Auch Förderverein ist unzufrieden

Ulrich Senf und Jutta Schütz

Von Ulrich Senf & Jutta Schütz

Sa, 14. April 2018

Efringen-Kirchen

Deputat der Museumsleiterin erlaubt aktuell nicht mehr / Vorsitzende Helge Meier: "Aufstockung für den Umbau wäre fantastisch".

EFRINGEN-KIRCHEN. Für Unmut hat der frühere Hauptamtsleiter Walter Silbereisen bei der Hauptversammlung des Fördervereins Museum Alte Schule gesorgt, als er Kritik daran äußerte, dass das Museum ohne Sonderausstellungen "langsam verstaube". Ganz zufrieden mit dem Status quo ist aber auch Helga Meier, die Vereinsvorsitzende nicht. Das aktuelle Stundendeputat von Museumsleiterin Maren Siegmann sei viel zu eng bemessen. Wenigstens temporär, für den Neuaufbau der Dauerausstellung hält sie eine Aufstockung für enorm wichtig.

Wenig verändert
Was Silbereisen an der Mitgliederversammlung unter dem Punkt Verschiedenes angeprangert hatte, ist allem voran, dass das Museum in den vergangenen Jahren im Bewusstsein der Bevölkerung immer mehr an Bedeutung verloren habe. Viel zu wenig sei in dem Haus gegangen. "Große Teile sind immer noch in dem Zustand, in dem sie die Vorgängerin von Frau Siegmann hinterlassen hat", ärgert er sich. Wechselausstellungen habe es im Museum schon länger keine mehr gegeben, obwohl gerade diese in früheren Zeiten etwa im zweijährigen Turnus wechselnden Themenschwerpunkte viele Besucher nach Efringen-Kirchen gelockt hatten. Kritisch hinterfragte Silbereisen auch das Konzept für die Neugestaltung der Dauerausstellung und forderte, dass dazu die Meinung von Fachleuten eingeholt werden sollte – immerhin habe die bestehende Dauerausstellung in den 90er Jahren, bei der Eröffnung des Museums in der Fachwelt für Aufsehen und viel positiven Rückkopplung gesorgt, rief er in Erinnerung.

Rathausfoyer statt Museum
Was bei einigen Teilnehmern der Versammlung als ein bösartiges Abrechnen des früheren Hauptamtsleiters mit der Museumsleiterin und deplatziertes "Auskotzen" ankam, weist auch die Vorsitzende des Fördervereins Alte Schule, Helga Meier in dieser Form zurück. Ganz bewusst habe man unter der Regie von Museumsleiterin Siegmann mit den zunächst wechselnden Ausstellungen im Rathausfoyer ein neues Forum gesucht, das den Exponaten viel größere Beachtung brachte als eine Ausstellung im Museum, verteidigt sie den Richtungswechsel. Ein echter Schwachpunkt, das räumt Meier ein, sei allerdings, dass zuletzt auch die Ausstellung im Rathausfoyer immer seltener neu bestückt werden konnte und damit an Attraktivität verlor.

60 Prozentstelle ist zu wenig
Schuld daran trage aber nicht die Museumsleiterin, weist sie die Vorwürfe Silbereisens zurück, sondern die Entscheidung der Gemeinde, dass aus Kostengründen Maren Siegmann, so wie im Übrigen alle Mitarbeiter der Verwaltung, keine Überstunden mehr machen dürfen. "Und ohne zusätzliche Stunden lässt sich so eine Sonderausstellung eben nicht realisieren", fasst Meier die schwierige Situation auf BZ-Nachfrage zusammen. Wer wisse, dass Siegmann von der 60-Prozent-Anstellung als Museumsleiterin auch noch zehn Prozent für die Archivarbeit abzwacken müsse, der könne ihr ehrlicherweise keinen Vorwurf machen, dass derzeit im Museum selbst kaum mehr etwas laufe.

Viele Pläne für Museum
Siegmann selbst hatte an der Versammlung konterte, sie habe im Rahmen ihrer Anstellung bereits mehr als 800 Stunden für Ausstellungen im Foyer und 1200 Stunden für Ausstellungen in der Alten Schule aufgewendet. Eine Sonderausstellung wie in den Vorjahren habe es 2017 wegen des Abbaus von Überstunden nicht gegeben, erklärte Siegmann. Dafür aber wurden historische Spaziergänge und Vorträge angeboten, die sehr gut angenommen wurden. Die soll es auch 2018 geben: Eine Wanderung werde sich, passend zum Denkmaltagthema "Was uns verbindet" mit dem Bau der Eisenbahnstrecke und der Geschichte der Eisenbahn am Oberrhein beschäftigen, eine andere sich dem jüdischen Leben und der jüdischen Geschichte von Efringen-Kirchen widmen. Ausgearbeitet wurden von Siegmann zudem Konzepte zum Umbau der Dauerausstellung, um diese wieder attraktiver zu machen.

Neue Wege der Präsentation
"Eine klare Optik ist gefragt, ausgesuchte Objekte sollen beispielhaft präsentiert werden, das ist besser als eine Materialflut und jedes Thema soll auch versteckte Objekte enthalten, die zum Entdecken anregen", schilderte sie einige Ergebnisse. Zum neuen Ausstellungskonzept gehören auch Repliken von Gegenständen aus der Keltenzeit, die extra für "das Anfassen" angefertigt wurden und die künftig Besuchern ermöglichen, beim Museumsbesuch auch "haptische Eindrücke" zu erleben. Begonnen werde der Umbau der Dauerausstellung mit einem "Kartenraum", denn so viele interessante alte Gemarkungskarten wie Efringen-Kirchen habe kaum eine andere Gemeinde, kündigte Siegmann an. Silbereisens Ansinnen, das neue Konzept zunächst von zwei Fachleuten überprüfen zu lassen, hält Siegmann allerdings "schlichtweg für eine Unverschämtheit".

Gemeinde ist gefragt
Einen Vorstoß will Helga Meier zusammen mit dem Förderverein Museum Alte Schule nun aber dennoch unternehmen. So wie Anfang der 90er Jahre die Stelle der damaligen Museumsleiterin für den Aufbau des Museums auf 100 Prozent aufgestockt wurde, so will sie nun den Gemeinderat dafür gewinnen, das Deputat von Maren Siegmann zu erhöhen – vorübergehend und ganz klar an den Auftrag gebunden, den Umbau der Dauerausstellung zügig anzugehen und umzusetzen. Ohne ein größeres Stundenkontingent befürchtet Meier nämlich, dass der Umbau sich neben den anderen Aktivitäten Siegmanns über Jahre hinziehen und die erhoffte Steigerung der Attraktivität damit verpuffen könnte. Leicht wird das nicht, ist sich Meier im Klaren – schließlich hat der Gemeinderat angesichts knapper Kassen zeitweise sogar schon die Schließung des Museums als Einsparoption diskutiert. Sollte es gelingen, wär’s "fantastisch", so Meier.