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11. Januar 2014

Sammler aus Ungarn unterwegs

Anwohner werden per Handzettel um Räder, Kleider, Geräte gebeten /Hauptamtsleiter vermutet neue Masche von Schrotthändlern.

  1. Maschinen aller Art, Computer, Mobiltelefone und vieles mehr lassen sich noch gut verkaufen und sind bei Schrotthändlern begehrt. Foto: Brakemeier/dpa

EFRINGEN-KIRCHEN. Anwohner von Efringen-Kirchen rätselten Anfang des Jahres über Zettel in ihrem Briefkasten, die eine Straßensammlung ankündigten und dazu aufforderten, alle möglichen Dinge an die Straße zu stellen, vom Rasenmäher über Skier bis zum Laptop. "Wir nehmen alles, was Sie nicht brauchen", kündigten die Sammler an, die sich als "ungarische Familie" vorstellten. Manch einer fragte sich jedoch, ob das legal ist? "Das ist es", antwortet Hauptamtsleiter Pfahler.

Den Weg zur Möglichkeit solch freier Sammlungen von jedermann ebnete die Aufhebung des sogenannten Sammlungsgesetzes, die in Baden-Württemberg vor einem Jahr wirksam wurde. Davor mussten Sammler von Spenden jeglicher Art dies bei der zuständigen Behörde melden und eine Genehmigung dafür einholen. Doch weder Meldung noch Genehmigung braucht es heute noch, wie das Landratsamt bekräftigt. Der Landtag hatte das Gesetz unter anderem mit Hinweis darauf aufgehoben, dass es nicht mehr zeitgemäß sei, erinnert das Landratsamt (siehe Infobox). Mit den Handzetteln in der Hand kamen einzelne Bürger nun zu Hauptamtsleiter Clemens Pfahler. Wie soll man damit umgehen, fragten sie ihn. Sein Rat: "Wenn Sie etwas loswerden wollen, stellen Sie es an die Straße, wenn nicht, werfen Sie die Zettel weg." Ziemlich sicher ist sich Pfahler, dass die Geschichte mit der ungarischen Familie nicht stimmt. Er vermutet, dass es schlicht Schrotthändler sind, die die Geräte gewinnbringend verkaufen wollen. Sie stellen sich deshalb als Familie vor, glaubt er, weil das sympathisch klingt und die Bereitschaft vergrößert, Nicht-mehr-Gebrauchtes bereitzustellen.

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Auch Anwohner von Istein fanden jeweils zwei kopierte Hinweiszettel in ihren Briefkästen. Auf dem einen Handzettel wurde gezielt nach Fahrrädern gesucht, willkommen, auch wenn sie nicht mehr funktionierten. Sogar nach abgemeldeten Autos wurde gefragt. Als Ansprechpartner war darauf Jungvirt Richárdné aus Szentkirályszabadja genannt, jedoch ohne Adress- oder Telefonangabe. So lässt sich nicht prüfen, ob es eine Person solchen Namens gibt. Auf dem zweiten Zettel waren die von der "Familie" gesuchten Gegenstände genau aufgelistet: Kleider für Erwachsene und Kinder, Schuhe, Rasentrimmer, Kettensägen, Felgen, Kaffeemaschinen und so weiter konnten die Sammler brauchen, oder "Möbel in Fichte und Eiche", auch "Bruch-Goldstücke" und "LCD-Monitore", die ruhig defekt sein konnten. Wobei die Sammler mit Ausrufezeichen vermerkten: "Bitte keinen Sperrmüll oder Abfall". Das Sammeldatum war jeweils blau mit einem Stempel aufgedruckt.

Auch wenn das Sammeln legal ist: Die Polizei hat doch ein Auge auf derlei Profis, die ihr seit einiger Zeit auffallen und vor allem aus Ungarn stammen, wie der Polizeisprecher auf BZ-Nachfrage bestätigt. Man sehe in der Region immer wieder einmal Transporter mit ungarischem Kennzeichen durch Straßen fahren. Auch, wenn dort Schrott- oder Sperrmüllsammlungen angekündigt sind. Die Polizei habe schon verschiedentlich Fahrzeuge kontrolliert, jedoch ohne Ergebnis.

Inakzeptabel wird es aber für Anwohner, wenn sich Sammeln und Stehlen vermischen. Der Polizei sind schon Fälle gemeldet worden, bei denen die Sammler offensichtlich Fahrräder mitgenommen hatten, die zwar vor dem Haus standen, aber keineswegs zum Mitnehmen gedacht waren. Hart traf es auch einen Mann aus Schopfheim, der beim Reifenwechsel gerade dabei war, seine Alufelgen zu waschen und diese an die Straße gestellt hatte. Bis er sich umsah, waren sie weg. "Autonummer notieren und die Polizei informieren", ist der Rat der Polizei.

Autor: Victoria Langelott