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12. Oktober 2017 09:06 Uhr

Efringen-Kirchen

Anwohner befürchten Gestank und Lärm – Mappachs Rat lehnt Schafstall am Ortsrand ab

Im Sommer grasen die Schafe Weiden rund um Lörrach ab, im Winter sollten 30 Tiere in einem Stall in Mappach unterkommen. Dagegen wehren sich die Anwohner.

  1. Die Idee: Den Winter über und bis die Lämmer groß genug sind, sollen Muttertiere und ihr Nachwuchs in dem in Mappach geplanten Domizil bleiben. Im Sommer soll die Herde Weiden abgrasen, die der evangelische Soziale Arbeitskreis (SAK) in Lörrach pflegt. Foto: Symbolbild: Victoria Langelott

Der Mappacher Ortschaftsrat sagt Nein zu einem Bauantrag eines Nebenerwerbslandwirtes, der am Ortsrand – baurechtlich im Außenbereich – einen Schafstall errichten will. Bis zu 50 Muttertieren und ihren Lämmern sollte dort in den Wintermonaten ein sicheres Obdach gewährt werden. Auf Kritik eines Anwohners hatte der Technische Ausschuss am Montag wie berichtet die Entscheidung bereits vertagt. Das letzte Wort über den Bauantrag hat das Landratsamt als Genehmigungsbehörde.

Nebenerwerbslandwirt Volker Weiss erzählte in der Ortschaftsratssitzung am Dienstag, wie es zu dem Antrag kam. Als 2015 der letzte Lörracher Schäfer aufgab, hat der Soziale Arbeitskreis (SAK) der evangelischen Kirche die Schafzucht als ein recht einzigartiges Projekt übernommen. Dem SAK dienen die Tiere, die nun dem Schäfer gehören, als Landschaftspfleger. Sie sollen die vom SAK bewirtschafteten insgesamt zehn Hektar Grünland rund um Lörrach-Stetten und am Tüllinger Weiden abgrasen. Zwei Winter verbrachten die 25 Schafe dann auf der Weide, nicht alle überstanden die Witterung. "Und bei einem strengen Winter fallen die Krähen über die frischgeborenen Lämmer her," schilderte Volker Weiss das Elend. Außerdem war es ein großer Aufwand, die bisher im Winter auf verschieden Weiden stehenden Tiere mit ausreichend Futterheu zu versorgen.

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Winterdomizil für 30 Schafe

So entstand die Idee, den aktuell 30 Schafen ein Winterdomizil am östlichen Ortsrand am Dürriweg in Mappach zu schaffen. 13 Meter lang und 9,60 Meter breit soll der Schafstall aus Holz sein, die Firsthöhe beträgt 7,15 Meter, die Traufhöhe 5,44 Meter, damit man mit dem Traktor den Stall bequem ausmisten und darin Heuballen transportieren kann, so Weiss. Bis zu 50 Muttertiere könnten da untergebracht werden, das Gesetz sehe 2,2 Quadratmeter Fläche pro Alttier vor.

Doch in Mappach regte sich in den vergangenen Tagen Widerstand gegen das Vorhaben. Die Kritiker befürchten vor allem eine Lärmbelastung durch das Blöken und eine Geruchsbelästigung. "Wenn tagsüber ein Schaf blökt, ist mir das egal," aber eben nicht nachts, sagte ein Mappacher, und ein anderer warf ein, dass der Schafstall auch stinken könnte. Auf den Einwand von Nebenerwerbsschäfer Volker Weiss, dass der Geruch bei Schafen – anders als bei Ziegen, Schweinen oder Hühnern – vergleichsweise gering sei, entgegnete ein Bürger: "Mist ist Mist und Schafsdreck stinkt auch" und wandte sich an die Räte mit der Frage: "Ich möchte wissen, wer denn neben seinem Wohnhaus einen Schafstall haben will?"

Ein Argument, das den Ortschaftsrat nachdenklich stimmte. Ortschaftsrätin Anita Brunner hatte die Befürchtung, dass nach und nach weitere Stallungen entstehen könnten und warb dafür, dass der Stall etwas weiter weg von der Wohnbebauung errichtet wird. Dann sei aber die Erschließung mit Wasser und Strom schwierig, entgegnete Volker Weiss. Ratsmitglied Dietmar Gempp nahm die Bedenken von Bürgern ernst. "Ich weiß nicht, ob du dir einen Gefallen tust, wenn du das auf Biegen und Brechen durchsetzt", so seine Mahnung an den Landwirt.

Prüfung durch Landratsamt

Denn das Recht steht wohl auf der Seite des Bauantragstellers, zumindest wenn er die Privilegierung als Landwirtschaftsbetrieb erhält und der eventuell nötige Grenzabstand eingehalten wird. Zu prüfen habe dies das Landratsamt als Genehmigungsbehörde, stellte Ortsvorsteher Helmut Grässlin klar.

"Recht ist nicht immer gerecht", befand Ratsmitglied Udo Rössler und begründete mit Blick auf die deutlich spürbare Unruhe im Dorf letztlich seine Ablehnung zum Bauantrag. Ortsvorsteher Helmut Grässlin schloss sich dieser an. "Wir kommen im Ortschaftsrat alle aus Bauernfamilien", meinte er, doch der Dorffriede sei ein wertvolles Gut. Bei der Abstimmung enthielten sich Thomas Händle und Hans-Ulrich Fiedler.

Ohne Reaktion blieb ein moralischer Appell des Schafhalters: "Alle sind schockiert, wenn sie im Fernsehen Berichte über Tierfabriken sehen", und jetzt rege man sich auf, wenn eine artgerechte Tierhaltung umgesetzt werden soll.

Autor: Marco Schopferer