Efringen-Kirchen

Noch zu viele Güterzüge auf alten Rheintalstrecke

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mo, 10. Oktober 2016 um 19:04 Uhr

Efringen-Kirchen

Viele Anwohner sind genervt. Noch immer reißen nachts Güterzüge Menschen an der alten Rheintalbahnstrecke aus dem Schlaf, obwohl die Züge doch den Katzenbergtunnel nutzen sollten. Das Problem war nun Thema eines Treffens.

Wie kann es sein, dass immer noch so viele Güterzüge über die alte Rheintalstrecke und damit an den Dörfern Efringen-Kirchen, Istein, Kleinkems, Rheinweiler und Bad Bellingen vorbei fahren? Trotz seit vier Jahren fertigem Katzenbergtunnel. Das war die Frage bei einem Treffen im Rathaus Efringen-Kirchen mit DB-Verantwortlichen. Zustande gekommen war es auf Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten Armin Schuster. Mit dabei waren neben dem Ersten Landesbeamten Hoehler auch die Bürgermeister Schmid und Merstetter, Vertreter der Interessengemeinschaft Bahnprotest und ein Anwohner.

Stefan Hoffmann kann davon ein Lied singen, er wohnt in Efringen-Kirchen, wo im Bahnhofsbereich häufig Güterzüge auf die Weiterfahrt in Richtung Schweiz warten. Die Begleiterscheinungen für ihn als Anwohner: quietschende Bremsen, laute Kühlaggregate, Anfahrgeräusche. Das Zugpersonal verhalte sich mitunter wenig rücksichtsvoll gegenüber den Bewohnern der nur wenige Meter vom Bahnhof gelegenen Reihenhaussiedlung, hat er festgestellt. Efringen-Kirchens Bürgermeister Philipp Schmid bestätigte die Schilderungen. Er reiche die Beschwerden regelmäßig an das Landratsamt weiter, berichtete er. Die Zugladung bestehe zudem häufig aus Gefahrgut, über dessen Zusammensetzung die örtliche Feuerwehr meist keine Kenntnis habe. Daher solle die Bahn neue Haltezonen außerhalb geschlossener Ortschaften suchen. Zumindest eine bessere Information der Kommune durch die Bahn sei nötig, so Schmid laut der Pressemitteilung, die das Büro Armin Schusters in Abstimmung mit dem Landratsamt über das Treffen herausgegeben hat.

Der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Baden-Württemberg, Sven Hantel, eingeladen in die Region vom Bundestagsabgeordneten Armin Schuster, zeigte Verständnis für die lokale Situation. Die vom IG BOHR-Vorsitzenden Roland Diehl vorgestellte Berechnung, nach der 72,3 Prozent der Güterzüge nicht durch den Katzenbergtunnel fahren, wollte er jedoch nicht bestätigen. Grundsätzlich würden auf der Altstrecke seit der Eröffnung des Tunnels vor vier Jahren 75 Prozent weniger Güterzüge fahren, so Hantel. Nur ein Prozent der weiter durch die Ortschaften Efringen-Kirchen, Istein und Kleinkems fahrenden Züge würden dies aufgrund von Instandhaltungsarbeiten am Tunnel tun, so der Bahn-Manager. Elf Prozent würden betriebsbedingt umgelenkt.

Das Hauptproblem sah Sven Hantel beim fehlenden Ausbau der Rheintalbahn. DB-Projektabschnittsleiter Michael Scheck erläuterte, dass "der Ausbau des Planfeststellungsabschnitts 9.2 unter rollendem Rad" erfolge. Dabei sei die Rheintalbahn die am stärksten befahrene Bahnstrecke Europas. Das mache das Vorhaben so komplex. Treiber seien die Baustellen rund um den Katzenbergtunnel. Eine deutliche Verbesserung erwarte die Bahn ab 2019, wenn die befahrene Trasse verschwenkt werde. Die Fertigstellung des Gesamtvorhabens sei für 2024 geplant, erinnerte Scheck.

DB-Landeschef Sven Hantel sah den Grund für den Ärger der Anwohner auch in einem Kommunikationsproblem begründet. Bei der Eröffnung des Katzenbergtunnels sei die Erwartung geweckt worden, dass die Kernforderung sechs, "alle Güterzüge durch den Katzenbergtunnel", umgehend erfüllt werden könnte. Besser wäre gewesen, transparent zu machen, dass erst nach Fertigstellung der Bauarbeiten im Umfeld des Tunnels möglichst alle Güterzüge von der Altstrecke verschwinden könnten.

Bundestagabgeordneter Schuster formulierte als Ziel, so die Pressemitteilung weiter, gemeinsam Transparenz zu erarbeiten, anstatt sich gegenseitig Statistiken um die Ohren zu hauen. Der Erste Landesbeamte im Landratsamt Lörrach Ulrich Hoehler hielt es für geboten, die Kommunikation zwischen Deutscher Bahn, Landkreis, den betroffenen Kommunen und der IG BOHR zu verbessern. Nach dem Ende des Projektbeirats seien in den nördlichen Abschnitten der Rheintalbahn gute Kommunikationsprozesse etabliert worden. Diese fehlten im südlichsten Abschnitt noch. Gemeinsam sollten die offenen Sachfragen und Kommunikationsprobleme erörtert werden.

Wie die anwesenden Bürgermeister und die Vertreter der Bürgerinitiative begrüßte auch Hantel die Initiative des Landkreises. Die Bahn sei an Transparenz interessiert. Wenngleich dadurch die Problematik bis zum Ende der Bauarbeiten nicht verschwinden werde, könne man doch die Zwangslagen offenlegen, die eine Umlenkung von Güterzügen auf die Altstrecke nötig machten.