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21. Januar 2012

"Wir wollen den Kreisel – egal wie"

Ebringen knüpft seine Forderung nicht mehr an B 3-Umfahrung.

  1. Die Einmündung aus der Vogelperspektive; nach rechts geht es nach Pfaffenweiler, links nach Freiburg. Foto: BZ-Archiv/Sasse

EBRINGEN. Die Forderung bleibt gleich, nur die Umstände haben sich geändert: Um das Verkehrsproblem an der Einmündung der Kreisstraße 4953 auf die L 125 in den Griff zu bekommen, will die Gemeinde weiter einen Kreisverkehr – jetzt allerdings losgelöst von einer geplanten B 3-Umfahrung in Schallstadt. Unterstützung erhält Ebringen dabei von der Grünen-Landtagsabgeordneten Bärbl Mielich, die am Donnerstag zu Besuch in Ebringen war.

Wer in den Hauptverkehrszeiten von der Kreisstraße nach links in Richtung Pfaffenweiler auf die L 125 abbiegen möchte, braucht Geduld: Nur schwer findet sich in den Autokolonnen von Süden und Norden eine Lücke, die das Auffahren auf die Landstraße möglich macht. Außerdem sind diese Manöver nicht ungefährlich: Zwischen 2008 und 2011 gab es im Einmündungsbereich acht Unfälle. Ein neunter ereignete sich erst vor zwei Wochen (die BZ berichtete).

Um die Gefahrenstelle zu entschärfen, lange Rückstaus auf der Kreisstraße zu vermeiden und das Tempo auf der L 125 zu verringern, fordert Ebringen seit Jahren eine verbesserte und sichere Anbindung an die Landstraße. "Das kann für mich nur ein Kreisverkehr sein", machte Bürgermeister Rainer Mosbach – unterstützt von seinem Stellvertreter Bernhard Goldschmidt und Gemeinderätin Hildegund Schröder – beim Gemeindebesuch Mielichs deutlich. Um an dieses Ziel zu kommen, habe man im Sinne einer gerechten Verkehrsverteilung am Batzenberg die B 3- Umfahrung Schallstadt befürwortet – "weil sie für uns die bislang einzige Möglichkeit war, zu unserer Anbindung zu kommen." Da die Realisierung der Straße aber mehr und mehr in Frage gestellt sei, werde Ebringen seinen Wunsch nicht mehr sie knüpfen. "Wir fordern den Kreisel nun egal wie und werden dieses Anliegen offensiv und aktiv angehen", so Mosbach. Die Schwierigkeit: Der Kreisverkehr muss komplett auf Schallstadter Gemarkung gebaut werden. "Es gibt deutlich Signale aus der Nachbargemeinde, uns da entgegenzukommen", sagte der Ebringer Rathauschef.

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"Die jetzige Situation ist untragbar", meinte Bärbl Mielich (Bündnis 90/Die Grünen) und versprach, sich für den Wunsch Ebringens nach einem Kreisverkehr stark zu machen: "Wichtig ist vor allem eine zeitnahe Lösung des Ebringer Verkehrsproblems." Seit Jahrzehnten werde diskutiert und geplant – jetzt müsse ein Knopf an die Sache gemacht werden. Deshalb will die Abgeordnete aus Pfaffenweiler das Anliegen schnell an das Verkehrsministerium in Stuttgart herantragen. So könnten vielleicht schon beim Vor-Ort-Besuch der Staatssekretärin Gisela Splett zusammen mit Regierungspräsident Julian Würtenberger, den Landtagsabgeordneten und den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden am 31. Januar in Schallstadt, Lösungsansätze präsentiert werden.

"Man muss kein Prophet sein, um zu sehen,wie die Entwicklung der geplanten Umfahrung Schallstadt aussehen wird", sagte Mielich in Hinblick auf diesen Termin. Wichtig sei es, ein Verkehrskonzept für die ganze Region schaffen, das für alle betroffenen Gemeinden eine Entlastungen bringe. So bedeute ein Verzicht auf die Schallstadter Umfahrung nicht etwa, das Lkw-Verbot im Schneckental aufzuheben.

Neben Verkehr war auch die Windkraft ein Thema beim Treffen im Rathaus. Mosbach, Goldschmidt und Schröder ließen keinen Zweifel daran, dass Ebringen ein Windrad auf dem Schönberggipfel errichten will. "Wir sind in der komfortablen Lage, dass wir alleiniger Eigentümer der Flächen und Zufahrtswege sind", erklärte der Bürgermeister. Entsprechende Pläne habe es 1998 schon gegeben. Damals sei es um ein Windrad mit einer Nabenhöhe von 80 Metern gegangen, jetzt rede man über 140 Meter. "Mit solch einem Windrad können wir theoretisch unser ganzes Dorf mit Strom versorgen. Wer aus der einen Energiegewinnung aussteigt, muss in die andere einsteigen", sagte Mosbach. Der Verlust der gewohnten Gipfelansicht sei der Preis dafür. Bärbl Mielich bezeichnete eine Windmühle auf dem Schönberg als Riesenchance: "Weil der Gemeinde alles gehört, hat sie die Möglichkeit, ein Bürgerwindrad zu schaffen. Dann ist die Akzeptanz eine ganz andere."

Kurz gestreift wurden auch die Themenbereiche Wohnformen im Alter und Kleinkindbetreuung. Die Gemeinden bietet derzeit 20 Betreuungsplätze, der Bedarf aber liegt bei rund 30. Statt eines aufwendigen Anbaus an den Kindergarten könnte sich Bürgermeister Mosbach die Einrichtung von Plätzen im benachbarten Pfarrhaus vorstellen.

Autor: Tanja Bury