbar und auch mit der neuen am Flugplatz. Bis dahin sehe man die Zeit als Übergangsphase.

Einen Wunsch hat er noch

Wilhelm Nobis gehe es nicht darum, sich wichtig zu machen. Er wolle lediglich auf den Fehler des DWD hinweisen. Aus seiner Sicht war die Öffentlichkeit darüber nicht ausreichend informiert. Wenn sie das denn nun ist, könne er sich mit gutem Gewissen nach 34 Jahren in den Ruhestand verabschieden. Einen Wunsch hat er allerdings noch: Für die Zeit von 1969 bis 1985 sucht er Wetteraufzeichnungen aus der Umgebung. Wenn er für diesen Zeitraum Material hätte, könne er eine Lücke schließen, denn er besitzt zwar Wetteraufzeichnungen, allerdings keine Messwerte von der Zeit vor 1969 aus Ebringen.
Die Internetseite von Wilhelm Nobis findet sich unter http://www.wetterwilli.de

Autor: Jonas Hirt