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08. Februar 2012
Betroffenheiten und Ängste
In der Podiumsdiskussion bekunden Kalkwerksmitarbeiter ihre Sorge vor Arbeitsplatzverlust.
EFRINGEN-KIRCHEN. Der Ortsverband der Grünen hatte zur Podiumsdiskussion über den umstrittenen Abbauflächenausweisungsantrag des Kalkwerks in die Mehrzweckhalle eingeladen und rund 300 Interessierte kamen. Bürgermeister Fürstenberger überraschte mit dem Vorschlag, das Werk möge einen neuen Antrag mit reduziertem Flächenwunsch stellen, worüber dann die Bürger beschließen sollten.
Das Kalkwerk, beziehungsweise sein Mutterkonzern Heidelberg Cement, hat beim Regionalverband beantragt, dass auf dem Schafberg eine Vorrangfläche von 40,1 Hektar für den weitergehenden Kalkabbau festgehalten wird, die den Betrieb des Werks auf weitere 45 Jahre sichern soll. Man wolle einen Beitrag zur sachlichen Diskussion leisten, sagte die Grüne Gemeinderätin Heike Hauk bei ihrer Begrüßung in der Mehrzweckhalle. Jeder solle Fragen stellen können und am Ende mit dem Gefühl nach Hause gehen, losgeworden zu sein, was er auf dem Herzen habe. Eine Hoffnung, die sich jedoch an dem vom Grünen Landtagsabgeordneten Josha Frey moderierten Abend nicht erfüllte. Die Dynamik des Abends wollte es, dass sich vor allem Mitarbeiter und Zulieferer des Kalkwerks zu Wort meldeten, die vor allem zwei Dinge herausstrichen: die Vorteile, die Gemeinde, Feuerwehr und Vereine vom harmonischen Miteinander mit dem Kalkwerk hätten, und die Sorge vor dem Arbeitsplatzverlust. Dem Beifall für die unterschiedliche Positionen nach waren die Befürworter der Ausweisung etwas in der Mehrheit.Werbung
Bei einem in 15 Jahren zu Ende gehenden Kalkabbau würden nicht nur 100 Mitarbeiter im Kalkwerk nach und nach ihre Stelle verlieren, hatte Werksleiter Leifgen deutlich gemacht, sondern auch 25 Mitarbeiter bei Saint-Gobain Weber, dessen Leiter Martin Greiner sich ebenso besorgt äußerte. Treffen würde dies auch Zulieferer, wie Schlosser Manfred Finke und Transportunternehmer Peter Friebolin aus Efringen-Kirchen sowie Bauunternehmer Ernst Kammerer aus Wintersweiler klar machten. Fehle das Werk als Auftraggeber, könnten sie ihre Arbeitsplätze nicht halten, fürchteten sie. Kalkwerksbetriebsratsvorsitzender Andreas Baumgartner warnte vor einem Aus für den "größten Arbeitgeber der Gemeinde."
Zu denen, die die Vorteile hervorhoben, die die Gemeinde durch das Werk habe, gehörte dessen stellvertretender Betriebsleiter Werner Schmid, der unter anderem an die Tausende Tonnen kostenlosen Splitts für den Wegebau erinnerte und daran, dass das Kalkwerk für die Feuerwehrleute unter den Mitarbeitern weder bei Einsätzen, noch bei wochenlangen Fortbildungen je einen Cent Lohnausfallkosten von der Gemeinde verlangt habe. Isteins Ortsvorsteher Franz Kiefer und Huttingens Ortsvorsteherin Petra Senn bekräftigten das gute Miteinander ihres Orts mit dem Werk.
Heinz Graf, Alt-Ortsvorsteher Huttingens und ehemaliger Kalkwerksleiter, wies Projektgegner aus Efringen-Kirchen darauf hin, "dass 50 Prozent der betreffenden Fläche auf Gemarkung Huttingen liegen und dass es auf der Fläche keine Reben gibt". Den insgesamt 14 Wortmeldungen von Befürwortern der Erweiterung standen fünf kritische Anmerkungen und drei besorgte Fragen gegenüber.
Gerhard Weiß bemängelte, dass – stimmten die Angaben aus den 80er Jahren – das bisherige Abbaugebiet bis zum Jahr 2040 reichen müsste. Dass dem nicht so ist, erklärte Heinz Graf damit, dass damals ein Rechenfehler des geologischen Landesamts vorgelegen habe und naturschutzrechtliche Bereiche nicht abgebaut werden konnten. Ein Neubürger aus dem Ruhrgebiet fühlte sich "in seinen Ängsten nicht ernst genommen". Günter Schöning fragte sich, ob die Pläne nur dazu dienten, den Wert des Werks zu erhöhen, um es gut verkaufen zu können. Eine Vermutung, die Peter Leifgen bestritt. Egon Baßler von der "Engemühle" sprach von den Belastungen, die unter anderem die Sprengungen am bestehenden Steinbruch für ihn bedeuten. Heinz Kaufmann fragte nach den Folgen des neuen Abbaus für Winzer und Landwirte und forderte ein Augenmerk auf die Wasserströme.
Autor: Victoria Langelott
