Heilige, Pilger, Klöster und Kirchen

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Sa, 12. Mai 2018

Efringen-Kirchen

Auf eine interessante Pilgertour nahm die Efringen-Kirchener Museumsleiterin Maren Siegmann Spaziergänger mit.

EFRINGEN-KIRCHEN. Auf eine interessante Pilgertour nahm die Efringen-Kirchener Museumsleiterin Maren Siegmann Geschichtshungrige mit. Dabei ging es vor allem um Heilige, Pilger, Nonnenklöster und Kirchen in der Umgebung der Reblandgemeinde.

Von Huttingen aus ging es nach Blansingen und auf einem anderen Weg wieder zurück. Maren Siegmann zeigte an allen Sationen Darstellungen, Karten und Urkunden, die zum Weg, den Gebäuden und Hintergrundgeschichten passten

Die alte und die neue Kapelle in Huttingen boten Gesprächsstoff und Anschauungsmaterial – nur kurz machte ein neugotischer Bau von sich reden, der die unscheinbare, aber alte Vorgängerkapelle ersetzte, die dem heiligen Nikolaus geweiht war. Der Neubau nämlich wurde bereits nach wenigen Jahren im Ersten Weltkrieg gesprengt, da er ein prächtiges Ziel für den französischen Gegner bot. Die ursprüngliche Kapelle war wohl in erster Linie für Klosterfrauen und Dienstleute des Klosters Istein gedacht, so Siegmann. "Nikolaus ist unter anderem der Heilige der Seefahrer, Binnenschiffer und Händler – das passt zum Rhein", war sich Siegmann mit den Wanderern einig. Am Wegkreuz bei Huttingen erläuterte Siegmann das Gerücht, dass das Marienkloster in Istein einst eine dem heiligen Nikolaus geweihte Kirche gehabt habe und sogar Nikolauskloster geheißen habe. "Diese Angabe findet sich nur in einer Urkunde – und das ist dann wohl ein Schreibfehler", sagte sie, um dann noch die Geschichten um Nikolas-Reliquien und dem Reliquienhandel hinzuzufügen – den der Papst 1393 eigentlich bereits verboten hatte. So haben Venezianer die Gebeine des Heiligen Nikolaus von Myra in Myra geraubt und nach "Venedig verschifft" – die türkische Nikolaus-Stiftung fordert mittlerweile die Gebeine zurück. In der Peterskirche in Blansingen wurden frühchristliche Steinplattengräber gefunden, darunter ein römischer Fußboden – hier setzte man dem heidnischen Vorbau quasi den heiligen christlichen Bau auf. "Steinplattengräber, und christliche Vorgängerbauten, die in die Kirche integriert sind, findet man noch in Fischingen", erläuterte Siegmann. Gräber in der Kirche sahen die christlichen Priester gar nicht gern – wobei: Je bedeutender oder reicher man war, gab es lange die Möglichkeit auch in Kirchen bestattet zu werden. "Je näher beim Altar, desto kürzer der Weg zu Gott", zogen die Wanderer ihre eigenen Schlüsse.

Zu den Isteiner Ortsmythen gehört die Geschichte, dass sich Bernhard von Claivaux, einer der berühmtesten Kreuzzugsprediger, in Istein aufgehalten haben soll. Siegmann ging auf die Kreuzzüge ein, die das Ziel hatten, Jerusalem von den Heiden zurückzuerobern und Not und Krieg über die Völker brachten.

Auch hier spielt eine Reliquie eine Rolle, nämlich das Heilige Kreuz, das angeblich in Jerusalem 1099 von Kreuzrittern gefunden wurde – und das dann in der Schlacht von Hattin 1187 an "die Muslime verloren ging". Die Reste des Kreuzes wurden an Kaiserin Helena nach Konstantinopel geschickt. Splitter vom Heiligen Kreuz waren eine besondere Reliquie – der Architekt Charles Rohaust de Fleury fertigte eine Liste aller größeren Kreuzfragmente in Europa an. Er berechnete die Gesamtmenge auf etwa 4000 Kubikzentimeter, das ist ein Drittel eines etwa drei Meter hohen Kreuzes mit einem Querbalken von etwa 1,80 Meter.

Auf dem Weg von Huttingen nach Blanisngen verläuft auch ein Teil des deutschen Jakobsweges. Die Jakobswege verbinden sich in Spanien und führen nach Santiago de Compostela. Jakob der Apostel war um 44 nach Christus von Herodes enthauptet worden – angeblich wurden seine Gebeine im 9. Jahrhundert in Compostela "entdeckt" – damals war Spanien fast ganz in muslimischer Hand – ein christlicher Heiliger kam gerade recht, um den Christen wieder Auftrieb zu geben und die Rekonquista einzuleiten – die Compostela-Wallfahrt wurde politisch ausgebaut – eben zur Finanzierung der Reconquista.

Die Abbilder der Heiligenstatuen in Markgräfler Kirchen fielen in der Reformation häufig dem Bildersturm zum Opfer – in der Jakobuskirche in Rümmingen wurde die Jakobusfigur beschädigt. Die Blansinger Madonna ging auf Wanderschaft – da die Blansinger zur evangelischen Lehre übertraten wurde sie von Huttinger Bürgern in die Sankt Nikolaus-Kirche gebracht – heute steht sie im Pfarrhaus von Istein.