Jetzt nur nicht zu viel Süße

Ulrich Senf

Von Ulrich Senf

Fr, 07. September 2018

Efringen-Kirchen

Guter Ertrag bei sehr guter Qualität – so fassen die Winzer die Aussichten für die Lese zusammen.

EFRINGEN-KIRCHEN. Die ersten Weine gären schon in den Fässern, doch bisher sind es hauptsächlich die sogenannten Grund- und Farbweine, die eingebracht wurden. Dazu kamen in der vergangenen Woche auch Trauben aus jungen Anlagen, die stärker unter dem Trockenstress gelitten haben als die älteren, erklärt Hagen Rüdlin, Geschäftsführer der Genossenschaft Markgräfler Winzer. Bis zu den "Großkampftagen" in den Weinbergen dauere es aber noch ein wenig.

Die Voraussetzungen für einen guten Jahrgang sind in diesem Jahr so gut wie schon lange nicht mehr. Nachdem die Winzer 2016 mit Schädlingen gekämpft hatten und 2017 der Frost ihnen einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht hatte, spricht Rüdlin bedingt durch den trockenen, warmen Sommer nun von einem schönen Vegetationsverlauf. Die Hitze habe den Reben nicht geschadet. Die Menge sei gut und die Qualität sogar sehr gut, fasst Rüdlin die aktuelle Situation zu Beginn der Lese zusammen und ergänzt: "Das freut die Winzer, das freut meine Mannschaft und das freut auch mich, weil es optimale Voraussetzungen für die Vermarktung bringt."

"Wir müssen nun vor allem aufpassen, dass die Trauben nicht noch viel süßer werden", erklärt Winzer Roland Wagner vom Weingut Huck-Wagner den relativ frühen Lesezeitpunkt. Der Spätburgunder etwa habe schon über 90 Grad Öchsle – viel mehr wolle man nicht.

"Frisch und fruchtig", so sollen die Weine schmecken, erklärt Hagen Rüdlin den Grund dafür, dass beim Lesemanagement dieser Tage genau darauf geachtet werde, dass die Öchslegrade der Trauben nicht zu hoch sind. Der Leseplan bis übernächste Woche, bis zum 14. September, liege den Winzern bereits vor. Vor allem der Müller-Thurgau aber auch der Grauburgunder und schon erste Chargen des Spätburgunders stehen da auf der Liste der Sorten, die geherbstet werden. Anschließend werde immer abhängig von der Witterung und dem Zustand der Reben über die nächsten Schritte entschieden. Ziel sei es, dass die Winzer immer eineinhalb Wochen Zeit hätten, sich auf die Termine einzurichten.

In der vergangenen Woche hatte die Mannschaft bei der Traubenannahme und im Keller die Maschinen alle zum Laufen gebracht. Inzwischen haben sich die Abläufe schon wieder eingespielt, so dass Hagen Rüdlin recht entspannt auf die kommenden Tage blickt, wenn mit dem Gutedel die Hauptsorte eingebracht wird. Mitte September werde es bis dahin aber wohl schon noch werden, schätzt Rüdlin nach der aktuellen Situation in den Rebbergen.

Zu einer gewissen Entspannung bei der Traubenannahme in der Genossenschaft in Efringen-Kirchen hat in den vergangenen Jahren beigetragen, dass gerade bei den Hauptsorten immer häufiger Vollernter zum Einsatz kommen. Da die schon sehr früh am Morgen – oder wegen der Temperaturen eher sogar noch in der Nacht – mit der Lese beginnen, kämen nun schon gegen 6 oder spätestens 7 Uhr morgens die ersten Lieferungen mit frischem Lesegut an. Dadurch sei die Annahme viel gleichmäßiger ausgelastet. Früher hatten sich alle Winzer vom späten Vormittag an vor der Annahme anstellen müssen, was mitunter zu langen Warteschlangen bis hinaus auf die Bundesstraße geführt hatte.